Gleichmann Electronics Industrie-Displays: »Die Auflösung ist ein wichtiges Auswahlkriterium«

WXGA-Display für Ticketautomation, POS-Systeme und Industrieapplikationen adressiert CMIs 15,4-Zoll-WXGA-Display G1541-L01, das Gleichmann vertreibt.
WXGA-Display für Ticketautomation, POS-Systeme und Industrieapplikationen adressiert CMIs 15,4-Zoll-WXGA-Display G1541-L01, das Gleichmann vertreibt.

Die Panel-Diagonale in industriellen Applikationen bewegt sich hauptsächlich im Bereich zwischen 3,5 und 21,5 Zoll und ist laut Gleichmann-Manager Gerhard Becker »neben der Auflösung definitiv das wichtigste Auswahlkriterium für Grafikdisplays«. Zwischen 7 und 15,6 Zoll erschwert aber der Diagonalen-Wirrwarr die Display-Auswahl, die EU-Vorgabe für metrische Bezeichnungen verwirrt den Kunden überdies.

Außer bei den Basisformaten 4:3 bzw. 5:4 konnten sich die Hersteller bisher allerdings auf »keine einheitliche Linie einigen«, bedauert Becker, Leiter Produktmarketing Display & Systeme bei Gleichmann Electronics. Deshalb habe der Anwender bei der Auswahl eines Displays für die Wide-Formate 16:9 und 16:10 derzeit die Qual der Wahl zwischen einer Vielzahl von Diagonalen zwischen 7 und 15,6 Zoll. Hinzu komme, dass in vielen Fällen momentan niemand sich sicher sein könne, ob die gewählte Diagonale nach Ablauf der von den meisten Panelherstellern zugesagten Dreijahresfrist überhaupt noch verfügbar sei. Zudem könne auch nicht mehr davon ausgegangen werden, dass zu einem Industriedisplay ein entsprechendes Konsumer-Pendant existiere. Beispielsweise bieten im Konsumerbereich viele TFT-Hersteller ein 15,6-Zoll-Display an, im Industriebereich herrscht bis auf Displays des Herstellers AUO Fehlanzeige. Damit nicht genug: »Verschärfend zu diesem Diagonalen-Wirrwarr kommt noch die EU-Richtlinie 2009/3/EG hinzu, wonach die Zoll-Angabe durch eine metrische Maßeinheit ersetzt oder ergänzt werden muss.«

Zukunftssicher bedeutet bei Industriedisplays heutzutage in der Regel eine Verfügbarkeit von »mindestens 3 Jahren ab Markteinführung, manche Anbieter wie CMI gewähren auf ihre Industriedisplays inzwischen sogar 5 Jahre«, führt Becker aus. Verfügbarkeitszusagen über diesen Zeitraum hinaus gebe derzeit aber »kein« Hersteller. Außerdem werde von Lieferantenseite immer wieder »unmissverständlich« darauf hingewiesen, dass kleinere Modifizierungen vom Kunden auch innerhalb dieser angegebenen Zeiträume akzeptiert werden müssten. Dieser Fall kann eintreten, wenn ein Bauteil wie etwa ein Stecker wegen Abkündigung durch den jeweiligen Komponetenhersteller nicht mehr verfügbar ist, gleiches gilt aber auch für Produktveränderungen bzw. Verbesserungen wegen des technischen Fortschritts.

Das Thema Stromverbrauch spiele bei stationären industriellen Display-Applikationen »erfahrungsgemäß eine eher untergeordnete Rolle, 1 oder 2 W mehr oder weniger Leistungsaufnahme schlagen sich ja auch nicht wirklich signifikant in den Verbrauchskosten nieder«, urteilt der Gleichmann-Manager. Bei mobilen, also batterie- oder akkubetriebenen Applikationen hingegen achten die Kunden schon eher auf die Verbrauchswerte des Displays: »Ob hier allerdings Memory- bzw Hybrid-Displays einen gangbaren Weg aufzeigen, wird die Zukunft zeigen.« Das Panel selbst verbraucht nur ca. 10 Prozent der Gesamtleistung, hier ist also nicht mehr viel zu holen. Das eigentliche Problem ist nach wie vor das Backlight, weshalb LED-Backlights »sicherlich ein Schritt in die richtige Richtung sind«. Allerdings können langlebige LEDs bisher nur mit »High Power«-Dioden realisiert werden. Je höher die Erwartungen an Helligkeit und Le bensdauer des LED-Backlights, desto geringer fällt somit die Stromersparnis gegenüber einem CCFL-Backlight aus. »Für den nächsten wirklich großen Durchbruch in puncto Energieeffizienz bräuchte es deshalb völlig neue, wesentlich verbrauchsärmere Leuchtmittel.«

Welche technischen Features – Diagonale, Auflösung, Blickwinkel, Helligkeit, Kontrast, Reaktionszeit, Backlight-Technologie, Ablesbarkeit bei unterschiedlichen Lichtverhältnissen, Leistungsaufnahme und Interface – für die Auswahl eines Displays entscheidend sind, »hängt letztlich immer von der jeweiligen Applikation ab«, betont Becker. Dass es keine in jeder Hinsicht perfekte Universallösung gebe, zeige sich schon daran, dass Gleichmann allein mehr als 50 verschiedene 10,4-Zoll- und fast 40 unterschiedliche 12,1-Zoll-Displays im Programm führt. Da gibt es Panels mit klarer oder Anticlear-Oberfläche, hell oder transflektiv, mit LVDS- oder TTL-Interface, mit CCFL- oder LED-Backlight. LED punkte vor allem bei EMV-kritischen Anwendungen, weil bei dieser Technologie im Gegensatz zu Displays mit CCFL-Backlight keine hohen hochfrequenten Wechselspannungen auftreten. Überdies ist LED vergleichsweise unempfindlich gegenüber niedrigen Temperaturen, die Helligkeit bleibt außerdem über einen weiten Temperaturbereich konstant. Aber: »Unter der Wüstensonne Saudiarabiens würde das gleiche Display ohne zusätzliche Kühlung allerdings vermutlich schon nach kurzer Zeit seinen Geist aufgeben«, erläutert Becker. Wird ein gestochen scharfes Bild mit hoher Brillanz benötigt, ist ein hohes Kontrastverhältnis in Kombination mit einer antireflektiven Oberfläche unverzichtbar. In der Medizintechnik ist oft der Blickwinkel ein entscheidendes Kriterium, in Videoapplikation eine möglichst kurze Reaktionszeit. Für den Außeneinsatz oder im Automobil wiederum kommen vorrangig helle oder transflektive Displays zum Einsatz.