Asiatische Labornetzteilhersteller stark Damoklesschwert US-Strafzölle

Wie sind die Lieferzeiten?

»Low End lässt sich nun einmal simpler bauen als High End, und auch der Vertrieb über den Preis ist deutlich einfacher als der Vertrieb über den Fachverkauf«, merkt Walter an, »am Ende reagieren alle Hersteller auf den Bedarf, und Mid und Low Range generieren nun mal die maximalen Stückzahlen«. Eine immer stärker zutage tretende Segmentierung des Marktes zwischen High sowie Low und Mid Range beobachtet man auch bei Toellner. Bei TDK-Lambda reagiert man auf die Entwicklung mit dem Angebot unterschiedlicher Netzgerätefamilien mit individueller funktionaler Ausstattung. »Je nach geforderter Testumgebung kann der Kunde damit den Funktionsumfang dementsprechend erweitern«, erläutert Fischer; »so können wir für die meisten Kundenwünsche eine Lösung anbieten«.

Für Horrig sind es eher die Leistungsbereiche, die zu einer zunehmenden Fragmentierung des Marktes beitragen. »Bei den Stromversorgungsgeräten und den DC-programmierbaren Netzgeräten gibt es bis zum Bereich von 3 kW eine hohe Anzahl von Anbietern; darüber hinaus und speziell ab 10 kW wird die Zahl der Anbieter sehr überschaubar.« Die damit verbundenen, komplexer werdenden Schaltungen der Leistungselektronik dürften nach seiner Einschätzung die F&E-Abteilungen der meisten Hersteller kleinerer Leistung überfordern, so dass sie in ihrem Produktbereich stecken bleiben: »Gute Hardware-Entwickler für HF und High Power sind sehr dünn gesät!« 

Technisch geht der Trend nach Ansicht von Dehn zunehmend zu Geräten, »die für viele Anwendungsfälle geeignet sind«, in seinen Augen ein konservativer, nachhaltiger Ansatz, der Ressourcen schont. Nach der Marktbeobachtung von Kosmowski werden für seine Kunden die Themen bidirektionale AC-und DC-Quellen sowie DC-Quellen mit integrierter Last und modifizierte AC- und DC-Quellen speziell nach individuellen Vorgaben für seine Kunden immer interessanter.

»Die beiden Kfz-Standards LV 123 und LV 124 erfordern zunehmend eine kombinierte schnelle Quelle und Senke, um die in den Standards geforderten Spannungsverläufe nachbilden zu können«, gibt Horrig zu Protokoll. »Ein weiterer Trend ist die Konnektivität. CAN, Ethernet, Ethercat, Profibus/net sind dabei die wichtigsten Schnittstellen, dbc files von Vector, VI von Labview und IVI von Microsoft sind dabei die wichtigsten Treiber.« Kerl merkt an, »dass die Leitungsdichte zunehmend an Bedeutung gewinnt, da größere Leistungen in vorhandene Testsysteme eingebaut werden sollen«. Eine Entwicklung, die man so auch bei Toellner beobachtet.

Fischer registriert steigende Anforderungen an größere Ausgangsspannungsbereiche, speziell für Anwendungsgebiete wie den Test von Hochvolt-Batterien und Hochvolt-Baugruppen, aber auch Solar-Invertern. Wie Horrig wird auch er mit einer vermehrten Anfrage zur Anbindung an industrielle Feldbus-Schnittstellen und Netzwerke konfrontiert.

Und wie sieht es mit den Lieferzeiten aus? Hat die angespannte Situation der Bauelemente-Lieferkette inzwischen auch Konsequenzen für den Bau und Vertrieb von Laborstromversorgungen? »Wir müssen feststellen, dass trotz massiver Anstrengungen die Lieferzeiten für unsere Geräte steigen«, muss Fischer zugeben. »Im engen Kontakt mit unseren Kunden empfehlen wir deshalb, den Planungshorizont zu erweitern.« Bei Toellner empfiehlt man, längere Lieferzeiten einzuplanen; für das Unternehmen selbst bringt die Situation einen deutlich erhöhten Organisationsaufwand im Einkauf mit sich.

Die Antwort von Kerl fällt knapp aus. »Bislang sind steigende Lieferzeiten nur bei US-Produkten zu beobachten.« –»Unser Procurement-Team wurde erheblich aufgestockt«, berichtet Horrig, »nur um verstärkt auf dem weltweiten Bauelemente-Markt aktiv werden zu können«. Besonders unangenehm in seinen Augen ist der Nebeneffekt, »dass die Fake-Bauteilproduktion in China wieder gewaltig an Fahrt gewonnen hat und die „Bauteilmafia“ die verfügbaren Mengen noch zusätzlich verknappt«.

Weiterhin keine Probleme mit Lieferzeiten hat man offenbar bei ET System Elektronik. »Wir haben durch entsprechende Marktanalyse den Trend zu längeren Lieferzeiten der Lieferanten erkannt und entsprechende Lagerbestände aufgebaut«, antwortet Kosmowski. – »Wir konnten die gewohnt kurzen Lieferzeiten leider nicht mehr halten«, erklärt dagegen Dehn, »es ist eine Mischung aus angespannter Lieferkette im Bauelementebereich und der massiv angestiegenen Nachfrage nach speziellen Geräten mit Eigenschaften, wie sie sonst am Markt nicht verfügbar sind«.