Im Dienst der Pandemie-Bekämpfung Das Motto lautet: Priorisierung

Hochspannungskondensatoren sind für Spannungen von über 120 kV(DC) verfügbar und eignen sich somit zum Beispiel für die Verwendung in medizintechnischen Geräten.

Von Analog Devices bis Würth Elektronik eiSos reicht aktuell die Liste der Bauelemente- und Subsystemhersteller, die sich angesichts der Corona-Pandemie vor einigen Wochen dazu entschlossen haben, Zulieferungen an Hersteller dringend benötigter medizintechnischer Geräte zu priorisieren.

»Wir haben uns verpflichtet, alles zu tun, was wir können, um die Versorgung von Kunden mit unseren medizinischen Produkten sicherzustellen«, versichert Vincent Roche, President und CEO von Analog Devices. Konkret wird das durch die tägliche Analyse des Auftragsbestands sichergestellt, um Kunden zu identifizieren und zu priorisieren, die wichtige medizinische Geräte herstellen. Ganz ähnlich die Entscheidung bei Maxim Integrated: »Um die notwendigen Bemühungen im Kampf gegen diese Krankheit zu unterstützen, passen wir unsere Produktionskapazitäten an und geben Produkten Vorrang, die in medizinischen Geräten zur Diagnose und Behandlung von Covid-19-Patienten verwendet werden«, umreißt Tunç Doluca, Präsident und CEO von Maxim, die seit April in seinem Unternehmen geltende Maxime.

In Deutschland hatte Infineon Technologies bereits Anfang April bekannt gegeben, rund 38 Millionen MOSFETs an Hersteller medizintechnischer Geräte wie ResMed zu liefern, um damit die weltweit deutlich erhöhte Produktion von Beatmungsgeräten in der Corona-Krise zu unterstützen. »Wir freuen uns, auf diese Weise unseren Beitrag zur Bewältigung der Krise leisten zu können«, versicherte Dr. Helmut Gassel, Mitglied des Vorstands und Chief Marketing Officer von Infineon.

Bei Würth Elektronik eiSos wurde Anfang April eine Task Force ins Leben gerufen, um die bevorzugte Versorgung von Herstellern medizinischer Geräte mit den passiven und elektromechanischen Produkten des Unternehmens zu gewährleisten. Wie extrem sich die Bedarfssituation bei einigen Unternehmen in den letzten Wochen entwickelt hat, zeigt beispielsweise ein Statement von Dr. Jörg Schifferdecker, Geschäftsführer von Heimann Sensor: »Wir haben fünf- bis zehnmal mehr Bestellungen als normal und mussten aus Kapazitätsgründen noch mindestens das Dreifache davon ablehnen.«

Auch bei einer Reihe von Subsystemlieferanten gilt seit April eine Priorisierung von Kunden aus dem medizintechnischen Bereich. Dabei geht es nicht nur um die bevorzugte Zurverfügungstellung, sondern auch um Entwicklungs-Support vor allem für Entwickler, die bislang nicht primär mit medizintechnischen Projekten betraut waren. Aus diesem Grund bietet etwa der Stromversorgungshersteller Recom auf seiner Homepage kostenlose Samples an. Ursprünglich war die Aktion nur für den April vorgesehen, nun denkt CEO Karsten Bier darüber nach, die Aktion bis in den Juni zu verlängern. Der Unterstützung speziell von Entwicklern portabler Beatmungssysteme dient ein Angebot des Battery-Packaging-Spezialisten RRC. Das standardisierte „Power Package“ erleichtert Entwickler die Realisierung weltweit einsetzbarer Beatmungsgeräte.

Mit welchen Herausforderungen die Medizingeräte-Hersteller selbst in der aktuellen Ausnahmesituation der Corona-Pandemie zu kämpfen haben, zeigt stellvertretend das Beispiel von GS Elektromedizinische Geräte. Der mittelständische Spezialist für Defibrillatoren und Thoraxkompressionsgeräte hat seine Geräteproduktion in wenigen Wochen um 30 bis 40 Prozent gesteigert. Weitere Steigerungsmöglichkeiten sieht Dr. Christian Klimmer, einer der drei Geschäftsführer des Unternehmens, derzeit nicht mehr, »dazu müssten wir weitere Mitarbeiter in der Produktion einstellen, die dann aber erst ausgebildet werden müssten. Auch unter dem Gesichtspunkt der Qualität, die unsere Geräte auszeichnet, halte ich eine zusätzliche kurzfristige Steigerung nicht für sinnvoll«.

Für andere Unternehmen wiederum bietet die Corona-Pandemie eine wohl außergewöhnliche Gelegenheit, neuartige Produkte, die bisher nur ein Nischendasein fristeten, nun möglicherweise auf einer deutlich breiteren Basis auf den Markt zu bringen. Eines dieser Beispiele ist das 2011 gegründete Münchner Technologieunternehmen cosinuss°. Mit seinen Wearables für die In-Ohr-Diagnostik bietet das Unternehmen eine Lösung an, welche die telemedizinische Betreuung von Covid-19-Verdachtsfällen in heimischer Quarantäne deutlich erleichtern und vereinfachen könnte. Aktuell laufen dazu unter anderem in München und Innsbruck große Tests mit fast 3000 Corona-Patienten an.

Mehr über die vielfältigen Anstrengungen der Elektronikbranche im Kampf gegen die Corona-Pandemie erfahren Sie in unserem Special ab Seite 14 dieser Ausgabe.