Ein Begriff - viel Interpretationsspielraum Was macht ein Industriedisplay aus?

Renesas: »Der Trend geht in Richtung ’Wide Format’«

Im industriellen Umfeld sind klar dargestellte und präzise ablesbare Bildinhalte unbedingt erforderlich. »In Werkhallen ist es normalerweise sehr hell und auch die nicht immer idealen Blickrichtungen auf eine Anzeigeeinheit stellen große Herausforderungen an ein Flachdisplay«, weiß Frank Jammers, Senior Engineer, Industrial Business Group, Renesas Electronics Europe*.

Je heller die Umgebung ist, umso schwieriger wird es für den Betrachter ein traditionelles, transmissives Display mit seinen typischerweise 250 bis 300 cd/m2 abzulesen. NEC hat daher ausschließlich TFTs mit Leuchtdichten von mindestens 400 cd/m2 im Programm. Für extreme Anwendungen empfiehlt Jammers NEC-Displays mit »Natural Light Technologie« (NLT) mit typischen Helligkeitswerten von 600 bis 800 cd/m2 und antireflektiv behandelter Oberfläche. Transflektive Displays vereinen die Vorteile von transmissiven und reflektiven Anzeigen für Umgebungen mit wechselnden Lichtverhältnissen. Solche Panels lassen sich laut Jammers sowohl in dunklen Räumen als auch bei direkter Sonneneinstrahlung sehr gut ablesen. Eine andere Möglichkeit, die Ablesbarkeit eines LCDs zu verbessern, besteht darin, das Kontrastverhältnis zu erhöhen, wie Jammers erklärt: »Typische Werte für nicht-industrielle Displays liegen im Bereich von 200:1 bis 300:1. Das ist allerdings unzureichend für einen Maschinenführer, der die Anzeige aus der Distanz ablesen muss. Displays mit einem Kontrastverhältnis von 600:1 oder höher sind da wesentlich geeigneter und ermöglichen es, auch aus der Entfernung noch klar zwischen hellen und dunklen Bildinhalten zu unterscheiden.« Weite Blickwinkel sind ein weiteres Entscheidungskriterium, denn im klassischen industriellen Umfeld ist es eher unwahrscheinlich, dass das Bedienpersonal immer senkrecht und damit optimal zur Anzeige positioniert ist. So muss ein Display beispielsweise in Kontrollräumen oft auch unter unkonventionellen Blickwinkeln gut ablesbar sein. Daher ist es wichtig, ein Display aus den unterschiedlichsten Betrachtungsrichtungen - von rechts, von links, von oben oder schräg unten - ablesbar zu machen und dabei so wenig Verzerrungen oder Farbverfälschungen wie möglich zu haben. Auf ein klassisches Display aus dem Consumer-Bereich kann man hier nicht zurückgreifen, denn schon aus einer leicht versetzten Position wirkt das dargestellte Bild blass und »ausgewaschen«.

»Die Größe der aktiven Fläche und die Anzahl der Bildpunkte spielen selbstverständlich auch eine wichtige Rolle«, bestätigt Jammers. Die gängigsten Displaydiagonalen im industriellen Sektor bewegen sich laut Jammers von etwa 6,5 Zoll über 8,4 Zoll, 10,4 Zoll bis hin zu 15 Zoll. Diese Bildgrößen genügen, um Daten, Messkurven oder Kombinationen aus beidem darzustellen, ohne dabei mehr Platz in einer Anlage zu beanspruchen, als wirklich nötig. »Die benötigte Bildauflösung hängt natürlich von der Art der darzustellenden Information ab. Bisher gelten VGA (640 x 480 Bildpunkte), Super-VGA (800 x 600) und XGA (1024 x 768) als ungeschriebene Standards«, so der Display-Experte.

Allerdings stellt Jammers in letzter Zeit einen deutlichen Trend hin zu Anzeigen im Weitformat fest: »Solche Displays mit einem Seitenverhältnis von etwa 15:9 oder 16:9 ermöglichen bei Auflösungen von 800 x 480 Bildpunkten (W-VGA) oder 1280 x 768 (W-XGA) zum Beispiel eine deutlich komfortablere Darstellung von zeitlichen Abläufen. Auch die zeitgleiche Anzeige von Messkurven und -daten nebeneinander ist bei solchen »wide aspect ratios« sehr viel besser möglich, als im konventionellen Seitenverhältnis von 4:3.« Alternativ bietet das Wide-Format die Möglichkeit, einen Teil der aktiven Fläche dafür zu nutzen, um mit Hilfe eines Touchpanels programmierbare Knöpfe und Schalter zu simulieren. Die gesamte Bedienoberfläche einer Maschine lässt sich auf diese Weise erheblich vereinfachen und allein durch Software kann eine universelle Steuereinheit für die unterschiedlichsten Einsatzbereiche »konfiguriert« werden.

* Renesas vermarktet die Display-Module von NEC