Versorgungssituation des dt. Marktes »Alles schreit nach Batterien«

Branchenbarometer der Batterie- und Akkutechnik 2018 Verfügbarkeit weiter schlecht, Planungshorizonte verlängert Es ist die mangelnde Verfügbarkeit sowohl der notwendigen Lithium-Ionen-Zellen, aber auch der notwendigen Bauelemente etwa für Batteriemanagementsysteme, die derzeit das Wachstum auf dem deutschen Markt für Batterie- und Akku-Systeme beschränken. Neben dem Hinweis einiger Hersteller, dass sich NiMH speziell bei Anwendungen im hohen Temperaturbereich oder bei langlebigen Applikationen gut als Alternative zu Lithium-Ionen-Akkus eignet, können die Käufer derzeit nur mit deutlich verlängerten Planungshorizonten auf die Marktsituation reagieren. Eine Entspannung der angespannten Versorgungslage ist derzeit nicht in Sicht.

Mit einer Entspannung der Versorgungssituation auf dem deutschen Batteriemarkt ist vorerst nicht zu rechnen.

Einerseits haben sich Lieferzeiten und Preise für Lithium-Ionen-Zellen in den letzten Wochen und Monaten noch einmal verlängert und erhöht, gleichzeitig hat sich die Situation aber für die Zellenhersteller, Distributoren und Packaging-Spezialisten dahingehend verbessert, dass die Planungszeiträume verlängert, die Lagerkapazitäten erhöht, das Forecast-System, das Produktdesign und die R&D an die Situation angepasst wurden. Mit einer Entspannung der Situation ist vorerst nicht zu rechnen.

Unser Geschäftsjahr 2018 läuft ziemlich stabil und wie geplant, das leichte Wachstum wird jedoch durch die Verfügbarkeit der Akkus beschränkt«, beschreibt Oliver Sonnemann, Department Head des Battery Sales Department von Panasonic Industry Europe, die aktuelle Situation auf dem deutschen und europäischen Akku-Markt. »Das Wachstum wird auch weiterhin begrenzt sein, da sich die Verfügbarkeit von Lithium-Ionen-Batterien weiter verschlechtern wird«, stellt der Manager des Weltmarktführers darüber hinaus fest. »Aus diesem Grund wird es notwendig sein, unsere Kunden von anderen Technologien wie etwa NiMH zu überzeugen.«

Sonnemann sieht in NiMH speziell dort eine gute Alternative, »wo hohe Temperaturen und Langlebigkeit gefragt sind, da ist Nickel-Metall-Hydrid eine wirklich gute Alternative zu Lithium-Ionen-Akkus«. Angesichts steigender Rohstoffpreise bei Lithium-Ionen-Akkus geht der Panasonic-Manager sogar so weit, zu prognostizieren, »dass kleinere Hersteller in Zukunft Probleme bei der Beschaffung von Rohstoffen haben werden«. Da auch Spekulanten für die steigenden Rohstoffpreise verantwortlich seien, geht Sonnemann davon aus, »dass die Preise noch weiter in die Höhe getrieben werden«.

Mit einer Entspannung der Versorgungssituation ist aus seiner Sicht nicht zu rechnen: »Die von uns angenommenen Aufträge für Lithium-Ionen-Batterien werden bestätigt und auch geliefert, neue Projekte hingegen werden genau geprüft und müssen ein Auswahlverfahren durchlaufen.« Wie sich die Zeiten verändert haben, macht Sonnemann mit einem Verweis auf die Liefersituation vor zwei Jahren deutlich: »Damals konnten wir Aufträge für Lithium-Ionen-Batterien innerhalb von 16 Wochen abwickeln. Das hat sich geändert. Heute werden die Zuteilungen von Lithium-Ionen-Batterien jedes Quartal neu überdacht. Somit gibt es keine langfristigen Lieferbestätigungen und das Festlegen eines Planungszeitraums ist schwierig.«

Herbert Schein, der CEO der Varta AG, spricht von einem erneut zweistelligen Wachstum in diesem Jahr und sieht sein Unternehmen weiter auf Wachstumskurs. Wie er berichtet, läuft der Ausbau des Stammsitzes Ellwangen nach Plan, am Standort Nördlingen ist der Produktionsstart von kleinformatigen Lithium-Ionen-Batterien erfolgt. Zum optimistischen Blick in die Zukunft trägt für ihn ganz entscheidend der konsequente Ausbau der Produktionskapazitäten bei.

