Kommentar Osram und ams – die Chancen der Kombination

Heinz Arnold, Editor-at-Large, HArnold@markt-technik.de

Die Übernahmeschlacht um Osram ist in vollem Gange: Bain will mit Advent das Angeot zur Übernahme von Osram noch überbieten.

Gerüchte, nach denen sich Bain mit einem weiteren Investor (Advent) zusammen tun könnte, um ein neues Angebot einzureichen, haben sich bestätigt. Damit könnte der von ams anvisierte Weg für die Osram-Übernahme hinfällig werden, der Kampf um Osram zöge sich noch länger hin.

Erst kurz zuvor hatte sich Alexander Everke, CEO von ams, auf einer extra einberufenen Pressekonferenz in München noch optimistisch gezeigt: Einer Übernahme von Osram stünde nichts mehr im Wege, an ein Scheitern denke er gar nicht, deshalb existiere auch kein Plan B.

Zu diesem Zeitpunkt standen sich zwei Bieter gegenüber: Bain Capital und die Carlyle-Gruppe, die 35 Euro je Aktie bieten, und ams, die 38,50 Euro pro Aktie bezahlen will. Aufgrund des besseren Angebots von ams hatte der Aufsichtsrat von Osram die Empfehlung ausgesprochen, darauf einzugehen.

Das Ende der Pläne von ams? Auf das Gerücht hatte ams noch mit dem Kommentar reagiert, dass der ganze Vorgang einzig und allein darauf abziele, das Angebot von ams zu vereiteln. Nachdem Bain und Advent nun ihren Willen bekundet haben, ein neues Angebot vorzulegen, will ams die Situation erst einmal evaluieren. Noch liegt ja nichts Konkretes vor.

Jetzt kommt es darauf an, ob Everke mit seinem Plan überzeugen kann, einen neuen Technologiechampion in Europa aufzubauen. Dass dies über die Kombination von Lichterzeugung (Osram) und Sensorik (ams) gelingen könnte, dafür spricht einiges.

Zumal ams über die vergangenen Jahre gezeigt hat, wie sich verschiedene Techniken rund um die Sensorik sinnvoll kombinieren lassen: Damit ist das Unternehmen zu einem der schnellst wachsenden Halbleiter- und Sensorhersteller aufgestiegen. Diese Erfolgsgeschichte könnte sich durch die Übernahme von Osram fortschreiben lassen, denn die Kombination verschiedener Techniken – von Halbleitern über LEDs und Sensoren bis zum Packaging – ist die Voraussetzung, um im IoT- und Industrie-4.0-Umfeld erfolgreich zu sein. Die ams-Übernahme böte also eine klare Perspektive: Völlig neue Produkte zu entwickeln und damit ganz neue Märkte zu erschließen, auf denen sich hohe Margen erzielen lassen. Risikolos ist das nicht, aber es böten sich vielfältige Chancen – Chancen, die sich nur in der Kombination eröffnen.