Volt brennt zeitverzögert nach Crashtest ab Batterietechnik noch nicht 100-prozentig im Griff

Engelbert Hopf, Chefreporter Markt&Technik
Engelbert Hopf, Chefreporter Markt&Technik

Rund 6500 Kunden haben in Europa bislang einen Ampera vorbestellt. Sie werden nun eine unbestimmte Zeit warten müssen, bis sie als Early Adopter ihre automobilen E-Mobility-Erfahrungen machen können. Der Grund dafür? Das US-Schwestermodell Volt hatte drei Wochen nach einem Crashtest im Mai dieses Jahres Feuer gefangen.

Die geladene Batterie des Fahrzeugs, so die Einschätzung der Opel-Mutter General Motors, könnte nach einem Unfall zum Risikofaktor werden. Bei Opel will man sich das Problem nun genauer ansehen, bevor man den Ampera in Europa auf die Straße lässt.

Das Überraschende in diesem Zusammenhang ist, dass der Eindruck erweckt wird, dieses Problem sei irgendwie in der Konzeptions- und Entwicklungsphase nicht ausreichend berücksichtigt, oder gewürdigt worden. Vielleicht hielt man ja Crash-Tests oder entsprechende Simulationen in dieser Richtung nicht für nötig, bevor das komplette Fahrzeug zur Verfügung stand. Vielleicht hatte man sich zu sehr auf das Batteriemanagement im Fahrbetrieb konzentriert und etwas außer Acht gelassen, was nach einem möglichen Unfall alles passieren könnte.

Nüchtern betrachtet, ist damit so etwas wie die Vorstufe des GAUs eingetreten, vor dem sich die Automobilbranche fürchtet und die, welche sich intensiv mit Batterie- und Akku-Technik beschäftigen, in den letzten Jahren immer gewarnt hatten. In diesem GAU-Szenario war ein Premiumfahrzeug aus deutscher Produktion nach einem Unfall abgebrannt. Wer dem ganzen noch einen zusätzlichen Thrill hinzufügen wollte, der malte Szenarien an die Wand, in denen ein mit Lithium-Ionen-Batterien aus chinesischer Fertigung ausgestatteter Bus durch einen Schaden abbrannte.

In der Batterie- und Akku-Branche wird in diesem Zusammenhang immer wieder auf einen Unfall Ende der 1990er Jahre in Frankreich verwiesen. Dort war ein mit einem Wasserstoffantrieb versehenes Fahrzeug in einen Unfall verwickelt. Im Rahmen der Sicherung der Unfallstelle verlor damals ein Polizist sein Bein, als es zu einer Explosion kam. Für den Wasserstoffantrieb war dieses Ereignis das Aus in Frankreich. Seither versuchte es die Grande Nation mit Batterien. Im ersten, Nickel-Metall-Hydrid-basierten Anlauf Ende der 1990er Jahre kam das Ganze aber trotz staatlicher Förderung nicht so recht ins Rollen.

Inzwischen setzt speziell Frankreichs Automobilindustrie massiv auf E-Mobility-Konzepte. Ihr Albtraum dürfte sein, dass es eventuell nicht nur nach einem Unfall mit einem Elektrofahrzeug zu einem kaum kontrollierbaren Abbrand des Fahrzeuges kommt, sondern eventuell zeitverzögerte solche Ereignisse etwa bei der Reparatur des Fahzeugs auftreten könnten.

Die Zukunft der globalen E-Mobility-Visionen, sie hängt eben nicht nur davon ab, inwiefern es gelingt, die Reichweite und Performance entsprechender Fahrzeuge noch zu verbessern, die Akzeptanz solcher Fahrzeuge dürfte ganz entscheidend auch davon abhängen, welche Anstrengungen von Seiten der Automobilindustrie unternommen werden, um nicht nur die Sicherheit der Insassen im Fall eines Unfalls zu gewährleisten. Vor diesem Hintergrund dürften die europäischen Ampera-Aspiranten wohl kaum unglücklich darüber sein, noch ein paar Wochen länger auf ihr Auto warten zu müssen.