Gleichmann Electronics »Passiv-Displays haben ihren Zenit noch lange nicht überschritten«

Passive Displays sind gefragt und das nicht nur in Low-End-Anwendungen.

Dass die passiven Displays nicht mehr gefragt sein sollen, davon spürt Gleichmann Electronics nichts, im Gegenteil: Der Umsatz mit Passiv-Anzeigen liegt in diesem Jahr voraussichtlich sogar 20 bis 25 Prozent über dem des Referenzjahrs 2008. Denn auch wenn in vielen Anwendungen eine Passiv-Anzeige durch ein TFT ersetzt wird, rücken zahlreiche Applikationen nach, in denen vorher beispielsweise nur eine LED den Betriebszustand angezeigt hat.

Gleichmann Electronics zieht bewusst den Vergleich mit 2008, denn so sind die Zahlen deutlich aussagekräftiger als im Vergleich zum schwächeren Jahr 2009. Aber auch in 2009 habe Gleichmann Electronics bei den Passiven nur vergleichsweise geringe  Umsatzrückgänge zu verzeichnen gehabt, wie Roland Federle, Marketing Management passive Displays, betont. »Einige Projekte wurden im letzten Jahr geschoben, und wir hatten 2009 eine sehr hohe Anzahl an Kunden-Design-Wins. Davon profitieren wir in diesem Jahr natürlich maßgeblich.« Auch in den ersten Monaten dieses Jahres kann das Unternehmen  schon wieder viele neue Design-Wins verzeichnen, für den LCD-Spezialisten ein eindeutiges Indiz dafür, dass die Passiv-Displays ihren Zenit noch lange nicht überschritten haben. »Wir rechnen  auch für die kommenden Jahre mit jährlichen Zuwachsraten über 15 Prozent«, so Federle

Passive Displays sind günstiger und einfacher anzusteuern als TFTs und deshalb oft das Mittel der Wahl, wenn zum Beispiel eine einfache LED-Betriebszustandsanzeige »rot/grün« durch ein Display ersetzt werden soll. Auch bei der Umgebungshelligkeit und dem Stromverbrauch punkten die passiven Anzeigen gegenüber TFTs. Da sie ohne Hinterleuchtung gut ablesbar sind, verbrauchen sie in der Regel deutlich weniger Strom als ein gleich großes TFT mit Backlight. Besonders wenn die Applikation auf eine dezentrale Stromversorgung wie Akku oder Batterie angewiesen ist, sind die Passiv-Displays daher empfehlenswert. Auch die Tatsache, dass die Gerätehersteller zunehmend selbst in einfacheren Anwendungen intelligentere Controller einsetzen, spielt den Passiv-Displays in die Hände, denn dadurch steigt automatisch der Kommunikations- und Visualisierungsbedarf zwischen Applikation und Benutzer. »Das heißt aber nicht, dass wir  Passiv-Anzeigen nur in Low-End-Applikationen eindesignen. Wenn Umgebungsbedingungen oder der Ansteuerungsaufwand gegen den Einsatz von TFTs sprechen, greifen die Kunden auch bei höherwertigen Applikationen gerne auf passive LCD zurück«, stellt Federle klar. Als typische Anwendungen sieht der Display-Experte industrielle Durchflussmengenzähler,  Flüssigkeitsanalyse-Systeme für die Wasseraufbereitung, High-End-Consumer-Geräte oder auch Industrieapplikationen mit besonderen Anforderungen zum Beispiel an die die Lebensdauer und den Kontrast.

Hinzu komme, dass kleinere TFTs viel häufiger als passive Anzeigen von Re-Designs betroffen seien. »Display-Controller- und Treiberhersteller kündigen ihre Komponenten oft schon nach relativ kurzer Zeit wieder ab. Um die neuen Komponenten einsetzen zu können, sind die TFT-Display-Hersteller dann in der Regel gezwungen, ihr Design nachzuarbeiten und die Software anzupassen. Dieses Prozedere ist mit den Verfügbarkeitserwartungen eines europäischen Industriekunden natürlich überhaupt nicht in Einklang zu bringen. Da gehen viele Kunden lieber gleich auf Nummer sicher und setzen auch weiterhin passive Displays ein«, so Federle.

Ein  großes Marktpotential für passive Displays sieht Federle unter anderem in Bereichen wie »Smart Metering« und »Gebäudeinfrastruktur«: Bei Smart-Metering-Anwendungen muss eine 20-jährige LCD-Lebensdauer garantiert werden, deshalb scheidet hier der Einsatz von TFTs oft aus den vorher genannten Gründen schon aus. Im Bereich der Gebäudeinfrastruktur sind es vor allem die vielen Regler und Schalter für die verschiedenen Bus-Systeme, die für den Einsatz  passiver Displays prädestiniert scheinen. »Der Trend zur Visualisierung ist auch hier unübersehbar. Und da die Technik auf kleinstem Raum Platz finden muss, gibt es auch keinerlei vernünftige Alternative zu passiven LCDs.

Die Passiv-Display-Linecard von Gleichmann Electronics beinhaltet Hersteller von Standard-, Semicustom- und kundenspezifischen Displays. Bei den Semicustom-Displays kommt ein Standard-Modul zum Einsatz, das schon beim Hersteller um zusätzliche vom Kunden gewünschte mechanische Extras, z.B. eine Stiftleiste, Bestückungsoptionen oder gar komplette PCB-Redesigns, ergänzt wird.  Die Einsparungen für den Kunden gegenüber einer nachträglichen Montage können durch das hohe Lohngefälle zwischen Fernost und Europa beträchtlich sein, im Fall der einfachen Stiftleiste laut Federle immerhin etwa 2 Euro pro Stück.