Display-Trends: 5 Fragen an Kyocera »Grundsätzlich gilt der HMI-Gedanke«

Mit PCAP-Touch-Displays im Hoch- und Querformat adressiert Kyocera das industrielle Segment.

Displays sind im Zeitalter der Smartphones »mehr als nur eine Anzeigeeinheit, grundsätzlich gilt der HMI-Gedanke«, sagt Kyocera-Manager Eberhard Schill. Schlüsselfaktor sei die Ablesbarkeit, weshalb Kontrast, Helligkeit und Farbtreue unter weitem Blickwinkel weiterhin optimiert werden.

Markt&Technik: Welche weiteren grundsätzlichen Display-Trends lassen sich beobachten – geht’s überhaupt noch ohne Touch?

Eberhard Schill: Wer täglich einen Tablet-PC oder ein Smartphone bedient, erwartet die gleiche Funktionalität auch bei anderen HMIs. Deshalb wird sich der multifunktionale PCAP durchsetzen. Eine versehentliche Bedienung kann zum Beispiel durch Haptivity verhindert werden. Touch, haptisches Feedback und Gestensteuerug sind heute schon teilweise realisierte Features. Gefragt sind derzeit zudem das Weitformat und höhere Auflösungen in Anlehnung an moderne TV-Geräte. Der Kosten/Nutzen-Break-even ist momentan bei Größen bis zu 15 Zoll mit WXGA-Auflösung und Helligkeiten um 1000 cd/m2. Ein weiteres Stichwort sind gebogene Displays, erste Ansätze sind bereits auf dem Markt zu sehen. Hier werden wir in naher Zukunft ebenfalls Lösungen präsentieren.

Welches sind die wichtigsten Diagonalen, und welchen Diagonalenbereich deckt Kyocera derzeit ab?

Unser Display-Portfolio erstreckt sich momentan von 3,5 Zoll mit QVGA-Auflösung bis hin zu 12,1 Zoll mit WXGA-Auflösung. Im Industriebereich sind Größen von 7, 10,4 und 12,1 Zoll als Markttrend erkennbar. Hier setzen wir unsere Schwerpunkte mit zahlreichen Varianten mit und ohne PCAP sowie diversen Helligkeiten und Auflösungen.

Die Integration der Schalter auf den Touch erfordert ein größeres Display, bietet jedoch auch mehr Flexibilität. Im Automotive-Bereich sind Größen zwischen 2,7 und 12,3 Zoll aktuell. Im Zuge der programmierbaren Kombiinstrumente und Multifunktions-Displays werden 10 und 12 Zoll verstärkt nachgefragt. Die Formate sind jedoch hier spezifisch, meist extra wide, damit sie ins Armaturenbrett passen.

Welche LCD-Technologie dominiert, welche führt ein Nischendasein – spielt monochrom überhaupt noch eine Rolle?

Wegen der unterschiedlichen Einbausituationen im Industriebereich setzt sich die IPS-Technologie mit ihren weiten Blickwinkeln mehr und mehr durch, weshalb unsere neuen Displays mit »Advanced Wide View 2«-Technologie gebaut werden. Dies ist eine verbesserte Variante von IPS mit höherer Transmission. Bei gleicher Helligkeit wird dadurch weniger Energie für das Backlight benötigt. Monochrome Displays sind heute noch in höchstauflösenden medizinischen Monitoren gefragt, die wir in Größen von 19 bis 28,5 Zoll extra für diese Nische herstellen. Aber auch hier kommt schon Farbe zum Einsatz - etwa um erkrankte Bereiche deutlich hervorzuheben. LTPS ist optimal für »Head Up«-Displays mit hoher Transmission und hochauflösende Handheld-Anwendungen. TN wird nur noch aus Kostengründen eingesetzt, denn die Performance ist nicht mehr zeitgemäß.

Wie beurteilen Sie die Chancen von OLED in der Industrie? Was sind noch Handicaps?

OLEDs sind eine technisch interessante Alternative. Leider sind die Kosten noch wesentlich höher als die eines vergleichbaren TFT-Moduls. Ein lange haltbares Display, erzeugt auf einem flexiblen Substrat zu vergleichbaren Kosten, hätte bestimmt sehr gute Chancen auf dem Markt.

Wird LVDS als native Schnittstelle in naher Zukunft abgelöst?

LVDS ist im Displaybereich weit verbreitet und wird gerne eingesetzt. Die Entwickler sind damit vertraut, und es gibt genügend Komponenten auf dem Markt. Kurzfristig erwarten wir hier keine gravierenden Änderungen. Deshalb sind wir im Standard-Portfolio noch etwas zurückhaltend. Längerfristig werden höhere Auflösungen höhere Datenraten und damit neue Schnittstellen erfordern. Im kundenspezifischen Bereich offerieren wir bereits diverse Lösungen.