Display-Trends: 5 Fragen an MSC »Nicht alle Anwendungen benötigen Full-HD-Auflösung«

Roland Federle, MSC Technologies: »Wir sehen die Chancen für OLEDs sehr positiv, die Zeit ist überreif.«
Roland Federle, MSC Technologies: »Wir sehen die Chancen für OLEDs sehr positiv, die Zeit ist überreif.«

Zwar ist etwa bei 10-Zoll-TFT-Displays die Nachfrage nach SVGA-Auflösung mit 800x600 Pixel viel höher als für 10-Zöller mit 640x480 Pixel, »jedoch wissen wir, dass in der Industrie nicht alle Anwendungen eine Full-HD-Auflösung benötigen«, sagt Roland Federle, Marketing Manager bei MSC Technologies.

Markt&Technik: Welche weiteren grundsätzlichen Trends bei Displays lassen sich 2016 beobachten – geht’s überhaupt noch ohne Touch und muss es wegen Multitouch meist PCAP sein?


Roland Federle, MSC Technologies: Wir sehen einen deutlichen Trend hin zu High-Brightness-Displays mit extrem weiten Ablesewinkeln und höheren Auflösungen, dies vor allem im Wide-Format.In puncto Aufösung offerieren wir im 7-Zoll-Segment von mehreren Herstellern Displays auch in Full-HD-Auflösung, doch haben wir zu diesen Produkten relativ wenige laufende Projekte. Der Grund dafür ist, dass gerade jetzt die meisten Applikationen unter besonderem Preisdruck stehen. Was Touch anbelangt, so gibt es noch zahlreiche neue Projekte, die ohne Touch realisiert werden. Dazu zählen Bediensysteme, die eine taktile Rückmeldung erfordern. In diesen Anwendungen können jetzt aber auch die Haptivity-Displays von Kyocera mit Touch-Feeling-Technologie eingesetzt werden. Prinzipiell spüren wir eine steigende Nachfrage nach Anzeigen mit PCAP, weil diese Displays deutlich bessere optische Eigenschaften aufweisen als solche mit analog resistivem Touch. Kommt die PCAP-Technologie zum Einsatz, wünschen sich die meisten Kunden zusätzlich Multitouch, oder zumindest eine Zwei-Finger-Bedienung.

Welches sind die derzeit wichtigsten Diagonalen, über welchen Diagonalenbereich erstreckt sich momentan Ihr Portfolio - sind Änderungen geplant?


Unser Produktportfolio reicht von 1 bis 84 Zoll. Die gängigsten Diagonalen sind 3,5, 4,3, 7,1, 10,4 und 15 Zoll. Eine Reduzierung unseres Angebots streben wir nicht an, sondern werden auch weiterhin einen große Vielfalt an Displays für die Industrie liefern. Dies sind vor allem die Größen von 3,5 bis 24 Zoll für Industrieanwendungen sowie Diagonalen ab 32 Zoll für den Bereich Public Signage.

Welche LCD-Technologie dominiert, welche führt nur noch ein Nischendasein - spielt monochrom überhaupt noch eine Rolle?

Bei den TFT-Displays ist es nach wie vor die relativ preiswerte TN-Technologie (normally white), immer mehr werden jedoch vom Markt MVA- und IPS-Panels (normally black) angenommen und eingesetzt. Im Bereich Weiße Ware sehen wir auch einen signifikanten Markt für monochrome TFT-Displays. Bei passiven Displays erleben wir insgesamt einen Rückgang der Nachfrage. Doch gerade für einfache Anwendungen wie Smart Metering bieten sich passive TN-Displays an. In typischen im Industrieumfeld eingesetzten MMIs und in Haushaltsgeräten kommen vorwiegend Displays in FSTN-Technologie zum Einsatz, die eine perfekte Transflektivität für eine gute Ablesbarkeit auch bei hoher Umgebungshelligkeit aufweisen.


Wie sehen Sie derzeit, wie in Zukunft die Chancen von OLED in der Industrie, was sind noch Handicaps?

Wir hören von unseren asiatischen Partnern, dass OLEDs in allen europäischen Ländern außer in Deutschland stark nachgefragt werden. Warum? Sind die Industriekunden hierzulande zu konservativ? In der Vergangenheit spielte bei OLEDs das Problem Alterung eine große Rolle. Doch wie das im Smartphone von Samsung eingesetzte OLED beweist, haben die Hersteller heute dieses Thema im Griff. Unsere OLED-Produkte unterschiedlicher Anbieter sind mit 60.000 bis 100.00 Stunden Lebensdauer spezifiziert. Wir sehen deshalb die Chancen für OLEDs sehr positiv, die Zeit ist überreif. OLEDs bieten einen extrem hohen Kontrast und eine sehr geringe Response Time und damit eine gute Ablesbarkeit selbst bei kritischen Lichtverhältnissen. Der Nachteil des etwas höheren Preises wird sich sicherlich bei steigender Nachfrage relativieren. Wir sind in der Lage, schon für Entwicklungskosten im vierstelligen Bereich kundenspezifisch monochromatische OLED-Designs durchzuführen.

Eine Frage zu Schnittstellen: Wird LVDS als native Schnittstelle in naher Zukunft abgelöst und wenn ja: durch welche – oder gibt’s künftig keine dominierende mehr, sondern eine Koexistenz diverser nativer Interfaces?

LVDS wir auch in naher Zukunft von keiner anderen Schnittstelle abgelöst werden. Dennoch können wir uns eine Koexistenz von LVDS als etabliertes Interface neben dem modernen Embedded-DisplayPort (eDP) sehr gut vorstellen. In Mobile- oder Public-Anwendungen wird die MIPI-Schnittstelle weiter ihre Bedeutung bewahren.