2018: Lithium-Ionen-Zellen werden knapp Eine Branche im Rausch

Lösung für das Versorgungsproblem...

Ganz konkret wird in diesem Zusammenhang Sonnemann: »Panasonic hat und wird sich weiter auf den Automotive-Bereich ausrichten, so dass es in den anderen Bereichen zu Knappheit an hochwertigen Lithium-Ionen-Zellen der Größe 18650 kommen wird.« Aus diesem Grund empfiehlt Panasonic Anwendern für Bereiche, in denen Langlebigkeit und ein weiter Temperaturbereich von Nöten sind, den Einsatz von NiMH-Batterien. »Hier gib es keine Knappheit, und auch der Transport ist einfacher.«

Für Bauer ist klar, »dass 2018 einige Zellenhersteller bei 18650 lieferunfähig sein werden«. Das unter anderem von ihm vorangetriebene Projekt einer Batterie-Foundry, TerraE, ist deshalb für ihn eine Lösung des Versorgungsproblems, »das sowohl von der deutschen Regierung als auch der EU gestützt wird«. Auch Dr. Heydecke geht davon aus, »dass die Lieferprobleme bei 18650-Zellen in Zukunft bestehen bleiben und sich eher noch erweitern werden, weil der Automotive-Sektor hohe Kapazitäten benötigt«.

Varta bestätigt eine extrem hohe Nachfrage…

...nach Lithium-Ionen-Rundzellen in vielen Bereichen, wobei Herbert Schein von Varta Microbattery darauf hinweist, dass die Nachfrage nach Zellen im Format 21700 heute schon hoch sei, »und dieser Zellenbauform wird heute bereits ein noch größeres Wachstum als den 18650-Zellen prognostiziert«. Schein weist auch darauf hin, dass bei Lithium-Ionen-Mikrobatterien etwa für Hearables und Wearables die Wachstumszahlen kontinuierlich nach oben gehen.

Für Suter kann es gut sein, »dass es zu Engpässen in der Versorgung mit Zellen des Formats 18650 kommt, ich vermute aber eher, dass in Zukunft nur noch eine kleinere Auswahl an 18650er-Typen zur Verfügung stehen wird«. Er verweist in diesem Zusammenhang auch darauf, »dass mittelgroße Hersteller in China heute schon darauf setzen, Zellen zu fertigen, die bei den wichtigen und bekannten Herstellern nicht mehr zu haben sind«.

»Letztlich wird entscheidend sein, welche Zellen die großen Autohersteller brauchen werden«, meint Pfeil, »aktuell setzt kein Hersteller, außer Tesla, auf vergleichsweise kleine Rundzellen«. Er verweist auch darauf, dass sich 18650er-Fertigungsstraßen nicht einfach auf großformatige Zellen umrüsten lassen:»Da sind viel mehr Neuanschaffungen und Neubauten notwendig.« Sollte zudem die Giga Factory von Tesla im vollen Umfang produktionsbereit sein, »stünde nach den heutigen Absatzzahlen der Tesla-Fahrzeuge ein enormer Zellenüberschuss qualitativ hochwertiger Zellen zur Verfügung«. Und wenn sich zudem wasserstoffbetriebene Autos in stärkerem Umfang als bisher am Markt durchsetzen, könnte das Thema Versorgungssicherheit mit Lithium-Ionen-Rundzellen aus der Sicht von Herbert Pfeil neu zu bewerten sein.

Wie schon auf dem Batterie-Roundtable…

der Markt&Technik im Sommer dieses Jahres besprochen, erschwert aber immer häufiger nicht nur die Lieferzeit der Batteriehersteller, sondern vor allem die angespannte Liefersituation im Bereich aktiver und passiver Bauelemente die fristgerechte Fertigstellung und Auslieferung von Batterie-Packs. »Bei der Herstellung von komplexen Batterieelektroniken ist die Chance nach wie vor sehr groß, dass irgendein Bauteil schwer erhältlich ist. Wenn der Fall eintrifft, kann der Akku-Pack nicht gefertigt respektive nicht geliefert werden«, stellt Suter nüchtern fest.

Für Dr. Heydecke hat die zunehmende Abhängigkeit von der Versorgungslage mit Bauelementen damit zu tun, »dass die Elektronik in vielen Anwendungen in den letzten zwei, drei Jahren immer komplexer geworden ist. Viele Anwendungen werden smart, das bedeutet, dass die Batterien mit dem Gerät kommunizieren und dem Anwender Informationen zur Verfügung stellen müssen, um die Nutzung zu verbessern«.

»Als Worst-Case-Szenario sehen wir uns schon mal mit Lieferzeiten von bis zu acht Monaten konfrontiert«, meint Hack, »auf diese Situation muss man sich einstellen und die guten Kontakte in die Bauelementebranche pflegen«. Auch für Bauer wird die Situation in diesem Bereich, »immer enger und enger. Zellen haben zwischenzeitlich fünf bis sieben Monate Lieferzeit, und Bauteile erreichen inzwischen teilweise 42 Wochen. Wir reagieren darauf mit umfassender Planung, Sicherheitsbeständen und der Schließung langfristiger Verträge.«

»Weil die Zellen inzwischen meist ebenso lange Lieferzeiten haben wie aktive oder passive Bauelemente«, so Eichhorn, »spielen die langen Lieferzeiten der Bauelemente für die Realisierung der Batterie-Packs nur in seltenen Fällen noch eine tragende Rolle«.