Kommentar Jenseits der Phrasen

Heinz Arnold, Editor-at-Large, HArnold@markt-technik.de

Phrasen und Buzz-Words gab es genug - darüber hinaus war auf der electronica 2018 dennoch allerhand Interessantes zu entdecken.

Spannend werden die Dinge erst so richtig jenseits der Phrasen und Buzz-Words. Davon gab es auf der diesjährigen electronica 2018 wieder genug – allerhand zu entdecken aber auch. Dazu gehört sicherlich die dynamische Rückbeleuchtung auf Basis der ISELED-Technik. Damit könnten sich LCD-Bildschirme zu Konkurrenz für OLEDs entwickeln – nicht nur im Auto. Displays im Auto könnten die Rolle von Beleuchtungselementen übernehmen, LEDs und Displays wachsen zusammen. Sicherheitsfunktionen wandern ebenfalls in die Beleuchtung, so verschmelzen die Domänen im Fahrzeug.

Der Trend zu Open Source ist kaum mehr aufzuhalten. Seit 2015 gibt es mit RISC V einen Open Source Befehlssatz, auf dessen Basis Controller entwickelt werden können. Einige große Firmen wie Qualcomm sind dabei, Western Digital plant Speicherkarten-Controller auf RISC-V-Basis, die deutsche Trinamic hat einen Controller zur Motoransteuerung auf dieser Basis entwickelt. Zwar beherrschen ganz andere Architekturen den Markt, aber es wird spannend bleiben, wie sich das zarte Open-Source-RISC-V-Pflänzlein in verschiedenen Branchen und Regionen entwickeln wird.

Dies waren nur zwei von vielen weiteren Beispielen dafür, dass bei einem ein Rundgang über die electronica vieles zu entdecken gab, das zum Nachdenken anregte. Sicherlich wären in diesem Jahr noch mehr Ingenieure hochinteressiert gewesen, die Messe zu besuchen. Doch in einigen Bereichen, so war zu hören, haben ihnen ihre Unternehmen die Zeit dafür nicht spendiert. Denn sie müssen mit Hochdruck an Redesigns arbeiten, weil verschiedene Bauelemente derzeit nicht zu bekommen sind, seien es bestimmte Leistungshalbleiter, seien es passive Komponenten wie Kondensatoren oder elektromechanische wie Steckverbinder.

Dabei können sich die Firmen glücklich schätzen, die (noch) Fachkräfte haben, die die Entwicklungen vorantreiben. Industrie und Verbände klagen lauthals über den Fachkräftemangel – gerade wieder anlässlich dieser electronica 2018. Wie ihm begegnet werden kann, dazu waren einige interessante und optimistisch stimmende Ansätze wie etwa die electronica Experience in Halle C6 zu sehen. Bleibt zu hoffen, dass auch diese zarten Pflänzlein gedeihen. Es gibt also viele Themen, die auch die electronica 2020 wieder zu einem höchst interessanten Erlebnis rund um die Elektronik machen werden.