Interview mit OSA Opto Light »Wir fertigen das, was der Kunde braucht«

Dr. Peter Rotsch, OSA Opto Light: »Wir wollen mit den von uns selber erwirtschafteten Mitteln wachsen. Damit stellen wir eine langfristige Stabilität des Unternehmens sicher – auch im Sinne unserer Kunden.«
Dr. Peter Rotsch, OSA Opto Light: »Wir wollen mit den von uns selber erwirtschafteten Mitteln wachsen. Damit stellen wir eine langfristige Stabilität des Unternehmens sicher – auch im Sinne unserer Kunden.«

Jeder kennt die großen LED-Hersteller und -Marken. Doch die Branche hat auch ihre Hidden Champions. OSA Opto Light ist einer davon. Geschäftsführer Dr. Peter Rotsch über den Fertigungsstandort Deutschland und die Strategien für die Zukunft

Markt&Technik: OSA Opto Light sagt nicht jedem etwas. Können Sie uns bitte einige Kennzahlen sagen?

Dr. Peter Rotsch: Wir sind ein typisch deutsches mittelständisches Unternehmen in Familienbesitz. Unser Stammsitz ist in Berlin, wo wir rund 50 Mitarbeiter beschäftigen und einen Jahresumsatz von rund fünf Millionen Euro erzielen. In Berlin produzieren wir LEDs im gesamten Spektralbereich von UV-C – das geht bei 260 nm los – bis hin zum Infrarot-Bereich bei 1550nm.

Trotz Ihres großen Portfolios sind Sie in Deutschland relativ unbekannt. Woran liegt das?

Weil wir bescheiden sind (lacht). Nein, tatsächlich haben wir uns bislang eher auf die Entwicklung und Fertigung konzentriert und darüber das Marketing etwas vernachlässigt. Daran arbeiten wir. Im Bereich der auf optoelektronische Anwendungen ausgerichteten Unternehmen sind wir schon einen Schritt weiter – dort haben wir bereits eine gewisse Sichtbarkeit erlangt. Außerdem arbeiten wir eng mit einigen Vertriebspartnern und Spezial-Distributoren zusammen.

Sie bieten Ihre LED-Lösungen als Chips und SMD-LEDs an. Worauf liegt Ihr Fokus?

Beide Bereiche sind gleichwertige Entwicklungsschwerpunkte. Im Chip-Bereich beschäftigen wir uns momentan mit kundenspezifischen Lösungen für die Wellenlängen 550 bis 1110 nm. Dank unserer flexiblen Technologie sind wir in der Lage, die Bauteile nach Kundenwunsch mit speziellen Formen, Chipflächen, Geometrien etc. auszuführen. Und wenn sich das Bondpad des Chips oben rechts in der Ecke befinden soll, nicht wie sonst in der Mitte, dann ist das auch kein Problem. Stark sind wir unter anderem bei den Punktstrahlern, das sind Chips, die eine sehr kleine Emissionsfläche haben. Die kleinste Emissionsfläche, die wir derzeit anbieten, ist eine Kreisfläche von 12 µm Durchmesser. Diese Chips sind für Anwendungen in Optiken gedacht und ein klassischer Nischenmarkt mit geringen Stückzahlen. Was wir ebenfalls weiterentwickeln, sind sogenannte Mikrodisplays. Das sind LEDs, bei denen sich mehrere LED-Dioden auf einem Chip befinden. Diese Mikroanzeigen sind unter anderem für Produkte ausgelegt, die in einem sehr rauen Umfeld eingesetzt werden, für die normale LCDs oder OLEDs aufgrund der Umgebungsbedingungen nicht geeignet sind.

Sie fertigen in Deutschland. Ist das in Zeiten des Preisdrucks noch rentabel?

Ja. Denn die Kunden erkennen die Vorteile und sind bereit, den etwas höheren Preis zu zahlen. Sehen Sie, immer wenn man eine Beschaffung plant, fragt man sich doch, ob der Lieferant zum Produkt, zur Applikation und zur eigenen langfristigen Ausrichtung passt. Man muss einander vertrauen können, denn LEDs sind oft sicherheitskritische Kernkomponenten in größeren Systemen. Und wenn die Kunden möchten, dass diese Kernkomponente langfristig verfügbar ist oder bestimmte Systemeigenschaften vertraulich bleiben, nehmen sie den höheren Preis in Kauf, um einen Schutz für ihre Lösung zu haben. Denn wenn sie die Komponenten oder das fertige System im Ausland fertigen lassen, geht mit den Fertigungsunterlagen auch die Information über die Systemfunktionen weg.

Haben Sie dennoch schon mal darüber nachgedacht, die Fertigung zu verlagern, nach Asien beispielsweise?

Wir als Unternehmen nicht. Natürlich kommt es vor, dass wir Produkte gemeinsam mit Kunden entwickeln und im Produktanlauf dabei sind, die finale Produktion jedoch anderweitig vergeben wird. Das wissen wir, und damit müssen wir leben.

Kommt das oft vor?

Ja.

Dennoch halten Sie am Fertigungsstandort Deutschland fest.

Ja. Die Organisation einer Fertigung in Fernost ist eine sehr anspruchsvolle Angelegenheit, für die wir uns einen strategischen Partner suchen müssten. Das kommt für uns derzeit nicht infrage. Und wie gesagt: Die Kunden wollen, dass ihr Produkt in Deutschland gefertigt wird. Genau das müssten sie hinterfragen, wenn wir die Produktion verlagern. Letztendlich würden wir uns damit eher schaden als nutzen – trotz möglicherweise günstigerer Preise.