Hyperledger-Plattform Blockchain gegen Blut-Rohstoffe

IBM und weitere Partner quer durch die Wertschöpfungskette wollen über eine Blockchain-Plattform dafür sorgen, dass die ethisch unbedenkliche Herkunft von Rohmaterialen wie Kobalt nachgewiesen werden kann.
IBM und weitere Partner quer durch die Wertschöpfungskette wollen über eine Blockchain-Plattform dafür sorgen, dass die ethisch unbedenkliche Herkunft von Rohmaterialen wie Kobalt nachgewiesen werden kann.

Unternehmen quer durch die Wertschöpfungskette bauen eine Blockchain-Plattform auf, um nur Rohstoffe aus nachweislich ethisch unbedenklichen Quellen einzusetzen.

Ford Motor Company, Huayou Cobalt, IBM (NYSE: IBM), LG Chem und RCS Global wollen die Blockchain-Technik nutzen, um die Herkunft und die Verarbeitung von Rohstoffen zu verfolgen und sicher zu stellen, dass sie nach ethischen Grundsätzen erfolgt.

Jede wichtige Verarbeitungsstufe ist durch einen Vertreter innerhalb der Gruppe repräsentiert – vom Minenunternehmen bis zum Endverbraucher der Rohstoffe. Das Pilotprojekt fokussiert sich auf kobalt. Es soll eine offene, industrieweite Blockchain-Plattform geschaffen werden, die es erlaubt, die Förderung und Verarbeitung des Kobalts lückenlos zu verfolgen. Ziel ist es, künftig zahlreiche Rohstoffe, die in den Komponenten der Endgeräte verbaut sind, auf diese Weise validieren zu können.

Kobalt ist besonders wichtig, weil es in Lithium-Ionen-Batterien verwendet wird. Das gilt von den kleinen Batterien für Handys und Laptops bis zu E-Autos. Laut einer Studie von Morgan Stanley wird sich der Bedarf bis 2026 verachtfachen.  Ein Laptop benötigt ungefähr 30 g, in den Batterien für ein Auto sind bis zu 15 kg zu finden.

Die Blockchain-Plattform befindet sich bereits in der Entwicklung, das Pilotprojekt soll ab Mitte dieses Jahre arbeiten.  Damit wollen die Partner demonstrieren, wie die Rohstoffe verantwortlich gefördert, verarbeitet und gehandelt werden können. Es soll zunächst simuliert werden, wie die Blockchain-Plattform diesen Prozess abdeckt. Als konkretes Beispiel dient die Kobalt-Mine von Huayou in der Demokratischen Republik Kongo. Das Kobalt wird von der Mine und den Schmelzprozess über die Kathoden- und Batteriefabriken von LG Chem in Korea bis zum Werk von Ford in den USA verfolgt. Dazu wird ein sicherer Auditierungs-Pfad auf der Plattform erstellt, in den alle Daten von der Gewinnung bis zum Endverbraucher einfließen. Er lässt sich im Nachhinein nicht mehr ändern oder verfälschen. Die Kriterien entsprechen den Standards, die die OECD aufgestellt hat.

Traditionell lassen die beteiligten Firmen – von den Bergbauunternehmen und den Verarbeitern des Erzes bis hin zu den Herstellern der Endprodukte für die Verbraucher – die Audits durch Drittfirmen erstellen. Auf Basis der Blockchain können alle Beteiligten in Echtzeit sämtliche Daten einsehen, die alle aus zuvor validierten Quellen stammen.

Anfangs liegt der Schwerpunkt noch auf der Betrachtung der großen Bergbauunternehmen (Lage Scale Miners). Ein wichtiges Ziel besteht jedoch darin, Transparenz auch in die Verarbeitungsketten der kleinen und artesanalen Förderer zu bringen. Auf diese Weise könnte die Blockchain diese Firmen ebenfalls in die Lage versetzen, nachzuweisen, dass sie die Standards einhalten, unter denen die Rohstoffe gefördert werden, die sie auf dem Weltmarkt verkaufen. Es soll auch ausgelotet werden, inwieweit die Plattform sich eignet, den Firmen und den lokal Beteiligten Anreize und finanzielle Vorteile zukommen zu lassen, wenn sie sich der Plattform anschließen.  

Die Blockchain-Plattform basiert auf der Hyperledger Fabric der Linux Foundation und wendet sich an verschiedene Branchen. Sie steht interessierten Unternehmen jeder Größe offen, von Automotive-OEMs über Unternehmen in der Elektronikindustrie bis zu Luft- und Raumfahrtunternehmen und ihren Zulieferern, wie eben der Montanindustrie und den Batterieherstellern. Genauso können sich auch die übrigen Unternehmen der Lieferkette daran beteiligen.

Neben Kobalt sollen künftig auch weitere Rohstoffe aufgenommen werden. Dazu  zählen Tantal, Zinn, Wolfram und Gold sowie die Seltenen Erden.