sonnenCommunity Ein Startup uf dem Weg zum 100-Millionen-Euro-Unternehmen

Christoph Ostermann, sonnen: »Unser Ziel ist es, dass sich jeder Mensch mit erneuerbarer, dezentral erzeugter und erschwinglicher Energie versorgen kann.

Mit dem virtuellen Netzwerk sonnenCommunity tritt das Allgäuer Startup seit kurzem direkt gegen klassische Energieerzeuger an. Für sonnen-Mitgründer und CEO Christoph Ostermann ist das ein entscheidender weiterer Schritt in der rasanten Entwicklung des Unternehmens.

Seit Ende 2015 ist sonnen erfolgreich im US-Markt aktiv, nun folgen Italien, Großbritannien und Australien. Noch in diesem Jahr will Ostermann die Zahl der verkauften sonnenBatterien verdoppeln.

Markt&Technik: Mit dem virtuellen Netzwerk sonnenCommunity schicken Sie sich an, traditionelle Stromversorger überflüssig zu machen oder sie zumindest auf ihre Aufgaben als Netzbetreiber zu reduzieren. Wie genau funktioniert die sonnenCommunity?

Christoph Ostermann: Es handelt sich dabei um eine Gemeinschaft, in der alle Erzeuger und Verbraucher miteinander vernetzt sind und sich gegenseitig mit erneuerbaren Energien versorgen. Rein technisch handelt es sich dabei um ein Peer-to-Peer-Netzwerk, das die existierende Netzstruktur nur noch zur Vermittlung des benötigten Stroms zwischen den Community-Mitgliedern nutzt. Mit diesem Konzept ermöglichen wir erstmals allen Haushalten, die ihre Energiezukunft selbst bestimmen wollen, den Zugang zu bezahlbarem und sauberem Strom.

Wie haben die herkömmlichen Stromversorger auf das in dieser Form absolut neue Konzept reagiert?

Wir haben mit allen existierenden Stromversorgern in Deutschland Verträge abgeschlossen. Die entsprechende Post ist hier wäschekörbeweise eingetroffen. Damit kann nun jeder Haushalt in Deutschland Mitglied der sonnenCommunity werden. Zu Beginn handelt es sich bei den Mitgliedern in erster Linie um Hausbesitzer mit einer PV-Anlage und einer sonnenBatterie, die überflüssigen Strom speichert. Mitglieder der sonnenCommunity erhalten unsere intelligenten Batteriespeichersysteme mit 2 kWh bereits für 3599 Euro. Überflüssiger Strom, der nicht verbraucht, oder gespeichert werden kann, wird online mit der sonnenCommunity geteilt und damit den Mitgliedern zur Verfügung gestellt.

Das klingt immer noch so, als wenn diese Möglichkeit nur den Besitzern von PV- und Speicheranlagen zur Verfügung stehen würde?

Nein, auch Haushalte ohne eine Möglichkeit zur eigenen Stromerzeugung oder eigene Batteriespeicher können den Community-Strom beziehen. Interessenten können sich auf der Website der sonnenBatterie ein individuelles Tarifpaket zusammenstellen und sich dort als Mitglied registrieren lassen. Für die Erzeuger dieses Stroms bietet die sonnenCommunity die Möglichkeit, ihren überschüssigen Strom mit einem zusätzlichen Erlös zur Einspeisevergütung per Direktvermarktung zu verkaufen. Mit etwa 23 Cent pro kWh für den bezogenen Strom liegt der Preis etwa um 15 bis 20 Prozent unter den herkömmlichen Strompreisen.

Wie genau ermittelt und verteilt dieses Netzwerk den produzierten überschüssigen Strom?

Wir kombinieren hier drei Technologien: dezentrale Energieerzeugung, moderne Batteriespeichertechnik und digitale Vernetzung. Gesteuert wird das Ganze über eine leistungsstarke, selbstlernende Software-Plattform, die die einzelnen Mitglieder der sonnenCommunity miteinander verbindet. In Echtzeit werden dabei die Daten von Erzeugung und Verbrauch aller Mitglieder ausgewertet und Angebot und Nachfrage dadurch ausgeglichen. Durch die Kombination von Wetter- und Verbrauchsdaten aller Mitglieder ist außerdem eine sehr genaue Prognose für die zu erwartende Erzeugung und den Bedarf innerhalb der sonnenCommunity möglich. Auf diese Weise lässt sich die zyklische Energiezufuhr aus erneuerbaren Energien besser kalkulieren und flexibler integrieren.

Findet die Differenzierung in der PV-Branche in Zukunft vor allem über die Software statt?

Ihr wird auf jeden Fall eine immer größere Bedeutung zukommen. Wir beschäftigen weltweit etwa 150 Mitarbeiter. Gut zwei Dutzend davon sind Software-Entwickler. Ich halte das für eine zwangsläufige Entwicklung. Bei vielen Produkten und Systemkomponenten in der PV-Branche handelt es sich inzwischen um Standardprodukte. Differenzieren kann man sich hier nur noch über den Mehrwert, den man dem Käufer bietet. Eine leistungsfähige, intelligente Softwarelösung ist da ein gutes Differenzierungsmerkmal.

Vor diesem Hintergrund ist wohl auch die Differenzierung der sonnenBatterie als intelligentes Lithium-Speichersystem zu verstehen.

Unser System sorgt automatisch dafür, dass Hausbesitzer den maximalen Anteil ihres selbst erzeugten Stroms auch selbst verbrauchen. So ermittelt und speichert die sonnenBatterie den Stromverbrauch im Haushalt und kombiniert dieses Verhalten mit aktuellen Wetterdaten. Anhand dieser Informationen kann sie den Solarstrom optimal im Haus verteilen. Darüber hinaus ist sie in der Lage, gezielt elektrische Geräte im Haushalt zu aktivieren, wie etwa Waschmaschinen oder auch einen Heizstab. Mit der Einbindung in die sonnenCommunity kann „überflüssiger“ Solarstrom nun auch anderen zur Verfügung stellt werden.