Mehr als nur Licht Intelligente Straßenlaternen machen die City smart

Neue Projekte in Deutschland laufen jetzt an

Der baden-württembergische Energiekonzern EnBW hat solche intelligenten Straßenlaternen ebenfalls im Angebot. Sie könnten Wärmestrahlen von Motor, Scheinwerfer oder Reifen erfassen und so frühzeitig warnen, bevor sich ein Stop-and-Go-Verkehr aufbaut. Auch Umweltdaten zu Feinstaub und Stickoxid ließen sich mit den Sensoren messen. Bei Überschreitung der Grenzwerte könne der Verkehr dann auf weniger belastete Straßen umgeleitet werden. »Eine Stadt, die alles weiß«, wirbt EnBW für sein Angebot.

Auch der Telekommunikationskonzern Vodafone will auf dem Zukunftsmarkt Smart City mitmischen. In Darmstadt hat der Mobilfunker mit Partnern ein Sensorsystem an Laternen rund um das Residenzschloss installiert, das unter anderem Luftqualität und Geräuschpegel misst. Weitere Sensoren registrieren die Anzahl der Fußgänger, Radfahrer und der vorbeifahrenden Autos und melden sie per Mobilfunk zur Optimierung des Verkehrsflusses an eine Analyseplattform – »ohne personenbezogene Daten zu erheben«, wie Vodafone versichert.

Große Geschäfte lassen sich mit der intelligenten Straßenbeleuchtung wohl noch nicht machen. EnBW sei seit rund vier Jahren auf dem Feld aktiv und stehe knapp vor der Grenze von 10 Millionen Euro Umsatz, hatte Konzernchef Frank Mastiaux dem »Handelsblatt« im Dezember gesagt. Für ein Start-up sei das aber nicht schlecht.

Billig sind die intelligenten Straßenlaternen nicht. Innogy verlangt für seinen Smart Pole rund 10.000 Euro. Preiswerter ist die Nachrüstung vorhandener Laternen – ein Sensor zur Ermittlung freier Parkplätze gebe es schon für einen dreistelligen Betrag, sagt Innogy-Fachmann Lüschper.

Schneller zur Lade-Infrastruktur für E-Atuos

Aufgerüstete Straßenlaternen könnten auch ein Weg sein, die Lade-Infrastruktur für Elektrofahrzeuge in Deutschland schneller auszubauen. Ein Test dazu hat in Berlin begonnen. Mit Mitteln aus dem »Sofortprogramm Saubere Luft« des Bundeswirtschaftsministeriums sollen in der Hauptstadt bis zu 1000 Laternen mit Steckdosen für E-Autos ausgerüstet werden.

»Wir wollen testen, ob das eine Alternative für Wohngebiete und das Über-Nacht-Laden ist«, berichtet ein Sprecher der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Umwelt. In Dortmund ist ein ähnliches Projekt geplant, wo bis zu 400 Laternen zu Ladepunkten werden sollen. Derzeit wird geprüft, wo dies technisch möglich ist.

Denn nicht jede Straßenlaterne ist für den Umbau zur Stromtankstelle geeignet. In Berlin gehe das, weil dort die einzelne Laterne mit einem eigenen Kabel ans Stromnetz angeschlossen sei, heißt es bei der Firma Ubitricity, die in der Hauptstadt für die Umrüstung zuständig ist. Wenn mehrere Leuchten mit einem Kabel mit der Hauptleistung verbunden seien, werde es schwierig.

Entsprechend vorsichtig äußert sich der Stadtwerkeverband VKU zu den Chancen des Laternentankens. »Straßenlaternen seien eine von vielen Möglichkeiten, E-Tankstellen im Stadtgebiet zu installieren«, sagt Hauptgeschäftsführerin Katherina Reiche. Es müssten aber einige technische Hürden überwunden werden. Der große Vorteil sei jedoch, »dass das Verfahren Platz spart – und der ist gerade in Großstädten ein wertvolles Gut«.