TDK-Europa-Umsatz »1 + 1 ist wirklich mehr als 2!«

»Als japanisches Unternehmen erzielt TDK heute nur noch weniger als 10 Prozent seines Umsatzes im Mutterland. TDK verfolgt eine ganz klar auf globales Wachstum ausgerichtete Strategie.«

Eine sehr aufgeschlossene und kooperative Vorgehensweise der Japaner hat für Joachim Zichlarz, Corporate Officer und Executive Vice President von TDK, entscheidend dazu beigetragen, dass das Ergebnis der Übernahme von Epcos durch TDK mehr als positiv ausfiel.

Europas Umsatzanteil hat sich in zehn Jahren fast verdoppelt, Automotive und Industrie bilden das Rückgrat TDKs in Europa.

Markt&Technik: Mit der Übernahme von Epcos durch TDK waren vor zehn Jahren bestimmte Erwartungen verbunden. Haben sich diese Erwartungen erfüllt?

Joachim Zichlarz: Im Rückblick können wir ganz klar von einer Erfolgsgeschichte sprechen, wobei ich aber auch offen zugegeben muss, dass das Ganze in den ersten ein, zwei Jahren schon eine Herausforderung war. TDK und Epcos sind damals mit dem Versprechen angetreten, dass 1 + 1 mehr als zwei sei. Das hat sich absolut bewahrheitet, aber die Zusammenführung zweier so großer Hersteller aus unterschiedlichen Regionen der Welt stellt eben auch eine Herausforderung dar.

In puncto Umsatz haben Sie das Ziel auf jeden Fall erreicht. TDK ist heute mit einem Umsatz von zuletzt rund 10 Milliarden Euro die Nummer 2 in der Branche.

Ja, der Zusammenschluss war letztlich deshalb so erfolgreich, weil die Überlappungen zwischen beiden Unternehmen, sowohl was das Produktportfolio als auch die regionale Präsenz anging, minimal waren. Für TDK war das Industrie- und Automotive-Geschäft in Europa interessant, und für uns die Bereiche ICT und Konsumelektronik in Asien. Die geringen Überlappungen haben auch dazu geführt, dass Deutschland heute für TDK nach wie vor ein sehr bedeutender Standort für Entwicklung, Fertigung und Vertrieb ist. TDK, das muss an dieser Stelle einfach betont werden, hat die Integration nur dort vorangetrieben, wo es sinnvoll und nötig war. Produkttechnisch verteilte sich der Konzern-Umsatz im letzten Geschäftsjahr, welches im März 2018 endete, zu 33 Prozent auf passive Bauelemente, 35 Prozent entfallen auf Energy-Application-Produkte, 22 auf Magnetic-Application-Produkte und bereits 6 Prozent auf Sensoren. Der Rest verteilt sich auf verschiedene kleinere Aktivitäten.

Als letzter Schritt der Transformation wurde nun zum 1. Oktober die Tochtergesellschaft Epcos AG in TDK Electronics AG umbenannt. Hat dies über die Namensgebung hinaus irgendwelche Konsequenzen?

Nein, es handelt sich schlicht um einen weiteren Schritt, um den weltweiten, einheitlichen Marktauftritt von TDK zu stärken. Die Umbenennung betrifft nicht die Organisation oder die Geschäftsstruktur von Epcos und auch das Produktportfolio bleibt unverändert bestehen. Mit der Epcos AG benennen wir auch alle anderen Epcos-Gesellschaften weltweit um. Da es weltweit unterschiedliche länderspezifische rechtliche Vorgaben gibt, dürfte der Umbenennungsprozess jedoch 9 bis 12 Monate in Anspruch nehmen, ist also etwa bis Ende Sommer 2019 abgeschlossen.

Für welche Kompetenzen steht die ehemalige Epcos heute im TDK-Konzern?

Ganz klar für das Anwendungsverständnis in Sachen Industrieelektronik und Automotive. Europa steuert heute knapp 1,6 Milliarden Dollar bzw. 13 Prozent des Gesamtumsatzes bei. Wenn Sie zehn Jahre zurückgehen, dann betrug der Anteil Europas gerade mal 7 Prozent des TDK-Umsatzes. Es ist uns also gelungen, den Europa-Umsatzanteil fast zu verdoppeln. Dazu hat sicherlich beigetragen, dass wir heute auch Ansprechpartner für alles sind, was mit Leistungselektronik zusammenhängt. Es ist uns wirklich gelungen, in dem neu geschaffenen Gesamtunternehmen unsere Stärken noch einmal zu stärken. Daneben haben etwa IT-Infrastrukturen von Epcos als Blaupause gedient, und TDK hat darauf basierend vor einigen Jahren die Einführung von SAP begonnen.

Sie haben das Thema Automotive schon einige Male angesprochen. Wie wichtig ist es heute für TDK in Europa, und sehen Sie seine Bedeutung in Zukunft in irgendeiner Weise gefährdet?

Wir liegen in Europa bei einem Umsatzanteil des Automotive-Geschäfts von über 50 Prozent. Es ist uns gelungen, diesen Absatzmarkt in den letzten zehn Jahren stark auszuweiten. Ich gehe davon aus, dass wir den Umsatzanteil dieses Bereichs bis 2020 gegenüber 2008 fast verdoppelt haben werden. Angesichts der aktuellen Entwicklungstrends, wie autonomes Fahren und E-Mobility, ist auch in den nächsten Jahren von weiteren Steigerungen auszugehen.