Supraleitendes 12-km-Kabel für München »Der Business-Case ist da!«

Jetzt kommt die Volumenproduktion

Werden auch supraleitende Strombegrenzer wie in Essen zum Einsatz kommen?

Für das Vorprojekt ist kein Strombegrenzer vorgesehen, es handelt sich ja zunächst um einen Test. Für die eigentliche Installation wäre er sehr sinnvoll. Sonst müsste man für den Kurzschlussfall sehr viel zusätzliches Kupfer im Kabel verbauen, was den Durchmesser vergrößerte. Zudem wäre der Kühlkreislauf schon vorhanden, sodass ein supraleitender Strombegrenzer hervorragend ins Gesamtsystem passen würde.

Der Test des Kabels wird dann in ungefähr drei Jahren abgeschlossen sein?

Wenn feststeht, wie genau das Kabel ausgelegt sein wird, sollen alle Komponenten unter realistischen Bedingungen mit Muffen und Zwischenkühlung im Hauptumspannwerk Menzing getestet werden. Das Testkabel wird ein halbes Jahr im Netz betrieben, das genügt. Eventuelle Fehler würden sich unter Hochspannung schon sehr früh unübersehbar bemerkbar machen.

Wie sehen Sie die Position von Theva unter den Herstellern von supraleitenden Bandleitern?

Wenn sich der Markt entwickelt, profitieren alle. Jetzt kommt es darauf an, möglichst schnell die Produktionskosten zu reduzieren. Wer es schafft, schnell in die Volumenproduktion zu kommen, wird das Rennen machen. Denn damit trennt sich die Spreu vom Weizen. Derzeit gibt es weltweit ungefähr zehn Hersteller ähnlicher Größe. Ich glaube nicht, dass in drei Jahren in dieser Form noch alle dabei sein werden.

Besteht das Ziel von Theva darin, selber eine möglichst große Produktionsstätte zu errichten?

Theva sieht sich als Technologie- und Marktentwickler. Langfristig wollen wir eine wettbewerbsfähige Fertigungstechnologie an den Start bringen und Anwender beim Einsatz in ihren Produkten durch Engineering-Dienstleistungen unterstützen. Letztendlich wollen wir die Technik auch lizenzieren, um die schnelle Verbreitung voranzutreiben. Ähnliches beobachtet man ja auch in anderen Marktsegmenten. Wir können hierzulande nur an den Technologien verdienen, weniger an der Fertigung von Massenprodukten.

Doch zunächst muss Theva demonstrieren, dass die Fertigung funktioniert. Wie hoch sind die dafür erforderlichen Investitionen und wer baut die Maschinen?

Die nächsten Schritte in Richtung Volumenfertigung werden wir noch selber gehen müssen. Die Investitionen dafür liegen im zweistelligen Millionen-Euro-Bereich. Im Anlagenbau werden wir natürlich Kooperationspartner suchen, die die Skalierung begleiten und den industriellen Roll-out stemmen können. Die Supraleitungstechnik wird sich als ein ebenso interessanter Marktsektor erweisen wie die Photovoltaik. Das ist eine große Chance für den deutschen Anlagenbau, also all jene, die z.B. schon in der Halbleiterfertigung und der Photovoltaik Erfahrung gesammelt haben.

Vorher war von weiteren Märkten die Rede. Allerdings sind die Volumina für die Bandleiter dort doch bei Weitem nicht so hoch wie bei den Kabeln?

Gerade wurde das EcoSwing-Projekt abgeschlossen. Hier wurde gezeigt, dass ein HTS-Generator in einer Windturbine bei gleicher Leistung um 40 % kleiner und leichter gebaut werden kann als ein herkömmlicher Generator. Bis sich dieser Markt entwickelt, wird aber wohl noch einige Zeit ins Land gehen. Das klassische Einsatzgebiet von Supraleitern ist die Magnettechnik. Was bislang nur für Forschungseinrichtungen und die Medizintechnik verwendet wurde, kann mit den HTS nun auch in der Energietechnik sinnvoll eingesetzt werden. Seit Kurzem arbeiten wir mit Partnern im Projekt RoWaMag an der Weiterentwicklung von Induktionsheizern für die Metallumformung.

Daneben sehen wir eine stark wachsende Nachfrage für Magnetsysteme in dem Bereich Kernfusion und für Transportsysteme.
Auch Stromschienen stellen einen beachtlichen Volumenmarkt dar. Sie finden beispielsweise in der Aluminiumerzeugung, in der Wasserstoffherstellung und in Rechenzentren Einsatz. Überall wo hohe Ströme – bis zu 200.000 A – bei einigen hundert Volt fließen. Hierzu sind ebenfalls große Mengen an Bandleitern erforderlich. Aus all diesen Märkten verspüren wir steigende Nachfrage.