Lithium-Ionen-Akkus Der Druck wächst

Gedruckte Batterien und Mikrobatterien stehen im Mittelpunkt der Forschungsaktivitäten von Varta Microbattery.
Gedruckte Batterien und Mikrobatterien stehen im Mittelpunkt der Forschungsaktivitäten von Varta Microbattery.

Anwender von Lithium-Ionen-Zellen der Baugröße 18650 wurden in den letzten Monaten vor allem mit zwei Entwicklungen konfrontiert: Steigende Lieferzeiten und Preiserhöhungen.

Steigende Lieferzeiten, die sich inzwischen nach Angaben von Werner Suter, Managing Director der Tefag Elektronik, »normalerweise bei 16 bis 20 Wochen bewegen«. – »Unter 14 Wochen etwas zu bekommen ist inzwischen fast unmöglich«, pflichtet Marc Eichhorn, Product Marketing Manager Batteries bei Avnet Abacus, auf dem diesjährigen Batterieforum dieser Zeitung bei.
Verantwortlich für diese Preissteigerungen sind neben der nach wie vor weltweit steigenden Nachfrage vor allem Entwicklungen im Rohstoffbereich. Ein Blick auf die Rohstoffbörsen zeigt, dass sich allein der Preis für Kobalt seit 2016 verdreifacht hat. Gestiegen sind auch die Preise für Nickel und Lithium. Ob es sich dabei nur um den Niederschlag der steigenden Nachfrage handelt oder ob sich dahinter auch Spekulation verbirgt, konnten die Teilnehmer des Batterieforums nicht ausschließen. Am höchsten dürfte der spekulative Einfluss wohl beim Thema Lithium sein.

Während die versammelten Experten jedoch davon ausgehen, dass die Spitze beim Thema Rohmaterialpreise inzwischen erreicht ist und sich die Teuerung nicht mit ähnlicher Geschwindigkeit fortsetzen wird, dürften die Lohnsteigerungen in China mittelfristig mehr Einfluss auf die Preisentwicklung nehmen. »Im Süden Chinas steigen die Kosten, ein Hersteller muss dort heute 600, 700 Dollar zahlen«, berichtet Suter; »das hat nur noch wenig mit den 200, 300 Dollar früher bei Foxconn zu tun«. Auf eine andere Art könnte sich das Thema Arbeitnehmer auch für die hiesige Branche der Zellenhersteller und Batteriekonfektionierer negativ auswirken. »Im Main-Tauber-Kreis herrscht Vollbeschäftigung, da fallen die Mitarbeiter auch nicht mehr von den Bäumen«, stellt Thilo Hack, Bereichsleiter Industrial Solution bei Ansmann fest.

Um das dynamische Wachstum des Unternehmens auch in Zukunft fortschreiben zu können, bedarf es intensiven Personalmanagements. Bei Jauch Quartz ist man inzwischen dazu übergegangen, Branchenfremde einzustellen und in der Batterietechnik auszubilden. »Für uns ist das ein sehr guter Weg«, berichtet Daniel Panzini, Director of the Battery Division der Jauch Quartz. So schwierig es ist, den Auftragsansturm mit einer zu geringen Anzahl an Mitarbeitern bewältigen zu müssen, so unmöglich wird es, wenn die Probleme der Bauelemente-Lieferkette dafür sorgen, dass Kundenlösungen gar nicht ausgeliefert werden können. »Die Verfügbarkeit der Elektronikkomponenten entwickelt sich zu einem wirklichen Problem«, stellt Josef Pfeil, Vertriebsleiter der Dynamis Batterien, fest. »Wenn uns dieses Problem nicht einschränken würde, könnte unser Wachstum in diesem Jahr noch um 10 bis 15 Prozent höher ausfallen.«

Dagegen scheinen die Lieferzeiten bei Batteriezellen geradezu überschaubar. Auch wenn Ralf Isermeyer, CEO der VRI Batterie Technik, der Ansicht ist, »dass man die Zellsituation auf keinen Fall unterschätzen dürfe«, hat die Branche in den letzten Jahren doch Mittel und Möglichkeiten gefunden, auf den massiven Bedarfsanstieg zu reagieren. Alle namhaften Batteriekonfektionäre haben inzwischen chinesische Hersteller von 18650-Zellen zertifiziert.

»Natürlich gibt es in China unterschiedliche Qualitäten und man muss stärker selektieren«, gibt Adrian Robert Griese, Geschäftsführer der Omnitron Griese, zu Bedenken, »aber dieser Schritt bietet uns die Möglichkeit, die Verfügbarkeit für den Kunden hochzuhalten.« Warten muss die Branche dagegen offenbar immer noch auf die breite Marktverfügbarkeit der Lithium-Ionen-Zellen der Baugröße 21700. »Zwar sind die Hersteller wie LG damit inzwischen aus der Vorserie raus«, berichtet Hack, »aber da kriegen wir vielleicht mal 10.000 Stück, das reicht nicht, um einen Kunden auszustatten«. – »LG und Panasonic sind inzwischen dabei«, bestätigt Pfeil. »Von Samsung habe ich noch nichts gesehen. Von großen Stückzahlen ist derzeit noch keine Rede, aber die Kunden verlangen nach diesen Zellen.«

Mehr über die aktuellen Entwicklungen und Trends auf dem deutschen Batterie- und Akku-Markt erfahren Sie im Trend-Guide „Stromversorgung & Powermanagement“, der am 18. Juli 2018 erscheint.