GS Yuasa Auf der Suche nach Märkten für ein Premiumprodukt

Raphael Eckert, GS Yuasa Battery Germany: »Mit der LIM25H haben wir eine Lithium-Ionen-Zelle für Hochstromanwendungen entwickelt, die nicht nur eine Nennkapazität von 25 Ah bietet, sondern diese mit einer maximalen Entladerate von 24C auch innerhalb kürzester Zeit zur Verfügung stellen kann, und das über mehr als 20.000 Zyklen.«

Als Bleibatteriespezialist zählt GS Yuasa zu den größten Batterieherstellern am Markt. Wie sich der Technologieführer auf den Übergang von der Blei-Gegenwart zur Lithium-Ionen-Zukunft vorbereitet, erläutert Raphael Eckert, Group Sales Manager bei GS Yuasa Battery Germany.

Markt&Technik: GS Yuasa hat gerade ein Werk für Batteriekonfektionierung in Ungarn eröffnet. Auf welchen Anwendungsbereich zielt Yuasa damit und warum haben Sie sich für Ungarn entschieden?
Raphael Eckert: Im ersten Schritt werden wir dort Zellen aus Japan zu Batterie-Packs konfektionieren. Mittelfristig sieht der Managementplan auch eine eventuelle Zellenfertigung in Ungarn vor. Die Entscheidung zugunsten eines Standortes in Ungarn fiel vor allem wegen der sehr guten Infrastrukturanbindung des Werks an unsere europäischen Kunden. Miskolc ist die viertgrößte Stadt in Ungarn, und die Nähe zur slowakischen Grenze sorgt für eine sehr gute Verkehrsanbindung.

GS Yuasa produziert heute in fünf japanischen Werken Lithium-Ionen-Akkus. Bei den Werken handelt es sich um Joint-Ventures mit Mitsubishi und Honda. Werden die dort produzierten Zellen nur im Automotive-Bereich verbaut?

Es handelt sich bei den Zellen um gewickelte prismatische Lithium-Ionen-Akkus. In Japan dienen diese Zellen bislang als Backbone der Batterien, die in den Elektro- und Hybridfahrzeugen dieser beiden Partner zum Einsatz kommen. Technisch denkbar wäre ein Einsatz dieser Zellen auch in Batterie-Packs, die im USV-Bereich, in Industrie-Applikationen oder allgemein im Speicher-Bereich zum Einsatz kommen. Weltweit und auch in Europa wurden bereits entsprechende Projekte umgesetzt.

Es ist geplant, zu Beginn etwa 500.000 Batteriepacks zu fertigen. Auf welches Volumen ließe sich die Fertigung hochfahren und welche Performance bieten die dort gefertigten Batterien?

Wir werden jetzt erst einmal die Fabrikation in Miskolc hochfahren. Es wird sich dann zeigen, wie schnell wir die jetzt im ersten Schritt vorgesehene Jahresfertigung von 500.000 Batterien erreichen werden. Das hängt schließlich auch ganz entscheidend davon ab, wie das Thema E-Mobility jetzt letztendlich in Europa umgesetzt wird und wie schnell sich der Markt entwickelt.

GS Yuasa ist als Spezialist für Bleibatterien bekannt geworden. Wie hoch ist heute der Anteil von Lithium-Lösungen in Ihrem Haus?

Blei ist auch heute noch unsere absolut dominierende Batterietechnologie. So steuerte der Automotive-Bereich zuletzt 66,2 Prozent zum Umsatz des Gesamtunternehmens bei. Automotive heißt Starterbatterien für Autos und Motorräder, und das bedeutet Blei. Der Beitrag des Industriesegments lag bei 20,2 Prozent. Auch hier handelt es sich um Bleilösungen. Lithium-Ionen steht für 10,9 Prozent des Umsatzes und dieser wird bislang fast ausschließlich im Automotive-Bereich erzielt. Der Rest entfällt auf sonstige Produkte. Ein besonderes Kennzeichen des Geschäfts von GS Yuasa in Europa ist die Tatsache, dass wir hier stärker im Industriebereich vertreten sind. Nur etwa 50 Prozent des Blei-Batterien-Geschäfts entfällt in Europa auf den Automotive-Einsatz. Zurückzuführen ist das zum einen darauf, dass der Einstieg in den europäischen Markt 1981 mit dem Bau eines Produktionswerkes in Großbritannien begann, dessen Fokus auf dem Industriesegment lag. Andererseits setzen in Japan traditionell viele Automobil- und Motorradhersteller GS Yuasa zur Erstausstattung ein.

Sie liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Exide um den Titel „größter Batteriehersteller der Welt“. Warum wurden Sie bislang im Lithium-Ionen-Bereich, vor allem in Europa, kaum wahrgenommen?

Wir sehen uns traditionell als Technologieführer. Wir sind nie über den Preis in den Markt gegangen. Als wir uns dann intensiv mit Lithium-Ionen-Lösungen beschäftigt haben, erfolgte das zu Beginn auch mit dem Fokus auf E-Mobility-Lösungen. Wie wir alle wissen, hat sich der Bereich der Hybrid- und Elektrofahrzeuge in den letzten Jahren weltweit jedoch langsamer entwickelt, als das zu Beginn dieses Trends von vielen erwartet wurde. Es mag irritierend klingen, aber vor diesem Hintergrund haben wir im Lithium-Ionen-Bereich eine Zelle entwickelt, die herausragende technische Eigenschaften hat, für die wir aber jenseits des Automotive-Bereichs erst Applikationen finden mussten. Man könnte auch sagen: „Lösung sucht Anwendung“.

Wir sind heute in der Situation, ein Premiumprodukt anbieten zu können, das sicherlich für zahlreiche Standardanwendungen „over-engineered“ ist. Man könnte auch sagen, wir haben in den letzten zwei Jahren eine Findungsphase durchlaufen, indem wir den Markt abgescannt haben, für welche Anwender ein solches „Power-Paket“ geeignet sein könnte.