Neuartiger Lichtfilter macht's möglich Sekundenschnell zum perfekten Foto

Der neue Filter verfügt über eine elektrochrome Iris und weist drei Blendenstufen auf. Im Bild ist die mittlere Stufe geschaltet (schwarzer Ring).
Der neue Filter verfügt über eine elektrochrome Iris und weist drei Blendenstufen auf. Im Bild ist die mittlere Stufe geschaltet (schwarzer Ring).

In der Mittagssonne ein gutes Foto zu machen, ist auch für geübte Fotografen eine Herausforderung. Helfen kann hier ein elektrisch steuerbarer Filter, den Physiker der TU Kaiserslautern mit Partnern entwickelt haben.

Der Clou an der Neuentwicklung: Die durchgelassene Lichtmenge wird durch das Einstellen des Färbegrads angepasst. Zum Einsatz kommen elektrochrome (EC) Moleküle auf Nanopartikeln, die ihre optischen Eigenschaften in weniger als einer Sekunde verändern, wenn eine elektrische Spannung angelegt wird. Bei EC-Filtern ist er damit das kontrastreichste und schnellste Bauelement. 

Die Durchlässigkeit eines Materials für optische Lichtwellen beschreibt man mit dem Begriff Transmission. Die Physiker um Professor Dr. Egbert Oesterschulze, Carsten Kortz und Alexander Hein von der Technischen Universität Kaiserslautern (TUK) haben nun einen Filter entwickelt, der diese Durchlässigkeit in weniger als einer Sekunde verändern kann.

»Bei unserer Technik kommen zwei aufeinander abgestimmte Elektroden zum Einsatz, die ihre Färbung bestmöglich verstärken«, sagt Professor Oesterschulze, der an der TUK den Lehrstuhl für Physik und Technologie der Nanostrukturen leitet. Das Besondere hierbei: Auf den Elektroden befinden sich Nanopartikelschichten mit speziell angepassten Molekülen. Diese haben ganz besondere Eigenschaften: Sie sind elektrochrom. Das heißt, sie verändern ihre optischen Eigenschaften, wenn eine Spannung an die Elektroden angelegt beziehungsweise diese verändert wird. »Bei der einen Elektrode findet dann eine Oxidation statt, bei der anderen kommt es gleichzeitig zur Reduktion«, sagt der Kaiserslauterer Professor. »Dabei wandern Elektronen von einer Elektrode zur anderen.« In der Folge färben sich die Moleküle auf den Nanopartikeln. Dieser Färbungszustand verbleibt ohne weitere Energiezufuhr und kann durch Umpolen der Spannung wieder restlos entfärbt werden.

Den Forschern ist es bei ihrem Filter gelungen, diesen elektrochemischen Prozess für diese Art der Materialien schnell ablaufen zu lassen und gleichzeitig einen sehr guten Färbekontrast zu erzielen. »Es dauert weniger als eine Sekunde«, fährt er fort. »Das ist im Bereich dieser Bauteile das bislang schnellste, was erreicht werden konnte.«

Die neuen Bauteile bzw. die verwendeten Materialien sind nicht nur für Fotokameras und Mikrooptiken in Smartphone-Kameras interessant; sie ließen sich auch im Bereich dimmbarer Fensterscheiben einsetzen. Dabei kann nicht nur sichtbares Licht herausgefiltert werden, sondern materialabhängig auch Infrarotstrahlung, die besonders im Sommer Innenräume eines Gebäudes aufheizt. Zudem könnten die vorgestellten Filter auch bei Kameras Verwendung finden, die in sicherheitsrelevanten Anwendungen zum Einsatz kommen, etwa beim Überwachen von Geländen. Eine Überbelichtung durch die Sonneneinstrahlung kann dabei verhindert werden.