Industrielle Displaytrends 2016 »Revolutionäre Neuheiten kommen nicht plötzlich …«

Dr. Karlheinz Blankenbach, 
Hochschule Pforzheim: 

»Nicht das größte und 
beste Display gewinnt, sondern jene, bei denen Leistung und Kosten optimiert sind.«
Prof. Karlheinz Blankenbach, Hochschule Pforzheim: »Der Wearable-Boom befeuert mittelfristig auch kleinere und hochauflösende sowie runde LCDs und OLEDs für professionelle Anwendungen.«

»…, sondern waren als Forschungs- und Entwicklungsprototypen bereits in Expertenkreisen bekannt«, sagt Display-Experte Prof. Dr. Karlheinz Blankenbach von der Hochschule Pforzheim.

Die große Frage sei, ob, wann, mit welchen Eigenschaften und zu welchem Preis diese Displayentwicklungen erhältlich sein werden.

Oberklassen-Displays von vor einigen Jahren gehören in vielen Branchen wie Automotive und Smartphones nun zum Standard in der Mittelklasse, sagt Blankenbach. Spannend bleibe es auf alle Fälle, zu erwarten seien neben innovativen Produkten auch kosten- und qualitäts-adäquate Displays für industrielle Anwendungen.

Prinzipiell gelte, dass meist nicht das größte oder beste Display gewinne, sondern eben jenes, bei dem Leistung und Kosten "optimal ausbalanciert" seien.
Bezogen auf die weltweiten Stückzahlen dürfte die Rangliste im Jahr 2016 derjenigen von 2015 entsprechen: LCDs - OLEDs - E-Paper. "Stark im Kommen für großformatige und Sonnenlicht-ablesbare E-Signage-Anzeigen sind LED-Displays mit einem Pixelpitch im Bereich 1 mm, was bei 2 m Breite Full-HD-Auflösung ermöglicht", sagt der Display-Experte. LCDs für professionelle Anwendungen würden mit einem "Feuerwerk" in das Jahr 2016 starten: Auflösungen mit 4k und mehr, Pixelpitch bis 700 ppi und Quantum-Dot-Backlights mit brillanter Farbwiedergabe. Während OLEDs in mobilen Anwendungen wohl etabliert sind und immer mehr 55-Zoll- OLED-Fernseher verkauft werden, "ist und bleibt auch 2016 bei professionellen Anwendungen ein Fragezeichen", prognostiziert Blankenbach.

Gleichwohl basieren viele automobile Designvisionen auf flexiblen OLEDs. Ebenso gelang es selbst dem E-Paper-Marktführer E Ink nicht, seine bistabilen und reflektiven Displays in professionellen Anwendungen zu Design-Wins in nennenswerter Anzahl zu bringen. "Die neuen 32 Zoll großen monochromen und Farb-E-Ink-Displays haben jedoch großes Potenzial auf dem Signage-Markt." Weitere Innovationen für 2016 werden "Free Form"- und flexible LCDs und OLEDs sein: "Der Wearable-Boom befeuert mittelfristig auch kleinere und hochauflösende sowie runde LCDs und OLEDs für professionelle Anwendungen", sagt Blankenbach. Bei den LCDs werden sich 2016 mehr und mehr LCD-Hersteller zu professionellen Displays committen, versprechen diese doch gewinnbringendere Margen. Ein Beispiel: AM-LCDs mit einem Temperaturbereich von -30 bis +85 °C waren bis dato fast nur für die Automobilbranche erhältlich.

Für Plasma-Panels und größerformatige Passiv-Matrix-LCDs erwartet Blankenbach weiterhin sinkende Stückzahlen bei professionellen Anwendungen. Passiv-Matrix-LCDs etwa sind mittlerweile nur noch in Autos der unteren Mittelklasse zu finden. Auch das Obsoleszenz-Thema werde die Branche in diesem Jahr beschäftigen: Nicht alle bisher produzierten Displaytypen gebe es am Jahresende noch.

Der Trend zu mehr - und auch mit Handschuhen bedienbaren - PCAP-Touch-Screens mit Optical Bonding werde sich 2016 fortsetzen. Überdies würden haptische Touch-Screens die Märkte erobern, erhält doch der Anwender ein Feedback bei Berührung im Sinne einer nicht-visuellen Sinnesreizung. So lassen sich etwa Softbuttons durch unterschiedliche Oberflächen-Rauigkeiten erfühlen. Dies reduziert bei automotive HMIs signifikant die Zeitdauer, während der der Fahrer statt auf die Straße aufs Display blickt, und erhöht so die Sicherheit. "Haptische Touch-Screens ermöglichen also wie früher die quasi blinde Bedienung von Tasten und Knöpfen", betont Blankenbach.