Kommentar Organische Elektronik: Hoffnungsträger mit langer Startphase

Engelbert Hopf, Chefreporter Markt&Technik
Engelbert Hopf, Chefreporter Markt&Technik

Noch in diesem Jahr werden sie in den ersten Wohnzimmern stehen, die 55-Zoll-OLED-Fernseher von Samsung und LG. Dass es nun Koreaner sind, die mit entsprechenden Produkten aufwarten, und nicht Sony, das vor einigen Jahren einen wesentlich kleineren Demonstrator vorgestellt hatte, bestätigt die Beobachtungen der letzten Jahre: Koreanische Unternehmen versprechen sich einiges von der organischen Elektronik und investieren spätestens seit Mitte des letzten Jahrzehnts massiv in diesem Bereich.

Die Einsatzmöglichkeiten der organischen Elektronik - auch das hat die LOPE-C letzte Woche in München wieder gezeigt - sind vielfältig. Nur dauert der Weg von der Idee bis zum fertigen Produkt manchmal deutlich länger, als ursprünglich geplant. Jüngstes Beispiel dafür ist Konarka Technologies. Anfang Juni meldete das Unternehmen, das nach eigenen Angaben hunderte von Patenten im Bereich der organischen Photovoltaik besitzt, Insolvenz an. Offensichtlich waren die Investoren nicht mehr bereit, sich weiter zu engagieren.

Zwar gibt es auch im Bereich organischer Photovoltaik durchaus positive Beispiele, wie etwa Heliatek in Dresden. Dort wird intensiv an der nächsten Finanzierungsrunde zum Bau einer zweiten Fab mit einem Produktionsvolumen von 50 bis 75 MW gearbeitet. Auch das speziell auf den Sonnengürtel der Welt ausgerichtet Business-Konzept des Universitäts-Spin-off »Eight19« aus Cambridge scheint vielversprechend. Branchenkenner rechnen jedoch damit, dass durchaus dem ein, oder anderen Pionier der organischen Elektronik demnächst noch die Luft ausgehen könnte. Investoren denken im Allgemeinen in Zeiträumen von 5 bis 7 Jahren. Im Fall der organischen Elektronik, müssen sie ganz offensichtlich größere Geduld aufbringen.

Zwar hat sich die Branche bereits vor Jahren von ihrem ursprünglichen Anspruch, einen preiswerten Ersatz für die etablierte Siliziumtechnologie zu liefern verabschiedet, doch offenbar sind die wenigsten bislang bereit, nicht nur der Realisierung der ursprünglich geplanten Produktidee nachzueifern, sondern das inzwischen angesammelte Know-how auch für andere Anwendungsmöglichkeiten zu nutzen.

So sind RFID-Chips, die in Rolle-zu-Rolle-Verfahren als organische Elektronik produziert werden, zwar immer noch nicht in Serie produzierbar - es bedarf noch der Verbesserung der verwendeten Rohstoffe - dafür aber haben sich die Unternehmen, die in diesem Bereich aktiv sind, Fähigkeiten erarbeitet, die etwa die strukturierte Metallisierung von Polyesterfolien beinhalten. Strukturbreiten von 10 µm ermöglichen Einsätze, die vom effizienten EMI-Shielding bis zur Realisierung sehr dünner, flexibler und leichter Multi-Touch-Lösungen reichen.

Auch wenn der ursprüngliche Ansatz der organischen, oder gedruckten Elektronik, der kostengünstige Ersatz von Siliziumlösungen wohl der euphorischen Aufbruchstimmung des Dotcom-Blase Ende der 1990er Jahre geschuldet ist. Die Vielfalt der Einsatzmöglichkeiten, hat in den letzten Jahren eher zu, als abgenommen. Veranstaltungen wie die LOPE-C zeigen aber auch, dass der Zeitstrahl der Realisierung der ursprünglichen Produktideen immer länger geworden ist - abgesehen von spektakulären Endprodukten wie den anfangs genannten OLED-Fernsehern oder OLED-basierten Beleuchtungslösungen, an denen Unternehmen wie Osram und Philips arbeiten. Steht die organische Elektronik nach wie vor am Beginn des Übergangs vom Labor zum Massenmarkt. Angesichts dieser Tatsache kann es schon etwas verwundern, dass allein in Deutschland sich in diesem Jahr in Berlin, München und Dresden drei Kongressveranstaltungen mit diesem Thema beschäftigen.