Interview mit Osram Opto Semiconductors »Wir schauen nach vorne!«

"OS 2.0" - ein neues Denken für zukünftigen Erfolg

Im Rahmen dessen haben Sie ein Programm namens OS 2.0 angekündigt. Was verbirgt sich dahinter?

OS 2.0 soll dem gesamten Geschäftsbereich OS ein neues Bewusstsein geben. Ziel ist ein besseres Mitarbeiter- und Kundenerlebnis. Neben den bereits angesprochenen Business- und Produktthemen werden wir im Rahmen von OS 2.0 vier Kernpunkte angehen:

  1.  Neue, klare Organisationsstrukturen,
  2.  klare Prozesse, Perspektiven und Ziele,
  3.  klares Entscheidungsmanagement und
  4.  Kommunikation und Transformation.

Sie sehen, auch hier spiegeln sich die Begriffe Klarheit, Transparenz und Kommunikation wider.

Wie ist es aktuell um die Auslastung der Werke bestellt?

Konkrete Angaben dazu kann ich an dieser Stelle natürlich nicht machen. Aber sagen wir mal so: Wir stabilisieren uns und haben noch Kapazitäten frei.

Wann erwarten Sie eine Besserung?

Momentan ist die Visibilität der Märkte sehr gering. Es ist noch unklar, wie sich die einzelnen Branchen entwickeln werden. Die Zeiten des unbegrenzten Wachstums sind vorbei. Das ist eine Tatsache, der wir uns stellen müssen. Dennoch müssen wir gerade jetzt die Weichen stellen und uns effizient für die Zukunft aufstellen.

Gut 50 Prozent des Umsatzes erzielt Osram OS im Automobilmarkt. Der allerdings schwächelt derzeit und dürfte für Sie kaum noch Wachstumsmöglichkeiten bieten. Wie steuern Sie entgegen?

Im Automotive-Segment sind wir sehr gut positioniert. Daher ist es hier schwieriger zu wachsen. Aber wir sehen auch ganz klar, dass wir keine Marktanteile verlieren. Wir konnten in den letzten Monaten wichtige Design-ins gewinnen. Diese haben meist eine lange Laufzeit – mit entsprechender Sicherheit.

Osram OS ist Mitglied in der ISELED-Allianz. Welchen Stellenwert messen Sie der Innenraumbeleuchtung bei?

Die Innenraumbeleuchtung wird zunehmend zum Kauftreiber, denn der Wohlfühlfaktor wird auch im Auto immer wichtiger. Darüber können sich die Hersteller vom Mitbewerb differenzieren und ihre Marke weiter bewerben. Es geht um Licht, Konnektivität und um das Medienerlebnis. Hier sehe ich hohes Zukunftspotenzial.

Ebenso für Lidar-Technologien?

Auch hier sehe ich hohes Potenzial, aber es gibt noch zu viele Fragezeichen. Es ist nicht klar, welche Technologie sich durchsetzen wird. Aber wir sind gut unterwegs mit unseren Komponenten. Dieser Bereich ist übrigens auch ein gutes Beispiel dafür, wie man sich für die Zukunft aufstellen muss: Man muss in der Lage sein, kurzfristig auf unterschiedliche Szenarien reagieren zu können.

Welche weiteren Applikationen könnten für die Zukunftssicherheit des Unternehmens sorgen?

Unsere DNA ist es, Licht zu emittieren und zu detektieren. Wir sind und bleiben Komponentenhersteller. Mit unseren Bauelementen decken wir viele Anwendungen ab. Aber wir dürfen uns nicht in Applikationen verlieren – wir wollen Licht für möglichst viele Anwendungen anbieten. Insofern sind es nicht die Märkte oder Applikationen, die für Zukunftssicherheit sorgen, sondern unsere breite Technologiebasis – applikationsunabhängig. Aber es ist in der Tat ein Spagat: Man muss seine Ressourcen fokussieren, gleichzeitig aber darauf achten, dass man sich nicht zu schmal aufstellt, sich nicht zu stark von einer Branche abhängig macht. Das Produktportfolio muss Handlungsspielraum erlauben.

Könnten Sie sich in der aktuellen Situation vorstellen, Ihr Portfolio durch einen Zukauf – möglicherweise eines innovativen Startups – zu erweitern bzw. sich Know-how in Form eines Partners ins Boot zu holen?

Im Bereich Komponenten Plus und Micro-LED könnte das in der Tat eine interessante Option sein. Alles beschleunigt sich, da hat man gar keine Zeit mehr, alles selber zu entwickeln. Insofern ist das sicher immer ein Thema für uns, aber derzeit nicht so dringlich. Wir müssen erst einmal unser eigenes Geschäft wieder gut aufstellen und haben dann eine gute Andockstation für neues Business.

Inwieweit leidet Osram OS unter dem Preiskampf im Markt?

Klar, der Wettbewerb verschärft sich. Die Kunden erwarten von uns nicht nur die höchste Performance, sondern auch wettbewerbsfähige Preise. Für uns ergibt sich daraus quasi ein Dreiklang: Kundenbeziehung plus Innovationskraft plus Operational Excellence. Fehlt nur eine der Komponenten, bricht die Wettbewerbsfähigkeit zusammen. Hier sehen wir uns in einer guten Position – die wir mit unserer neuen Struktur und mit OS 2.0 noch weiter verbessern wollen.

Wie sehen Ihre Mittelfrist-Prognosen aus?

Die Märkte zeichnen kein einheitliches Bild. Wir haben frühzeitig Maßnahmen zur Gegensteuerung ergriffen. Das hilft uns jetzt, aber es gibt keine echte Entwarnung. Wir fahren auf Sicht.

Auch im Hinblick auf die anstehenden Veränderungen im Osram-Konzern: Wie sehen Sie Osram Opto Semiconductors aktuell?

Als wichtigen Teil des Photonik-Konzerns – mit klarer Identität.

Abschließende Worte?

Ich bin sicher, dass wir uns mit der geplanten neuen Unternehmensstruktur zukunftssicher aufstellen. Die Weichen sind gestellt. Und wir haben hochmotivierte und loyale Mitarbeiter – mit ihnen zusammen werden wir den Umschwung schaffen.