Trump hat es wieder getan Amerikas Schutzzölle betreffen auch Stromversorgungen aus China

Donald Trump, US-Präsident
Donald Trump, US-Präsident

Mit seiner jüngsten Ankündigung, Importzölle in Höhe von 200 Milliarden Dollar gegen Ware aus China zu verhängen, trifft die protektionistische Wirtschaftspolitik der US-Regierung nun auch Stromversorgungen Made in China. Für viele Stromversorgungslösungen in den USA steigen nun die Kosten.

Mitte September erfolgte die Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, die Strafzölle auf chinesische Waren im Wert von bislang 50 Milliarden Dollar zum 24. September auf 200 Milliarden Dollar auszuweiten. Betroffen von dieser Ausweitung sind nun auch elektronische Produkte, die in China hergestellt werden. Auch wenn es Ausnahmen geben mag – so wurden beispielsweise Smart Watches von Apple sowie Bluetooth-Artikel, die ursprünglich auf der Sanktionsliste standen, wieder gestrichen –, treffen die neuen Strafzölle nun auch Stromversorgungen, die in China hergestellt und in die USA importiert werden. 

Erste Gerüchte, dass es in naher Zukunft auch die Stromversorgungshersteller treffen könnte, hatte es schon vor einigen Wochen gegeben; man war also gewarnt, die jetzige Entscheidung kam nicht ganz überraschend. Und so reagiert bei einer aktuellen Umfrage unter Managern auf dem deutschen Stromversorgungsmarkt niemand wirklich überrascht. In ihren Antworten betonen alle, dass diese Maßnahme keine Auswirkungen auf Kunden in Europa haben wird, sondern ausschließlich die USA betrifft. Wobei die 10 Prozent Preiserhöhung, die ab 24. September fällig werden, nur den Anfang darstellen. Zum 1. Januar 2019 sollen die Strafzölle auf 25 Prozent hochgesetzt werden.

»Wir haben mit der Bekanntgabe der neuen Schutzzölle sofort ein Projekt gestartet, um unsere Kapazitäten in Europa hochzufahren«, berichtet Bernhard Erdl, President und CEO von Puls. »Jetzt bewährt es sich, dass wir nicht voll auf China gesetzt haben, sondern uns ein zweites Standbein in Europa aus Sicherheitsgründen vorgehalten haben.« Erdl betont, er sei nie der China-Euphorie verfallen.

Zwar sei das Werk in Chomutov, Tschechien, bereits jetzt sehr gut ausgelastet, aber man könne dort kurzfristig zusätzliche Räumlichkeiten anmieten. »Die Management-Infrastruktur haben wir ja vor Ort, die könnte man nicht so schnell aufbauen«, gibt sich Erdl gelassen. Er geht davon aus, dass es Puls gelingen wird, die Kapazitäten in Chomutov massiv zu vergrößern. »Dann wird der inzwischen fertig gestellte Erweiterungsbau in China halt nicht voll genutzt«. 

Aus der aktuellen Sicht passt es für ihn um so mehr, »dass wir im letzten Jahr die Chance genutzt haben, die Etasyn, heute Puls Vario genannt, zu erwerben. Mit dem Standpunkt im Erzgebirge ist Puls Vario nur 45 Minuten von Chomutov entfernt, und wir verfügen dort noch über freie Räumlichkeiten«. Trumps protektionistische Politik bietet Puls damit die Chance, einen Puls-Europa-Fertigungs-Cluster aufzubauen. Erdl stellt auch klar, dass sich Preissteigerungen von 10 Prozent und ab Beginn des nächsten Jahres von 25 Prozent nicht abfangen lassen, »das muss man weitergeben, das kann man als Hersteller nicht absorbieren«.

»Für den europäischen Raum sind vorerst keine direkten Auswirkungen zu befürchten«, versichert auch Gustav Erl, General Manager der TDK-Lambda Germany. »Wir importieren alle Waren aus China direkt nach Deutschland in unser Zentrallager in Achern. Die neuen Strafzölle treffen aber natürlich unsere amerikanischen Niederlassungen, die direkt aus unserem Werk in Wuxi beliefert werden. Dort werden Preisanpassungen notwendig werden.«

Michael Heinemann, Geschäftsführer der Phoenix Contact Power Supplies, weist darauf hin, »dass wir ein internationales Produktionsnetzwerk aufgebaut haben, das ganz bewusst das Risiko von äußeren Einflüssen wie Sanktionen und Handelsbarrieren minimiert«. Phoenix Contact Power Supplies werde da, wo es sinnvoll möglich ist, die Produktion seiner Geräte in Produktionsstätten verlagern, die nicht von Strafzöllen betroffen sind. Heinemann zeigt sich zuversichtlich, »dass wir deshalb nicht so stark von den Auswirkungen dieser Schutzzölle betroffen sein werden wie Unternehmen, die zu 100 Prozent von chinesischer Produktion abhängig sind«.

Sebastian Fischer, Geschäftsführer der Traco Electronic, zeigt sich erleichtert darüber, »dass diese Maßnahme zum Glück nur einen geringen Anteil unseres Portfolios im US-Geschäft betrifft«. Fischer spricht von einem einstelligen Prozentsatz. »Unsere Niederlassung in den USA, die Traco Power North America, wird allerdings für die betroffenen Produkte die Kostensteigerung leider an Kunden weitergeben müssen, da diese einfach nicht herstellerseitig zu kompensieren sind«.

Nach Auskunft von Karsten Bier, CEO von Recom, werden die Schutzzölle keine Auswirkungen auf die Preisliste bei Recom haben. »Je nach bestehender Liefervereinbarung importiert der Kunde entweder selbst und trägt so auch alle Zollkosten direkt, oder Recom fungiert als Importeur und stellt die neuen Zölle separat in Rechnung«, erläutert er. Wie die US-Distributoren die Zollkosten an deren Kunden weitergeben, »liegt in deren Verantwortung«. Wird die Ware aus den USA wieder exportiert, erhalten die Distributoren die Zölle von der US-Behörde refundiert. »Dadurch, dass wir verschiedene Fertigungsstandorte haben, in China, Taiwan und Europa, haben wir natürlich Wettbewerbsvorteile«, versichert Bier, »die werden wir auch ausspielen!«

Auch Jörg Traum, Geschäftsführer der Emtron Electronic, stellt als Erstes klar, »dass diese Maßnahmen nicht direkt unseren Kernmarkt, die DACH-Region, oder Europa betreffen«. Gefährlich würde es, »wenn sich der Handelsstreit USA–China auf die EU ausweiten würde«. Aus seiner Sicht bringt Protektionismus in einem global vernetzten Handelskonstrukt niemandem etwas. Er verweist darauf, dass sich China geöffnet habe »und es beispielsweise Bestrebungen gebe, ausländischen Firmen die Gründung von Niederlassungen ohne Staatsbeteiligung zu ermöglichen. Vor wenigen Jahren war das im geschlossenen System China noch undenkbar.«