Batterien für E-Autos An der Zelle scheiden sich die Geister

Der ID.3 von VW, der auf der IAA erstmals im Original zu sehen war. VW will auch die Zellen für die Batterien von E-Autos fertigen.
Der ID.3 von VW, der auf der IAA erstmals im Original zu sehen war. VW will auch die Zellen für die Batterien von E-Autos selber fertigen.

VW setzt auf eigene Zellenfertigung in Kooperation mit Northvolt. BMW und Daimler wollen die Zellen für ihre Batterien einkaufen.

Dazu startet VW jetzt eine Pilotlinie, die den Weg für eine mögliche Eigenproduktion von Batteriezellen im großen Stil ebnen soll. Volkswagen will zunächst weitere Erfahrungen auf dem relativ neuen Feld sammeln - das Thema hat für den Leiter Batterie- und Energiesysteme, Frank Blome, hohe Priorität. Ein »Center of Excellence« soll die interne Forschung vorantreiben.

Der nächste Schritt ist für das kommende Jahr geplant. Dann will VW mit dem schwedischen Partner Northvolt in Salzgitter eine Fabrik für Lithium-Ionen-Batterien bauen. Vom Jahreswechsel 2023/2024 an soll produziert werden. Die Deutschen und die Schweden halten jeweils die Hälfte der Anteile, Volkswagen investiert rund 900 Mio. Euro.

Eigene Batteriezellen hätten für den größten Autokonzern der Welt eine enorme Bedeutung. Töchter wie Audi, Skoda, Seat oder Porsche könnten von der Kernmarke mit beliefert werden, wie das heute schon bei Motoren, Getrieben, Lenkungen und weiteren Komponenten geschieht.

Das hätte Kostenvorteile für die ganze Gruppe. Betriebsratschef Bernd Osterloh hatte eine eigene Zellproduktion schon früher befürwortet – »entgegen der Haltung des Vorstands«, der lange die Autozulieferer stärker in der Pflicht sah. Osterloh verlangte auch eine politische Diskussion darüber, »wie wir Rahmenbedingungen schaffen können, die eine Produktion am Standort Deutschland wirtschaftlich machen.«

Volkswagen könnte selbstgefertigte Zellen zudem in der ID-Serie unterbringen. In die neue Elektroauto-Familie steckt der Konzern Milliarden, das gesamte Werk Zwickau wurde dafür umgebaut.

Ziel sind eine größere Selbstständigkeit und weniger Einfluss für marktbeherrschende Zulieferer wie Samsung und LG (Südkorea) oder CATL (China). VW-Konzernchef Herbert Diess hatte dem »Handelsblatt« gesagt: »Ich finde es erschreckend, dass wir in diese Abhängigkeit geraten sind.« Vor allem CATL versuchte zuletzt, in Deutschland stärker Fuß zu fassen, in Thüringen entsteht ein riesiges Zellwerk.

Je entschlossener der Umstieg auf die E-Mobilität angegangen wird, desto sicherer dürften langfristig auch die Jobs in den Fabriken sein. Zwar wird das geringere Arbeitsvolumen für Elektromotoren im Vergleich zu Verbrennern dazu führen, dass Stellen in traditionellen Bereichen wegfallen. Aber bei entsprechender Weiterbildung könnten viele Beschäftigte, so hofft die IG Metall, mit in die neue Welt wechseln. Ein Zukunftspakt, der bei VW neben Einsparungen auch die Schaffung solcher neuer Jobs vorsieht, war anfangs heftig umstritten.

Daimler: schlechte Erfahrungen mit eigener Fertigung

Der Stuttgarter Autobauer hatte seinen Ausflug in die Zellproduktion im sächsischen Kamenz schon Ende 2015 eingestellt. Sie war zu teuer und nicht konkurrenzfähig mit den Billigzellen aus Asien. Im vorigen Jahr schloss Daimler Lieferverträge im Wert von 20 Milliarden Euro. Der Autobauer gibt vor, was die Zellen können sollen, und baut sie dann in seine Batterien ein. Zur Automesse IAA gab Daimler eine Kooperation mit dem chinesischen Hersteller Farasis Energy bekannt.
CATL wiederum liefert Zellen für die schweren Lastwagen, die von 2021 an in Serie mit Elektromotor gefertigt werden sollen. Die Batterien baut Daimler aber selbst. Weltweit steckt der Konzern mehr als eine Milliarde Euro in ein Netz aus mehreren Batteriefabriken für Pkw.

BMW schließt langfristige Verträge

Die Münchner bauen die Batterien für ihre Hybrid- und E-Autos selbst, etwa im Werk Dingolfing. Die Zellen werden extern eingekauft. Das dürfte bis auf Weiteres auch so bleiben. »Es gibt keine Pläne, selbst in die Produktion einzusteigen«, sagte ein Sprecher. Eine Forschung zu Batteriezellen und Elektrochemie hat jedoch auch BMW aufgebaut, um mit Lieferanten auf Augenhöhe verhandeln zu können. Für das Werk von CATL vergaben die Bayern als erster Kunde einen Milliardenauftrag.

Europäischer Batterieverbund

Diess hatte gemahnt, die europäischen Autohersteller müssten sich endlich zu einer eigenen Fertigung durchringen. In der Politik laufen mehrere Initiativen, die dies unterstützen. Kürzlich beschlossen neun Staaten das Programm für einen zweiten europäischen Batterieverbund.
Nach Angaben von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) gelang es, zwei Großprojekte zur Batteriezellfertigung aufs Gleis zu setzen. Sein Ressort fördert den Aufbau einer Zellfertigung mit einer Milliarde Euro, um Wertschöpfung und Jobs zu erhalten und aufzubauen. In einem ersten deutsch-französischen Konsortium sind Opel, dessen Mutter PSA und der französische Batteriehersteller Saft vertreten.