Zusammenfassung Übernahmekampf beflügelt Osram-Aktie

Ein Unternehmen schreibt seit Monaten rote Zahlen und legt an der Börse zweistellig zu: Der Münchner Lampenhersteller ist begehrt. Ein Konkurrent und zwei Finanzinvestoren liefern sich ein Bietergefecht.

Um den angeschlagenen Lampenhersteller Osram ist ein Bieterkampf entbrannt. Nach dem Übernahmeangebot der US-Finanzinvestoren Bain Capital und Carlyle hat der österreichische Halbleiterkonzern ams einen zweiten Anlauf gestartet. Die Osram-Aktie legte am Montag gut zehn Prozent zu.

ams will Osram für 38,50 Euro je Aktie oder insgesamt 4,2 Milliarden Euro komplett übernehmen und die beiden Unternehmen dann zusammenschließen. ams-Vorstandschef Alexander Everke sagte am Montag: »Wir haben alle Bedenken bei unserem neuen Vorschlag berücksichtigt.«

Der Sensorenhersteller aus der Steiermark will sich den Kaufpreis bei den Banken UBS und HBSC leihen und sich anschließend über die Ausgabe neuer Aktien 1,5 Milliarden Euro frisches Kapital besorgen. Die LED-Produktion soll von Asien nach Deutschland verlagert werden. AMS rechnet durch die Übernahme mit Synergien von 300 Millionen Euro jährlich. Ziel sei es, die Transaktion in der ersten Hälfte 2020 abzuschließen.

Osram und die IG Metall hatten das erste, damals noch unverbindliche ams-Angebot im Juli als Versuch einer feindlichen Übernahme abgelehnt. Kritikpunkte waren die damals noch ungesicherte Finanzierung, zum anderen die offene Zukunft der deutschen Standorte mit ihren 6000 Arbeitsplätzen - davon fast 4000 in Regensburg und München. Osram-Vorstand, Aufsichtsrat und die IG Metall prüften am Montag, ob es bei der Ablehnung bleibt.

Die beiden US-Finanzinvestoren Bain Capital und Carlyle bieten den Aktionären 35 Euro je Osram-Aktie - also rund zehn Prozent weniger als AMS. Aufsichtsrat und Vorstand empfahlen den Osram-Aktionären, das Angebot anzunehmen. Die IG Metall lobte, dass Bain und Carlyle einen Erhalt von Standorten und Arbeitsplätzen zugesagt haben. Das Angebot der Amerikaner läuft noch bis zum 5. September.

Allerdings hatten der Osram-Großaktionär Allianz und die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) dieses Angebot vergangene Woche als zu niedrig bewertet. Die Amerikaner dürften es damit schwer haben, die angepeilten 70 Prozent der Osram-Aktien zu erhalten und ams auszustechen. Ob sie jetzt nachlegen, ist offen. Die Osram-Aktie legte am Montagvormittag auf knapp 35 Euro zu - den höchsten Kurs seit März.

Osram schreibt seit vergangenem Herbst rote Zahlen. Besserung ist nicht in Sicht. Denn Hauptursache ist die Krise der Autoindustrie, für Osram die wichtigste Kundengruppe. Da die Autohersteller weniger Fahrzeuge bauen, kaufen sie auch weniger Beleuchtung ein: Viele Kunden bestellten weniger als vereinbart.

Das Unternehmen produziert auch LEDs und Optoelektronik für Smartphonehersteller, wo das Geschäft ebenfalls schlechter läuft. Osram hat seine Umsatz- und Gewinnprognose für dieses Jahr schon zwei Mal nach unten korrigiert.