Kommentar Ein deutscher Import- und Exportschlager: Lithium-Ionen-Technik

Engelbert Hopf, Chefreporter, EHopf@markt-technik.de

xxx

Wenn es um den Primat der Politik über die Wirtschaft geht, dann trifft das in der Elektronikbranche wohl vor allem für einen Bereich zu: Ob kleine Batteriezelle, oder großer elektrochemischer Energiespeicher, ihre Marktentwicklung wird angetrieben von den einstmals proklamierten Klimazielen der Bundesregierung. Auch wenn diese sich inzwischen was die Zeitziele angeht korrigiert hat, das Geschäft mit elektrochemischen Energiespeichern boomt.

Am deutlichsten profitiert von diesem Trend hat das Geschäft mit Lithium-Ionen-Zellen und -Batterien. Sie machen inzwischen nach Angaben des ZVEI über 50 Prozent des gesamten Importvolumens an Batterien nach Deutschland aus, das 2016 bei rund 3,3 Milliarden Euro lag. Auch beim Export haben die Lithium-Ionen-Batterien massiv zugelegt. Von 200 Millionen Euro im Jahr 2011 kletterte ihr Exportumsatz bis 2016 auf über 500 Millionen Euro. Tendenz weiter steigend. Stark sind die deutschen Batteriespezialisten dabei im „Veredeln“. Lithium-Ionen-Zellen werden quasi als „Rohstoff“ aus Asien importiert, und dann in Deutschland mit den notwendigen Managementsystemen, der Leistungselektronik sowie den passenden Gehäusen zu fertigen Batterien konfektioniert.

Das Einsatzspektrum dieser oftmals sehr komplexen, konfektionierten Lithium-Ionen-Batterien reicht von Lösungen für Hybrid- und Elektroautos, über tragbare Werkzeuge und Devices, bis zu Heimspeichern für PV-Anlagen. Lithium-Ionen-Zellen und Batterien im Wert von rund 1,5 Milliarden Euro wurden 2016 nach Deutschland importiert. Mit 1,1 Milliarden Euro zum überwiegenden Teil aus Asien. Größter Lieferant mit über 400 Millionen Euro ist dabei Südkorea. Der Anteil an Exporten aus Europa ist mit etwa 300 Millionen bislang gering. Fast drei Viertel des Wachstums des deutschen Batteriemarktes von 1,7 auf 2,8 Milliarden Euro im Zeitraum von 2011 bis 2016 sind auf die hohen Importzahlen von Lithium-Ionen-Zellen zurückzuführen. Dieser starken Abhängigkeit von „Rohstoff-Lieferanten“ versuchen inzwischen verschiedene Initiativen in Europa entgegenzuwirken. So versucht etwa ein Industriekonsortium seit dem Vorjahr eine Foundry für Lithium-Ionen-Rundzellen und –Prismatische-Zellen in Europa voranzutreiben – Stichwort TerraE. Die Foundry mit einem Startkapazität von rund 1 GWh zielt vor allem auf die Versorgungsabsicherung mittelständischer deutscher und europäischer Kunden im Bereich portabler Lösungen von der Heckenschere über den Staubsaugerroboter bis zu Power-Tools.

Auch wenn TerraE mit Unterstützung der EU-Organe rechnen kann, so bewegen sich die Pläne der European Battery Alliance (EBA) noch einmal in einer ganz anderen Dimension. Seit Monaten schmieden Akteure aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft an einer europaweiten Batterie-Allianz. Der zuständige EU-Energiekommissar hat schon einmal die Latte ziemlich hoch gelegt. Bis 2025 sei ein Batteriebedarf in Europa von 200 GWh zu befriedigen. Das wären mehr als zehn Gigafactories.

Inzwischen gibt es einen 20-Punkte-Aktionsplan inklusive Timeline bis 2023, um eine komplette Wertschöpfungskette aufzubauen. Mit dem neu geschaffenen Fachkongress BatteryWorld 2019, werden die WEKA Fachmedien im nächsten Jahr vom 20. bis 21. März 2019 im Science Congress Center München, die gesamte Wertschöpfungskette der Batterietechnik beleuchten und die Chancen der europäischen Initiativen beleuchten.