Photonikbranche in der Corona-Krise »Wir brauchen einen Schutzschirm gegen ausländische Investoren«

Dr. Bernhard Ohnesorge, Vorsitzender der Photonik im Industrieverband Spectaris.
Dr. Bernhard Ohnesorge, Vorsitzender der Photonik im Industrieverband Spectaris.

Über die Hälfte der Photonikunternehmen in Deutschland klagt über gesunkene Nachfrage und erwartet hohe Umsatzeinbrüche im Falle eines längeren Stillstands der Geschäftstätigkeit. Nun fordern die Verbände politische Maßnahmen.

Für 76 % der Photonikunternehmen in Deutschland hat sich die Geschäftslage aufgrund der Corona-Krise verschlechtert, 58 % betonen, die Nachfrage sei deutlich gesunken. 38 % der Firmen haben Kurzarbeit angemeldet. Das geht aus einer gemeinsamen Onlineumfrage des Industrieverbandes Spectaris und OptecNet Deutschland e.V. hervor. 

Das Umfrageergebnis zeigt,…

...dass auch die Photonikindustrie von den wirtschaftlichen Verwerfungen der Pandemie stark betroffen sein könnte, wenn sich das geschäftliche Umfeld in den kommenden Wochen und Monaten nicht aufhellt oder sogar verschlechtert. 

Nach Einschätzung von Spectaris läuft es bei vielen Unternehmen der Branche bisher noch vergleichsweise gut, auch wenn einige Absatzmärkte, etwa der Automotive-Bereich, eingebrochen sind. Die Umfrage zeige aber, dass die Verunsicherung insbesondere bei den kleinen und mittelständischen Herstellern groß ist. 

Auch wird befürchtet,…

...dass eine mögliche Schwächephase der Branche von ausländischen Investoren gezielt dazu genutzt werden könnte, um technologisches Knowhow der Hightechindustrie aufzukaufen. »Was die Photonikbranche jetzt braucht, ist ein Schutzschirm gegen ausländische Investoren«, betont Dr. Bernhard Ohnesorge, Vorsitzender der Photonik im Industrieverband Spectaris. »Feindliche Übernahmen in Zeiten von Corona müssen durch die Bundesregierung verhindert werden. Darüber hinaus muss die Bundesregierung mit ihren Maßnahmen die Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig stärken, wichtig ist hier auch eine effiziente Startup-Förderung.«

Laut Umfrage könnte eine längere, durch Corona bedingte Abschwächung der Auftragslage zu deutlichen Umsatzeinbrüchen im Gesamtjahr führen. Bei einem Hochfahren der Wirtschaft ab Juni rechnen die Unternehmen im Jahresvergleich 2020/2019 mit einem Umsatzrückgang von durchschnittlich 24 %. Im Worst Case, einem Stillstand bis August, wird sogar ein Minus von 32 % für möglich gehalten. 

Stand heute ist aber…

...in den kommenden Monaten weder von einem kompletten Stillstand, noch von einer gänzlichen Rückkehr zur geschäftlichen Normalität auszugehen. So läuft das internationale Geschäft in einigen Ländern wie China weiter oder wieder an, während es in anderen Ländern wie Indien stillsteht oder ein Stillstand befürchtet wird.

»Aktuell werden zunehmend Probleme in den Lieferketten sichtbar«, so Thomas Bauer, Vorstandsvorsitzender von OptecNet Deutschland, »Gleichzeitig gibt es in der Photonik aber kaum Unternehmen, die ihre Produktion komplett schließen mussten.« Wie sich die Krise langfristig auswirkt, ist davon abhängig, wie lange der Shutdown in Deutschland und anderen Industrienationen andauert und welche Folgen sich daraus für die Kunden- und Lieferantennetzwerke ergeben. 

Die Branche sieht die bereits…

...von der Bundesregierung getroffenen Maßnahmen verhalten positiv. Die getroffenen Regelungen zum Kurzarbeitergeld werden von 48 % der befragten Betriebe als relevant oder sehr relevant bezeichnet, Maßnahmen wie Steuerstundungen erachten 29 % der Befragten als sinnvolle Unterstützung. Perspektivisch halten die Unternehmen andere Maßnahmen für erforderlich, um den Standort Deutschland in der Post-Corona-Zeit wieder zu stärken und die internationale Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen. Insbesondere fordert die Photonikbranche, die Krise als Innovationsbeschleuniger zu nutzen: 84 % der Befragten fordern eine stärkere FuE-Förderung von der Politik, 82 % erwarten eine Priorisierung von weiteren innovationsfördernden Maßnahmen. Daneben sprechen sich 69 % der Betriebe für eine stärkere wirtschaftspolitische Koordinierung innerhalb der Europäischen Union aus.