E-Signage-Displays sind ausgelegt für Dauerbetrieb, gute Ablesbarkeit und erweiterten Temperaturbereich Interaktion bei E-Signage-Lösungen ist im Kommen

3D-Displays ohne Brille nur in kleinen Diagonalen

Vom 3-dimensionalen Fernsehen mit Shutter-Brille verspricht sich die Branche für die nächsten Jahre einen kräftigen Beitrag zum Gesamtumsatz. 3D-Displays ohne Brille gibt es bis dato aber nur in kleinen Diagonalen, etwa für E-Kiosk-Anwendungen, wo nur ein einzelner Anwender das Gerät bedient. Die von Sharp entwickelten 3D-Displays basieren auf der Parallaxenbarriere, lassen sich aber sehr wahrscheinlich nicht zu großen Fernsehdiagonalen skalieren. Gar erst im Prototypen-Stadium ist Sharps Dual-Depth-Technologie, von der sich erst noch zeigen muss, ob sie auch für große Diagonalen tauglich ist. Johannsen zufolge »ist 3D für E-Signage so lange noch kein Thema, solange keine großformatigen 3D-Displaytechnologien zur Verfügung stehen, die ohne Schutterbrille auskommen«.

Neben Sharp arbeiten auch andere Hersteller an Technologiestudien, aber bis es hierfür marktfähige Geräte gibt, »vergehen sicherlich noch ein paar Jahre«. Letztlich bleibe auch zu fragen, welchen Mehrwert der Nutzer von einer 3D-Visualisierung bei einer bestimmten Anwendung habe und welchen Mehrpreis für Hardware und Content der Betreiber dafür bereit sei zu zahlen: »Aufgrund der Kosten-Nutzen-Aspekte gehört E-Signage eher nicht zu den Markttreibern für 3D-Technologie.« In puncto Marktbedeutung sei und bleibe E-Signage im Vergleich mit dem TV-Geschäft »mengenmäßig eine Nischenanwendung, wenngleich eine durchaus lukrative«.

Was das Thema E-Signage und Interaktion mit dem bislang nur passiven Betrachter anbelangt, ist der Sharp-Manager davon überzeugt, »dass Interaktion bei E-Signage-Anwendungen immer wichtiger wird, wobei Touchscreens als intuitiv bedienbares Interface prädestiniert sind«. Die Anforderungen an die Toucheinheit sind je nach Applikation aber sehr unterschiedlich und reichen von Hinter-Glas Anwendungen bei Schaufenstern bis zu direkt zugänglichen Infoterminals im Außenbereich. Erfreulich sei dabei, dass es am Markt genügend unterschiedliche Touchtechnologien gebe, die abhängig von der Displaygröße und dem Einsatzbereich nur noch für den jeweiligen Anwendungszweck ausgewählt werden müssten.

Was Interaktion anbelangt, sieht auch Display-Experte Professor Karlheinz Blankenbach von der Hochschule Pforzheim zwar seitens der Werbeleute den Wunsch nach passenden Lösungen. Gleichzeitig hält er die Umsetzung beim elektronischen Werbeplakat aber für »schwierig, weil andere Menschen meine konkrete Anforderung mit ansehen müssten«. In ruhigeren Stunden, am Abend, wenn der Publikumsverkehr stark nachgelassen hat, »könnte es ein Thema werden«.

Was die grundsätzliche Definition »E-Signage« respektive das ebenfalls verwendete Digital Signage anbelangt, »gibt es einige Unschärfen«. Seiner Überzeugung nach misst ein elektronisches Plakat mindestens 2 m2 und reicht bis zu 10 m2, so dass die Diagonalen von E-Signage-Display mindestens 50 Zoll groß zu sein hätten. Im Innenbereich seien Grafikfähigkeit und Farbe ein Muss, im Außenbereich wegen des wichtigen Aspekts der Ablesbarkeit sei hingegen Farbe »nicht so günstig«.

Für Gerhard Becker, Manager Produkt Marketing, Displays und Systeme bei Gleichmann Electronics, »hängen bei E-Signage-Displays die Auswahlkriterien genau wie bei Industriedisplays vom Einsatzgebiet, also der Ziel-Applikation ab«. Generell könne man sagen, dass etwa 80 Prozent der Industrie-displays auch im Digital-Signage-Bereich eingesetzt werden können. »Ein Merkmal ist allerdings, dass auch große Diagonalen von mehr als 26 Zoll im Portraitmode betrieben werden können.« Ausreichend Helligkeit seien ebenso wichtig wie gute Ablesbarkeit in schwierigen Lichtverhältnissen bei starker Sonneneinstrahlung.