Mit Lieferproblemen kämpft Varta nach seinen Angaben nicht: »Wir haben nach wie vor volle Auftragsbücher und können fristgerecht liefern«, versichert Schein. Beim Thema Lithium entwickeln sich die Rohstoffpreise nach seinen Angaben in den letzten Wochen stabil, »dagegen hat es bei Nickel eine leichte Erhöhung gegeben, und im 1. Quartal dieses Jahres sind die Preise für Kobalt um 2 Prozent gestiegen.« Das kann nach seiner Einschätzung »auch zu steigenden Kosten für Lithium-Ionen-Batterien führen«.

Aus Sicht des Distributors Marc Eichhorn, Product Marketing Manager Batteries bei Avnet Abacus, verläuft die Geschäftsentwicklung weiterhin unverändert positiv. »Die Liefersituation wird zwar weiter angespannt bleiben, die noch zu Jahresbeginn spürbare Hektik aufgrund zahlreicher Abkündigungen und ungewisser Verfügbarkeiten hat sich hingegen weitestgehend beruhigt.« Dass sich die Preisentwicklung bei Lithium und Kobalt auf die Preisentwicklung der Zellen auswirkt, ist für ihn faktisch nachvollziehbar, »dennoch würden wir der Nachfragesituation bei bestimmten Zelltypen eine höhere Gewichtung bei der Preisentwicklung beimessen als der Entwicklung der Rohstoffpreise«.

Probleme mit zugesagten Lieferterminen sieht Eichhorn nicht, »wir können sie dank langfristiger Planung im Regelfall einhalten«. Problematischer, fügt er hinzu, sei meist die Verfügbarkeit elektronischer Bauteile als die Verfügbarkeit von Batteriezellen. Um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten, hat Avnet Abacus seine Planungszeiträume auch bei der Beschaffung von Batteriezellen angepasst. »Wir sprechen heute von einem Zeitrahmen von 6 bis 18 Monaten, je nach Zelltyp, ehemals waren wir bei 3 bis 9 Monaten«, gibt Eichhorn zu Protokoll.

Für Professor Karl-Heinz Pettinger, den Inhaber der Professur für Elektrische Energiespeicher an der Hochschule Landshut, stellt sich das Jahr 2018 als regelrechtes Boomjahr in Bezug auf Projektmöglichkeiten und Förderprogramme dar. Doch er äußert auch Kritik: »Das BMBF agiert sehr positiv. Die Situation in Bayern dagegen ist traurig. Die Fördersätze sind unattraktiver als die des Bundes und der EU«, meint er. »Zwar wurden im Vorfeld des Landtagswahlkampfes einige unkoordinierte und unvernetzte Geschenke an die Heimatregion von Politikern vergeben«, so sein Resümee, »die Community wurde jedoch nicht informiert und eingebunden. Diese Art der Förderpolitik ist mittelalterlich!«

Mit Blick auf die Versorgungslage bei Lithium-Ionen-Zellen hat sich die Situation in den letzten Monaten noch einmal zusätzlich verschärft, »allerdings suchen wir immer nur kleine Stückzahlen«. Sein Blick in die Zukunft fällt durchaus pessimistisch aus: »Die Produktion asiatischer Werke ist auf Jahre hin ausgebucht. Panasonic etwa nimmt keine Orders mehr mit Liefertermin vor 2024 an!«

»Alles schreit derzeit nach Batterien«, beschreibt Werner Suter, Managing Director der Tefag Elektronik, die aktuelle Marktsituation aus seiner Sicht. »Die Nachfrage hat sich in den letzten Monaten weiter erhöht, allerdings ist die Verfügbarkeit von Batterien und elektronischen Bauteilen inzwischen noch schlechter geworden«. An der Grundsituation wird sich nach seiner Einschätzung auch in den ersten Monaten des kommenden Jahres nichts ändern: »Ich gehe von einer nochmals gesteigerten Nachfrage aus.«