2018: Lithium-Ionen-Zellen werden knapp Eine Branche im Rausch

Mehr Anbieter in der Zukunft?

Schnelles Reagieren auf Bedarfe ist auch deshalb schwierig geworden, weil seit einer Veränderung der Frachtbestimmungen für Lithium-Ionen-Batterien, durch die IATA im April 2016, nur noch ein verschwindend kleiner Anteil der Zellen per Luftfracht geliefert wird. So ist inzwischen bei Airlines wie KLM, Lufthansa oder Singapore Airlines der reine Batterietransport sehr stark reduziert beziehungsweise ganz verboten. Wie Bauer bestätigt, gibt es zwar noch Airlines, die Gefahrgut „Class 9“ befördern, »aber das ist schon fast nicht mehr bezahlbar«. Eine zukünftige Entspannung in diesem Punkt ist kaum zu erwarten, vielmehr geht die Mehrheit der Branchenteilnehmer davon, aus, dass die Transportbestimmungen in Zukunft noch weiter verschärft werden, mit entsprechenden Konsequenzen für die Lieferkette.

Auf die Frage, was sich in den letzten fünf bis zehn Jahren bezüglich der Batteriekonfektionierung auf dem deutschen Markt am meisten verändert hat, dann ist das für Bauer vor allem die Komplexität der Batterielösungen und die Größe der Batterien: »Damals waren das kleine Projekte mit kleinen Batterien. Wir haben vielleicht 50 Projekte im Jahr gemacht, und das hauptsächlich im Bereich Gartentool, Powertool und Medizin. Heute stehen wir bei 250 Projekten im Jahr und sprechen von Batterien, die teilweise ein Gewicht von 2,5 Tonnen erreichen und Spannungen von 800 bis 1000 V generieren, das sind hochkomplexe Systeme«.

Je nach befragtem Unternehmen…

...variieren die Aussagen über den Zuwachs der Projekte in den letzten zehn Jahren zwischen einer Verdoppelung und einer Verzehnfachung. »Vor zehn Jahren haben wir uns im Jahr mit fünf Projekten beschäftigt, heute sind es 15«, stellt etwa Suter fest. »Gefühlt hat sich die Anzahl der Projektanfragen in den letzten zehn Jahren sicherlich mehr als verdoppelt«, meint Eichhorn. »Getrieben worden ist das unter anderem durch das Zusammenspiel von technologischem Fortschritt bei der Batterie- und Funktechnologie und der wachsenden Start-up-Kultur«.

Bleibt die Frage, wie lange der Boom in der Batterie-Konfektionierung noch anhalten wird? Wird er weiterhin Neueinsteiger anziehen, wie das in den letzten Jahren immer wieder geschehen ist, oder wird er in eine Konsolidierungsphase eintreten? Sonnemann geht vor dem Hintergrund der Knappheit an Lithium-Ionen-Zellen davon aus, dass der Markt sich eher konsolidieren wird und Neueinsteiger es in Zukunft schwer haben werden.

Schein erwartet ebenfalls eine Konsolidierung: »Weil die Qualitätsanforderungen steigen, und die damit einhergehenden Automatisierungsschritte in den Produktionsabläufen ein beträchtliches Investitionsvolumen erfordern, rechnen wir mit einer Konsolidierung des Marktes. Die größeren Hersteller werden dann die Vorteile der Skaleneffekte nutzen können.«

Bauer rechnet mit einem Sterben…

...der kleineren Akku-Konfektionäre: »In Zukunft wird Laserschweißen notwendig sein. Die Projekte werden immer komplexer, und es wird immer schwieriger, die Zellen zu beschaffen. Das können kleine Unternehmen in Zukunft nicht mehr stemmen«. Er rechnet statt dessen mit zukünftigen Quereinsteigern, die aus dem Bereich der Automotive-Zulieferindustrie kommen: »Die müssen sich neu orientieren, sie haben das notwendige Geld, die Manpower, und auch das technische Know-how, um so was umzusetzen«.

Pfeil und Hack sehen mittelfristig eine Konsolidierung der Branche: »Kurzfristig rechne ich aber noch mit weiteren Neueinsteigern«, meint Pfeil, »der Markt wächst weiter stark«. Im Anschluss daran erwartet er aber nicht eine so starken Konsolidierung wie etwa im Solar-Markt: »Es wird auch in Zukunft immer noch einen Markt für individuelle Batterien in kleineren Stückzahlen geben.« »Natürlich hat der Markt noch das Potenzial für neue Unternehmen«, ist sich Hack sicher, »aber die damit verbundenen Investitionen werden immer aufwendiger. Mit einer Schweißmaschine in der Garage ist es schon lange nicht mehr getan!« So bestimmen heute Schweiß- und Klebe-Roboter sowie automatisierte Schraubsysteme zunehmend das Bild moderner Fertigungslinien.

Dr. Heydecke sieht gerade in der Spezialisierung auf spezifische Anwendung auch in Zukunft gerade Chancen für kleine Unternehmen und Neueinsteiger im Bereich der Batteriekonfektionierung. Eichhorn geht davon aus, dass über die Entwicklung gerade der kleinen Akku-Konfektionäre in Zukunft vor allem die zukünftige strategische Ausrichtung der Zellhersteller entscheiden dürfte. Suter schließlich erwartet nicht, dass es in Zukunft nur noch einige wenige größere Unternehmen in der Branche geben wird, vielmehr geht er davon aus, »dass wir in Zukunft eher noch mehr als weniger Anbieter haben werden«.