Von enormer Bedeutung seien zudem ein geringes Image-Sticking (Einbrennen von Inhalten) und ein weiter Temperaturbereich für den Außeneinsatz. Bei letzterem spielen zudem Vandalismus- und Wetterfestigkeit eine Rolle. In Verbindung mit Outdoor-Applikationen sei außerdem Optical Bonding »kaum mehr wegzudenken«: Das Aufbringen von Schutz- oder Touchscheiben ohne Luftspalt auf das Display mit einem hochtransparenten Klebematerial reduziert Reflektions-Kanten und -ebenen, schützt das Display und verbessert die Ablesbarkeit. Dass im Innenbereich zunehmend Farbdisplays für E-Signage verwendet werden, hat zwei Gründe: Preislich gleichen sich die Displays so aneinander an, dass es keine signifikante Einsparung bedeutet, ein monochromes Display zu wählen. Ein weiterer Faktor ist die Erfolgsorientierung, »denn Werbung wirkt durch Farbe einfach sehr viel besser«. Die entsprechenden E-Signage-Displays bezieht Distributor Gleichmann Electronics vom koreanischen Hersteller LG Display sowie den beiden taiwanischen Hersteller CMI und AUO.

Im Unterschied zu Blankenbach ist für den Gleichmann-Manager »der Begriff Digital Signage nicht an minimale Größen gebunden und gilt generell betrachtet sogar für E-Paper«. So sind für Applikationen wie Türschilder und Preisauszeichnungen die Displays sehr klein, »zählen aber immer noch zu den Digital-Signage-Anwendungen«. Allerdings räumt Becker ein, dass gängige E-Signage-Anwendungen »eher großflächig sind« und der Werbung dienen, wobei sie durch bewegte Bilder viele Vorteile bieten. Vor allem die signifikanten Vorteile, die bewegte, animierte und interaktive Elemente der E-Signage-Lösung gegenüber statischen Plakatwerbungen bieten, sorgen für einen deutlich steigenden Trend zu digitaler Außenwerbung. Mit mehr als 34 Prozent erfahre Digital-Signage in POS/POI-Anwendungen in großen Kaufhäusern, Krankenhäusern und Supermarktketten »hohe Akzeptanz«. Und in gesamten Verkehrssegment werde der Digital-Signage-Anteil von Außenwerbung auf 28 Prozent mit zunehmender Tendenz taxiert. »Schätzungen zufolge wird sich das Volumen bis zum Jahre 2013 verfünffachen.« Dieser allgemeine Zuwachs im Markt lässt sich auch bei Gleichmann verzeichnen: »Derzeit wandern mit steigender Tendenz 15 bis 20 Prozent aller Displays in den E-Signage-Bereich, wobei es immer mehr Mischapplikationen gibt, in denen das Industriedisplay auch Werbebotschaften trägt.«

Bezüglich 3D innerhalb E-Signage-Applikationen ist sich Becker einig mit Johannsen: »Im Indus-triebereich wird die 3D-Technologie keine Rolle spielen, solange die Qualität der Displays, die ohne die 3D-Brille ein akzeptables 3D-Bild aufzeigen, nicht signifikant ver-bessert werden kann.« Derzeit liegt der Fokus von 3D im Endverbrauchersektor bei Fernsehgeräten und in Kinos, wo sich 3D-Filme immer größerer Beliebtheit erfreuen. Während also 3D bei Digital Signage Zukunftsmusik ist, gilt das für die Interaktion mit dem E-Signage-Display nicht mehr: »Touchscreenfunktionalität liegt im Trend und es besteht große Nachfrage«, betont Becker. In Zukunft werde Touch oder Multitouch auch immer öfter bei Applikationen wie interaktiver Schaufensterwerbung inkl. verkaufsfördernder Maßnahmen in Warenhäusern zu finden sein. Hier spiele die »Projected Capacitive Touch«-Technologie (PCT), wie sie vom englischen Hersteller Zytronik offeriert wird, eine große Rolle. Bis zu Diagonalen von 65 Zoll sind die Touch-Panels verfügbar, als kundenspezifische Lösung lassen sich noch größere Diagonalen realisieren.