Trends bei Automotive-Displays Groß darf es sein

Die dritte Generation von APIX, APIX3, von Inova zielt darauf ab, die Anforderungen an Infotainment- und Cockpit-Architekturen im Auto zu erfüllen.

Laut dem aktuellen "Automotive Display Market Tracker" von IHS Markit soll der weltweite Absatz von Automobil-Display-Panels 2018 um 11 Prozent auf 164 Millionen Einheiten steigen. Vor allem große Displays stehen weiterhin hoch im Kurs.

Dass große und hochauflösende Displays gefragt sind, bestätigt Prof. Dr. Karlheinz Blankenbach, Vorsitzender des Deutschen Flachdisplay-Forums. Der Trend zu größeren Diagonalen bis hin zu Pillar-to-Pillar-Displays, die das gesamte Armaturenbrett einnehmen, sei ihm zufolge unverkennbar. »Displaydiagonalen von 5“ bis 8“ sind teilweise auch schon aus Fahrzeugen der unteren Mittelklasse verdrängt worden. Ein ähnliches Schicksal können auch die Klimatisierungsanzeigen erleiden.« Monochrome Anzeigen werden ihm zufolge nur noch in Ausnahmefällen eingesetzt.

Dem Experten zufolge weist bei den großformatigen Farbanzeigen das Center-Information-Display (CID, Display in der Mittelkonsole) für Infotainment die höchsten Stückzahlen auf, gefolgt von Instrument-Cluster-Displays und Head-up-Displays, also Anzeigensysteme, die Informationen ins Sichtfeld des Fahrer projizieren. Weil Rücksitzkinos im Fahrzeug immer populärer werden, erkennt Robert Kraus, Mitgründer und Geschäftsführender Gesellschafter von Inova Semiconductors, eine wachsende Nachfrage nach Rear-Seat-Displays für die Fondpassagiere. Auch längliche Displays in den A-Säulen als Spiegelersatz kämen zukünftig vermehrt zum Einsatz. »Erste Studien für das autonom fahrende Fahrzeug zeigen außerdem schon großflächige Displays in den Türen«, so der Experte.

Doch woher kommt die steigende Nachfrage nach großen Automotive-Displays? »Zum Teil sind das sicher die immer größer werdenden Smartphone- und Tablet-Displays, die dazu führen, dass man auch im Fahrzeug ein entsprechendes Display-Erlebnis haben möchte«, erklärt Kraus. »Vor allem aber ist es die Entwicklung hin zum autonomen Fahren, das ein leistungsfähiges Human–Car-Interface (HCI), also eine Mensch-Auto-Schnittstelle, statt einem Human–Maschine-Interface (HMI) erfordert, wo Displays im Verbund mit funktionalem LED-Licht eine zentrale Rolle bei der Visualisierung von Ereignissen – etwa Warnhinweisen – haben werden.«

Welche Rolle große Displays in Autos zukünftig spielen könnten, zeigt ein Prototyp des chinesischen Herstellers Byton, der auf der CES 2018 ein Cockpit-Display von 125 cm × 25 cm (50“) vorgestellt hat. Erste Hersteller denken außerdem über den Einsatz von Displays für das Infotainment mit Größen weit über 20“ nach.

OLED oder Micro-LED im Auto: Was macht Sinn?

Auf die Frage nach weiteren Display-Trends im Automotive-Markt antwortet Kraus knapp: »Immer mehr, immer größer und immer hochauflösender.« Ab 2021/2022 rechnet er mit 4K-Displays im Auto.

Als »die ultimative Lösung« sieht Kraus den Einsatz von Micro-LEDs im Auto. Vorteile der „aktiven Pixel“ wären eine sehr hohe Farb- und Kontrastqualität und Blickwinkelunabhängigkeit. Allerdings stehen dem heute noch technische Hürden, unter anderem im Herstellungsprozess und der Ansteuerung, gegenüber. »Die Frage wird sein, ob sie sich gegen die etablierten und ebenfalls immer besser werdenden LC-Displays kostenmäßig durchsetzen können.«

Dass OLED das LCD in naher Zukunft ersetzen wird, bezweifeln die Experten: »Im Auto sicher nicht«, sagt Kraus. »OLED ist schon (zu) lange eine „Emerging Technology“, kämpft aber nach wie vor mit erheblichen Problemen.« Dazu zählen Schwierigkeiten wie die begrenzte Lebensdauer, hohe Herstellungskosten und Probleme technischer Art, z.B. die Einbrenngefahr. »Gleichzeitig werden LC-Displays technisch immer besser und können durch die hohen Produktionsstückzahlen immer kostengünstiger produziert werden.«

Blankenbach weist auf die hohen Einstiegshürden des Automotive-Display-Markts hin. »Die stetig wachsenden Stückzahlen bei akzeptabler Marge im Vergleich zu CE-Displays ist für eine steigende Anzahl von Produzenten attraktiv. Größere Diagonalen und höhere Auflösungen erfordern eine immer stärker anwachsende Rechenleistung und höchste Datenraten beim Interface.« Kooperationen der Automobilhersteller mit Halbleiter-Konzernen deuten seiner Ansicht nach auf einen Paradigmenwechsel der Systemarchitektur hin: eine „Silver Box“, die mit vielen Grafikausgängen alle Displays in einem Fahrzeug bespielt. Weitere Trends seien „Seamless Integration“ und gekrümmte Displays, »da ja praktisch keine plane Fläche im Innenraum existiert.«