Aufgelöstes Akku-Joint-Venture Bosch setzt auf Europa

Mit dem Joint Venture »SB LiMotive« wollten Bosch und Samsung SDI Marktführer für Lithium-Akkus in Hybrid- und Elektroautos werden. Die Auflösung des Joint Venture gibt Bosch nun die Möglichkeit, das erworbene Know-how auch außerhalb des Automobilbereichs zu vermarkten.

»Mit der Neuordnung können wir hinsichtlich Marktfokus und Geschwindigkeit besser auf die Anforderungen unserer Kunden eingehen und werden unsere Marktaktivitäten intensiv ausbauen«, erläutert Dr. Ing. Bernd Bohr, Vorsitzender des Unternehmensbereichs Kraftfahrzeugtechnik bei Robert Bosch, die Gründe für die Auflösung des im September 2008 von Bosch und Samsung SDI gegründeten Gemeinschaftsunternehmens SB LiMotive.

Aufgabe des deutsch-koreanischen Joint Ventures war es, Batteriezellen und -systeme für den sich entwickelnden E-Mobility-Markt zu entwickeln. Die Kombination zweier Branchenspezialisten, Samsung SDI als führendes Unternehmen der Lithium-Ionen-Technologie und Bosch mit seinem Erfahrungsschatz rund um die Automobiltechnik, schien dafür ideal geeignet.

Nun setzt Bosch seine Schwerpunkte in der Batterieentwicklung neu: Ziel ist es nun, in enger Kooperation mit Partnern aus Industrie und Forschung die Entwicklung von Lithium-Ionen-Speicherzellen in Deutschland zu etablieren und ein europäisches Spezialistennetz zu knüpfen. Damit, so Bosch, würde nicht nur die Kompetenz bei Batterien für die Elektromobilität gestärkt, sondern auch für künftige stationäre Energiespeicher.

Im Rahmen der weiteren Zusammenarbeit mit dem bisherigen Partner Samsung SDI ist sichergestellt, dass alle bisher vereinbarten Entwicklungs- und Lieferaufträge fortlaufen. Zudem haben beide Unternehmen wechselseitig den Zugang zu den mehr als 3000 Patenten vereinbart, die in der Zeit des Joint Ventures »SB LiMotive« entstanden sind.

Nach der Auflösung von »SB LiMotive« bleibt das Batteriesystemgeschäft mit allen Komponenten, wie etwa das Batteriemanagementsystem, vollständig bei Bosch. Bosch übernimmt auch die in Stuttgart ansässige Tochter »SB LiMotive Germany« mit den Themenschwerpunkten Systementwicklung, Batteriemanagementsystem, Prototypenbau, Marketing und Vertrieb und integriert die für den US-Markt wichtige Tochter Cobasys mit den Standorten Orion in Michigan und Springboro in Ohio.

Woran ist die Zusammenarbeit gescheitert, schließlich waren beide Partner vor vier Jahren angetreten, eine Weltmarkt-Spitzenposition im sich öffnenden Markt der Elektromobilität zu erreichen?

Zum einen hat sich die Dynamik im E-Mobility-Markt deutlich verlangsamt, der schnelle Aufbau einer leistungsfähigen Fertigung erscheint damit nicht mehr so drängend wie Ende des letzten Jahrzehnts, zum anderen schränkten die Verträge die Nutzung des erworbenen Know-hows auf den Automobil-Absatzmarkt ein - aus Sicht von Bosch offenbar eine zu beengende Vorgabe: Parallel zu den SB-LiMotive-Aktivitäten begann Bosch im Sommer 2011, in Eisenach ein Kompetenzzentrum für Hochleistungsakkus aufzubauen. Wie Bosch betont, geht es bei der dort entstehenden Pilotanlage um die Erforschung von Materialien und Fertigungsverfahren für künftige Generationen von Lithium-Zellen, wie etwa Lithium-Luft-Akkumulatoren. Bis 2013 will Bosch 75 Mio. Euro in diese Pilotanlage investieren. Erste Musterteile sollen in diesem Jahr entstehen. Je nach Marktlage, so die Absicht im Vorjahr, soll die Fabrik bis 2015 eine Kapazität von bis zu 200.000 Zellen erreichen.

Bei Samsung SDI dürfte man diese parallelen Aktivitäten mit Skepsis beobachtet haben. Zwar richteten sich Boschs Aktivitäten in Eisenach auf Einsatzgebiete etwa in der Schiffsbranche oder der stationären Zwischenspeicherung von regenerativ erzeugtem Strom (Photovoltaik und Windkraft), doch es dürfte wohl kein Zufall sein, dass es ab Mitte 2011 Gerüchte gab, das Joint Venture »SB LiMotive« steuere wohl auf sein Ende zu.

Auch in Boschs neuer Lithium-Ionen-Strategie spielt der Aufbau einer Fertigung in Europa eine wichtige Rolle (die Zellen des Joint Ventures »SB LiMotive« wurden in Korea gefertigt). Bosch will dabei die deutschen und europäischen Lieferanten mit ihren traditionellen Kompetenzen bei Materialien, aber auch beim Bau komplexer Fertigungsanlagen, effizient einbinden. Beispiele sind die Zusammenarbeit mit BASF im Bereich Material und mit Thyssen-Krupp System Engineering als Spezialist für den Anlagenbau.