Display-Trends 2018 Gefragt sind größere Automotive-Displays

Prof. Karlheinz Blankenbach, Hochschule Pforzheim: »LVDS scheint noch auf Jahre bei mittleren Auflösungen die industrielle Standardschnittstelle zu bleiben.«

Der Trend zu mehr und größeren Displays im Automotive-Bereich »ist ungebrochen und hat nun auch die untere Mittelklasse erreicht«, sagt Prof. Karlheinz Blankenbach von der Hochschule Pforzheim.

Markt&Technik: Sind bei Automotive im Vergleich mit Displays für Konsum- und Industrie-Anwendungen die Stückzahlen nicht doch recht niedrig, um die Preise deutlich senken zu können?

Prof. Karlheinz Blankenbach: Durch Standardisierung wie etwa auf 12,3 Zoll werden attraktive Stückzahlen erreicht. Mit dem Thema der Standardisierung von Automotive-Displays beschäftigt sich seit geraumer Zeit übrigens auch die Automotive-Plattform des Deutschen Flachdisplay-Forums (DFF). Die Standardisierung hilft zudem, das Obsoleszenz-Risiko zu verringern, und spart einiges an Aufwand in der gesamten Lieferkette.

Konnten Sie in den letzten zwölf Monaten im Display-Segment für industrielle Anwendungen gravierende Änderungen feststellen?

Ja, erfreulich ist, dass kleinformatigere monochrome E-Paper-Displays nunmehr verstärkt angeboten und auch eindesignt werden. Die Vorteile hohe Reflektivität und somit gute Ablesbarkeit bei geringstem Stromverbrauch überwiegen in immer mehr Anwendungen trotz Aufpreis im Vergleich mit Passiv-Matrix-LCDs (PM). Andererseits werden PM-LCDs von den immer preisgünstiger werdenden Aktiv-Matrix-LCDs (TFTs) quasi in die Zange genommen. In Summe sehe ich also PM-LCDs auf dem Rückzug.

Erwarten Sie, dass OLEDs nun auch den Durchbruch im industriellen Umfeld schaffen?

Nach dem Hype und der anschließenden Ernüchterung bei industriellen OLEDs könnte es ab 2018 zu einem Revival von OLEDs für professionelle Anwendungen kommen: Der Fab- und Kapazitäts-Ausbau führt dazu, dass sich einige OLED-Hersteller auf den professionellen Markt ausrichten werden.

Sind Änderungen bei Diagonalen und Auflösungen zu beobachten?

Der Trend zu 16:9 ist nach wie vor ungebrochen. Höhere Auflösungen wie 4K machen vor allem bei E-Signage-Anwendungen mit geringem Betrachtungsabstand Sinn.

Stichwort Interfaces: LVDS ist unverwüstlich, aber eDP ist als native Schnittstelle wohl auf dem Vormarsch…

LVDS scheint in der Tat noch auf Jahre bei mittleren Auflösungen die industrielle Standardschnittstelle zu bleiben. Im höher auflösenden Bereich setzt sich eDP langsam durch, wenn auch viele IPCs nach wie vor auf HDMI setzen. Bei Auflösungen bis QVGA etablieren sich langsam, aber sicher SPI und I2C als serielle Schnittstellen mit im Modul verbautem Displaycontroller mit Video-RAM. Ob man sich auf Panels mit MIPI einlassen sollte, kann nur projektspezifisch beantwortet werden.

Lassen Sie uns einen Blick auf die Fabs und die Hersteller industrieller Displays werfen: Was tut sich denn hier aktuell?

Die enorme Kapazitätserhöhung im Bereich Gen. 8 und 10 bei AMLCDs in China übt verstärkt Druck auf ältere Fabs (Gen. 5 bis 7) aus. Neben Aufrüstung auf OLEDs kommt hier vor allem eine Ausrichtung auf professionelle Produkte in Betracht, die zudem höhere Margen als der Consumer-Bereich versprechen. Mit Tianma, AUO, BOE, Innolux und weiteren Panelherstellern haben sich viele chinesische Firmen dem industriellen Markt zugewandt.