Deutscher Batteriemarkt Der Bedarf an Lithium-Ionen-Akkus wird 2013 steigen

Heinz Frenz, Varta Microbattery: »REACH und damit das Thema Rohstoffe wird 2013 eine noch größere Bedeutung für die Batterie-Branche bekommen, zudem könnten sich die Wechselkursentwicklungen stärker auf den Markt auswirken.«

Die deutsche Batterie- und Akkubranche rechnet für 2013 mit einem weiteren kräftigen Wachstum vor allem im Bereich der Lithium-Ionen-Akkus. Der Ausblick ins Jahr 2013 fällt bei den befragten Branchenkennern durch die Bank positiv aus.

Dafür ist neben dem nach wie vor steigenden Bedarf aus dem E-Bike-Segment vor allem der wachsende Batterie- und Akku-Bedarf im Power- und Garden-Tool-Bereich verantwortlich, aber auch die USV-Branche trägt als Abnehmer zuverlässig zum weiteren Marktwachstum bei. Immer häufiger steigen zudem nach Auskunft von Marco Nover, Sales & Distribution Team Leader Regional Sales bei BMZ, »Anwender im Bereich Medizinelektronik und Notbeleuchtungen auf Lithium-Ionen-Lösungen um« - ein Wechsel der Elektrochemie, der sich in höheren Umsätzen niederschlägt.

Ein Versprechen auf die Zukunft sind dagegen weiterhin Märkte wie Smart Grid, E-Mobility und der sich gerade öffnende Markt der stationären Stromzwischenspeicherung aus regenerativen Energien. Prof. Karl-Heinz Pettinger verweist in diesem Zusammenhang vor allem auf die diesjährige Intersolar: »Dort war ein regelrechter Boom zu beobachten, was die Vorstellung von stationären Speicherlösungen für PV-Anwendungen betrifft.«

Einziges Problem: Auch dieser Markt ist in seiner Entwicklung, anders als das boomende Marktsegment der Pedelecs, E-Bikes und E-Scooters, wieder stark von politischen Fördermaßnahmen abhängig. Eigentlich sollte stationäre, dezentrale Zwischenspeicherung von mittels Photovoltaik oder Windkraft erzeugten Strom ja perfekt in die politisch propagierte Energiewende passen, aber in der Batterie- und Akku-Branche ist man nach den Erfahrungen im E-Mobility-Bereich vorsichtig geworden. So soll das weltweite Marktvolumen von Energiespeichern für Heimanwender nach einer Studie des Marktforschungsunternehmens Pike Research in diesem Jahr bei 19,2 Mio. Dollar liegen. Für 2022 prognostizieren die Marktforscher dann einen Umsatz von 872 Mio. Dollar. 

Dr. Michael Gnann von MGC Consulting vermisst auf dem sich gerade entwickelnden Markt der stationären Energiespeicherlösungen ein spezielles Technologieförderprogramm, das die Entwicklung sinnvoller Konzepte in diesem Bereich unterstützen würde und so dazu beitrüge, dass die hier entwickelten Lösungen dann auch auf dem Weltmarkt eine Chance haben.

Wie schnell aus einem Hype und einem prognostiziertem Technologiewandel ein sich nur zäh entwickelndes Betätigungsfeld wird, hat die Batterie- und Akku-Branche am Beispiel E-Mobility gelernt: »Wir hatten eigentlich damit gerechnet, dass der Automotive-Markt in diesem Jahr etwas schneller vorangeht«, bestätigt Nover, »aber da ist leider nichts passiert, die Stückzahlen sind nach wie vor sehr gering«. Für 2013 haben die Automobilhersteller die Markteinführung weitere Elektrofahrzeuge angekündigt, eventuell fallen noch in diesem Jahr Entscheidungen hinsichtlich des Baus von Batterie-Fabriken, auch in Deutschland.

Während der zukünftige Mega-Markt E-Mobility noch mit Startschwierigkeiten kämpft, erfreuen sich die Batterie- und Akkuspezialisten im Pedelec- und E-Bike-Markt einer weiterhin steigenden Nachfrage. Inzwischen haben sich die Batteriespezialisten mit den Fahrradherstellern auch besser über den saisonalen Charakter dieses Geschäfts abgestimmt.

Die neuesten Trends und Entwicklungen in diesem Bereich waren gerade auf der Euro-Bike in Friedrichshafen zu begutachten, wo etwa Panasonic, wie etwa Oliver Sonnemann berichtet, Sales & Marketing Director des Bereichs Energy Department, eine neue Lithium-Zelle auf NCA-Basis mit einer Kapazität von 3,4 Ah vorgestellt hat.

Wer keine neue Zelle präsentieren kann, weil er als Konfektionär im Bereich Pedelecs und E-Bikes unterwegs ist, der versucht, durch zusätzliche elektronische Neuheiten ein Alleinstellungsmerkmal in diesem Anwendermarkt zu setzen, wie Jan Hetzel, Technischer Vertrieb/Application Engineering bei Reva erläutert: »Wir haben auf der Eurobike eine App-kompatible Antriebsbatterie vorgestellt, die Informationen über den Ladezustand oder die Reichweite, bis hin zu den Daten für die GPS-Ortung, über ein Smartphone gibt.