Asiatische Labornetzteilhersteller stark Damoklesschwert US-Strafzölle

Robert Kerl, CompuMess Elektronik: »Signifikante Marktanteilsverluste amerikanischer Hersteller von Labornetzgeräten in Europa führen zu einem weiteren Erstarken lokaler Hersteller und zur Übernahme der Marktführerschaft in Europa durch asiatische Hersteller.«

E-Mobility, Halbleiterfertigung, Automatisierung und erneuerbare Energien sind die Treiber für die nach wie vor deutliche Nachfrageentwicklung auf dem deutschen Markt für Labornetzteile.

Einziges Manko neben den steigenden Lieferzeiten: Drohende Strafzölle der USA könnten sich negativ auf die gesamte europäische Wirtschaft und damit auch auf die Geschäftsentwicklung bei Labornetzteilen auswirken.
Fast könnte man von eitel Sonnenschein für die Anbieter von Labornetzgeräten in Deutschland sprechen, wären da nur nicht die drohenden Wolken möglicher US-Strafzölle. Sollten europäische Produkte in naher Zukunft damit belegt werden, dürfte das Geschäft nach Einschätzung von Roland Kosmowski, Vertriebsleiter ET System elecronic, schwieriger werden. Vor dem Hintergrund der Frage, wie es handelspolitisch weitergeht, ist wohl auch die Entwicklung zu sehen, »dass viele Investitionen in die zweite Jahreshälfte verschoben worden sind«, wie Kosmowski berichtet. »Bei den Produkten, die nicht für den Investitionsbereich bestimmt sind, hatten wir auch im ersten Halbjahr 2018 wieder zweistellige Zuwachsraten.«

Die Gefahr, dass die Zollstreitigkeiten zwischen den USA und China sowie zwischen den USA und Europa sich negativ auf die deutsche Exportwirtschft auswirken könnten, sieht auch Matthias Fischer, Produktmanager Labornetzteile bei TDK-Lambda Deutschland. »Wenn es dazu kommt, könnte das die Exportwirtschaft allgemein negativ beeinflussen.« Bisher sind das allerdings nur Befürchtungen. Und so sieht Fischer derzeit noch keine Anzeichen, dass sich die gute Entwicklung des ersten Halbjahres 2018, das nahtlos an das hohe Niveau des Vorjahres anschloss, sich in der zweiten Jahreshälfte 2018 abschwächen könnte.

Robert Kerl, Geschäftsführer der CompuMess Elektronik, hat derweil seine ganz eigenen Erfahrungen mit amerikanischen Herstellern von Labornetzgeräten gemacht: »Die benehmen sich mittlerweile genauso wie Donald Trump!« In seinen Augen weisen die US-Produkte inzwischen weder technische noch qualitative oder preisliche Vorteile auf, »sie werden damit weiter uninteressant werden und Marktanteile zugunsten asiatischer Anbieter verlieren«. Angesichts sinkender Anteile der US-Firmen in der EU sieht Kerl zum einen ein weiteres Erstarken lokaler Hersteller in Europa als auch die Übernahme der Marktführerschaft in Europa durch asiatische Hersteller.

Entsprechend positiv ist denn auch die Stimmung bei den in Deutschland ansässigen Herstellern. »Bei uns liegt der Auftragseingang im ersten Halbjahr um 40 Prozent über dem Vergleichszeitraum des Vorjahres«, berichtet Wolfgang Horrig, Vertriebsleiter EA Elektro-Automatik, »und Investitionen in Elektromobilität und den Ausbau von Halbleiter-Fabs gewinnen in diesem und im nächsten Jahr noch weiter an Dynamik«. Für ihn stellen die Jahre 2017/18 in Deutschland und Europa zudem einen historischen Übergang dar: »Von der Steinzeittechnik des Verbrennungsmotors hin zur Moderne der Elektro-Mobilität.« Sehr ähnlich sieht man das auch bei Toellner, dort wird von einer sehr positiven Entwicklung wie im Vorjahr gesprochen und als entscheidender Wachstumstreiber neben der E-Mobility der Automotive-Bereich generell genannt.

Nach einem sehr gutem Start in das Geschäftsjahr 2018 mit einem hohen zweistelligen Wachstum erwartet Oliver Walter, CEO der Camtec, im zweiten Halbjahr 2018 eine leichte Abschwächung des Aufwärtstrends und seiner Geschwindigkeit. »Vieles hängt nun von den hoffentlich weitsichtigen Entscheidungen aus Brüssel ab, einen heftigen Handelskrieg mit den USA zu vermeiden.« Walter möchte aber nicht falsch verstanden werden: »Es ist sehr wichtig, auf die möglichen Zoll-Barrieren der USA entschieden zu reagieren. Vielleicht bewirkt ja die introvertierte Wirtschaftspolitik der USA gerade eben nicht eine Schwächung Europas, sondern vielmehr, dass Europa im Außenverhältnis endlich als Wirtschaftsmacht geeinter auftritt«.

»Wir stehen doch gerade erst am Anfang der nahezu kompletten Elektrifizierung des Fahrzeugs und anderer wichtiger Schlüsseltechnologien in vielen Branchen und Segmenten«, argumentiert Stefan Dehn, Leiter Vertrieb und Marketing bei Schulz-Electronic. »Neue Technologien führen dazu, dass Prüflinge und Produkte mit anderen oder zusätzlichen Parametern wie höhere Ströme und höhere Spannungen geprüft werden müssen.« Dies, so seine Überzeugung, »sorgt zwangsläufig für weitere Investitionen und damit für Wachstum.« 

Welche Produktbereiche von der allgemeinen Nachfragesteigerung profitieren, darüber gehen die Ansichten etwas auseinander. Dass sich eine ähnliche Entwicklung wie bei den Oszilloskopen zeigt, wollen nicht alle bestätigen. Auch wenn sich Schulz-Electronic dem High-End-Sektor verschrieben hat, wurde das Produktprogramm inzwischen auch durch einfachere Geräte erweitert, wie Dehn berichtet, »da die Nachfrage speziell im Mid-Range-Bereich wächst«. Kerl beobachtet inzwischen eine Dreiteilung des Marktes: »Generell preisgetrieben, mehr Preis-/Leistungs-getrieben und spezifikationsgetrieben.« Nach seiner Ansicht führt die Multichannel-Strategie der meisten US-Hersteller zu einem generellen Preis- und Margenverfall, »da die Anzahl der Käufer nicht gleichermaßen wächst, was zu Kannibalisierungseffekten führt«.