Relativ stabiles zweites Quartal Osram erwartet Tiefpunkt im April

Olaf Berlien, CEO von Osram, freut sich über das zweite Quartal, das Dank der frühzeitig eingeleiteten Maßnahmen  gegen die Folgen der Coronakrise realtiv gut ausgefallen sei: »Ich bin hochmotiviert und mit großer Freude dabei«, erklärt er im Hinblick auf die laufende Übernehme durch ams.
Olaf Berlien, CEO von Osram, freut sich über das zweite Quartal, das Dank der frühzeitig eingeleiteten Maßnahmen gegen die Folgen der Coronakrise realtiv gut ausgefallen sei: »Ich bin hochmotiviert und mit großer Freude dabei«, erklärt er im Hinblick auf die laufende Übernahme durch ams.

Osram hat im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2020 rund 39 Mio. Euro Verlust gemacht, 56,7 Prozent weniger als 2019. Die Krise wird erst im dritten Quartal durchschlagen.

»Die Auswirkungen der Corona-Krise waren im zweiten Quartal moderat«, fasst CEO Olaf Berlien zusammen. Zwar sank der Umsatz von Osram vor allem wegen den Auswirkungen der Krise in China um 8 Prozent auf 821 Mio. Euro gegenüber dem Vorjahreszeitrum. Doch das operative Ergebnis legte um 37 Prozent auf 96 Mio. Euro zu. »Mit 64 Mio. Euro ist auch der Cash Flow beachtlich ausgefallen«, freut sich Berlien. Außerdem sei Osram mit einem Eigenkaptalanteil von 50 Prozent recht gut unterwegs.

Allerdings rechnet  er damit, dass das dritte Quartal sehr viel stärker betroffen sein wird: »Voraussichtlich wird der April der Tiefpunkt sein. Erst im dritten Quartal werden uns die Auswirkungen voll treffen«, sagte er während der Pressekonferenz zu den Ergebnissen des zweiten Quartals 2020.  Denn in diesem Monat schlägt der Lockdown in Europa und in Süd- wie Nordamerika voll durch. Noch sei die Lage sehr undurchsichtig und daher wollte er auch keine Prognose geben.

»Das Hochfahren der Wirtschaft wird nicht überall reibungslos funktionieren. Wie stark es im vierten Quartal des Geschäftsjahres wieder aufwärts gehen wird? Wir sind abwartend«, so Berlin.

Könnte die Coronakrise die Finanzierung der Übernahme durch ams gefährden, wie bereits in den Medien spekuliert wurde? Berlien will dazu nur sagen, dass die Genehmigungen für die Transaktion noch ausstehen, dass das Finanzierungskonzept aber die Anforderungen der Bafin genügt hätten, also auch krisenfest sein müsse. Er selbst könne nur für Osram sprechen: »Unsere aktiven Maßnahmen laufen weiter, wir konzentrieren uns zunächst auf die eigenen Geschäfte.«

China ist der Lichtblick

Im Moment stellt China laut Berlien den Lichtblick dar: »China fährt wieder hoch. Unsere Werke laufen dort unter Vollauslastung, Produktion und Nachfrage sind stark.« Doch was ist von der im Moment so starken Nachfrage in China zu halten? Handelt es sich um einen schnell vorübergehenden Boom, solange bis die Lager wieder aufgefüllt sind, oder stecken gar Hamsterkäufe dahinter? Olaf Berlien ist sich da auch nicht so sicher. Er hat sogar beobachtet, dass manche Kunden jetzt bereits die gesamte Jahresmenge kaufen würden, wenn es ginge.

Geändert habe sich in China nach seinen Beobachtungen die Einstellung zum öffentlichen Verkehr. Schien es über die vergangene Zeit so zu sein, dass immer mehr Menschen auf die öffentlichen Verkehrsmittel vertrauten. Immer weniger hatten Lust verspürt, in der Stadt Zeit mit dem eigenen Auto im Stau und auf der Parkplatzsuche verbringen zu müssen. Jetzt würden viele nach den Erfahrungen mit Corona die öffentlichen Verkehrsmittel meiden und das eigene Auto bevorzugen.

»V«- oder »U«-Aufschwung?

Während sich in China das Wirtschaftsleben schnell zu normalisieren scheint, steckt sie in Europa und in Amerika aufgrund des Lockdowns tief in der Rezession. Die Diskussion unter den Volkswirtschaftlern geht jetzt darum, ob der Rückgang zur Normalität in Form eines »V« oder eines »U« verlaufe. »In China handelt es sich eindeutig um ein „V“, für Europa und Amerika kann man das noch nicht prognostizieren.« Offenbar bitte die Automobilindustrie in Deutschland um staatliche Hilfsprogramme, weil sich das »V« im Moment noch nicht einstellen wolle.

Immerhin sei es Osram aber im jetzt abgelaufenen zweiten Quartal des Geschäftsjahres gelungen, den Betrieb aufrecht zu erhalten.  Nur die Werke in Bergamo und Treviso in Italien seien noch geschlossen – von weltweit 26 Werken. Treviso sei aber schon dabei, wieder hochzufahren. Die finanziellen Auswirkungen der Krise hätte Osram im zweiten Quartal ebenfalls in den Griff zu bekommen. Innerhalb von nur wenigen Wochen seine 200 Mio. Euro an Liquiditätsvolumen identifiziert worden.

Erfolgreiche Einsparungen

Unterdessen laufe nach den Worten von Olaf Berlien die Transformation des Unternehmens weiter, was vor allem die Opto-Sparte und die Zentralverwaltung betreffe. Hier konnten 26 Mio. Euro eingespart werden. Für das gesamte Geschäftsjahr rechnet er mit Einsparungen in Höhe von 90 Mio. Euro.

Zu den Einsparungen trägt die Kurzarbeit bei, die im Moment allerdings nur relativ wenige Mitarbeiter betrifft. Die Vorbereitungen laufen, um die Kurzarbeit gegebenenfalls schnell ausweiten zu können. Zudem verzichtet der Vorstand verzichtet auf 10 Prozent des Einkommens. Außerdem realisiert Osram Einsparungen, durch »Tausende von Einzelmaßnahmen«. Das fängt bei großen Investitionsvorhaben an, die ausgesetzt wurden, und geht bis zu den Reinigungskosten oder dem Catering. »Da geht es teilweise um Beträge von 100 Euro«, so Berlien. Einen nicht unerheblichen Teil dürften auch die Einsparungen ausmachen, die durch ausgefallene Messen realisiert wurden. »Wir haben bereits beschlossen, dass wir auch auf der CES Anfang 2021 nicht dabei sein werden«, so Berlien.

Und wie stellt er sich die Zukunft für sich selber vor dem Hintergrund der Übernahme durch ams konkret vor? »Ich bin hochmotiviert und mit großer Freude dabei«, verkündete er fröhlich.