Kostengünstiger fertigen als in China Gedruckte Elektronik für transparente Touch-Sensoren

Waschmaschinen brachten den Durchbruch

Davon konnte PolyIC zunächst im Jahr 2016 den Haushaltsgerätehersteller BSH überzeugen. »Das war für uns das erste große Projekt, das Umsatz generierte, also der eigentliche Markteintritt«, so Wicke. Heute stattet BSH viele der Wachmaschinen bis hin zu den Top-Modellen mit Touchscreens aus, die auf Basis der Folien von PolyIC arbeiten. Pro Jahr liefert das Unternehmen rund 1 Mio. Stück.

In der Zwischenzeit sind viele weitere Hausgeräte hinzugekommen, von denen einige am Stand von PolylC auf der diesjährigen LOPEC in München zu sehen waren. Denn weil PolyIC nun für ein renommiertes Unternehmen in hohen Stückzahlen fertigte und zeigen konnte, dass die Technik zuverlässig in hohen Stückzahlen funktioniert, wurden auch weitere potenzielle Kunden auf dieses Verfahren aufmerksam.

Was Wicke aber besonders freut: PolyIC liefert inzwischen weltweit, auch nach Asien: »Es ist uns sogar gelungen, kostengünstiger in China anbieten zu können als chinesische Unternehmen.« Was eben an dem ausgeklügelten Rolle-zu-Rolle-Fertigungsverfahren liege.

Aufbruch auf den Automobilmarkt

In diesem Jahr nun will PolyIC zudem auf den Automobilmarkt expandieren. Die Touch-Sensoren werden zunächst im Lenkrad eingesetzt, etwa um die Beleuchtung zu regeln, den Tempomat zu bedienen und zur Aktivierung der Sprachsteuerung. Sie werden aber auch zunehmend in der Mittelkonsole eingesetzt, um auch von dort aus Komfortfunktionen regeln zu können.

Dabei arbeitet PolyIC eng mit den jeweiligen Herstellern zusammen, egal ob sie aus dem Bereich Hausgeräte, dem Automobilsektor oder anderen Branchen kommen. Denn die Sensorik und das zugehörige Layout entstehen in enger Kooperation mit den Kunden, jeweils auf die bestimmten Einsatzbedingungen genau zugeschnitten. »Wir entwickeln fast ausschließlich kundenspezifische Produkte«, so Wicke. Die Entwicklung geschieht auf denselben Produktionsmaschinen, die auch Kurz in ihren Werken für die Fertigung in hohen Stückzahlen einsetzt.

Das zeige laut Wicke, dass es sich die Zugehörigkeit zu Kurz als ausgesprochen positiv erwiesen habe: »Wir können wechselseitig sehr viel voneinander lernen; die Erkenntnis aus der Produktion in hohen Stückzahlen lassen wir wieder in unsere Entwicklung einfließen.«

Vor allem passt PolyIC gut in das breit gefächerte Produktspektrum von Kurz; mit 5000 Mitarbeitern entwickelt und produziert das Unternehmen auf Trägerfolien aufgebrachte Dekorations- und Funktionsschichten für so unterschiedliche Produkte wie Autoteile, Handys, Wachmaschinen, Möbel, Textilien und Verpackungen. Deshalb interessiert sich Kurz speziell dafür, digitale Funktionen in all diese Gegenstände zu bringen und die Oberflächen zu funktionalisieren, also für genau das, worauf sich die Tochter PolyIC konzentriert.

Functional Foil-Bonding für die Integration von Touch-Sensoren

Erst kürzlich hatte Leonhard Kurz ein neues Verfahren vorgestellt, um Touch-Sensoren von PolyIC vollmechanisch in Kunststoffteile zu integrieren. Dazu hat die Kurz-Tochter Baier eine neue Maschine entwickelt, auf der eine ebenfalls neue Technik, Functional Foil-Bonding (FFB) zum Einsatz kommt. FFB schließt sich direkt an den Spritzgussprozess an. Damit unterscheidet sie sich von der In-Mold-Labelling-Technik (IML), in der die Integration während des Spitzgusses stattfindet. Im FFB-Prozess wird der Touch-Sensor mit dem Kunststoffteil über Hub- oder Abrollverfahren haftfest verbunden. Dass eine hohe Haftfestigkeit erreicht wird, haben Tests der Automobilhersteller bereits nachgewiesen. Anders als beim Optical-Clear-Adhesive-Verfahren (OCA) verlieren die in der FFB-Technik verarbeiteten Sensoren die Haftung bei Klimawechseln nicht, es bilden sich auch keine Blasen. Weil sich das neue Verfahren automatisieren lässt, eignet es sich für die kostengünstige Serienproduktion.

Und weil sich die transparenten PolyTC-Sensoren direkt auf den Displayfeldern platzieren lassen, können die Bedienelemente mit Single- oder Multi-Touch-Funktion, Schiebe- und Drehreglern und Gestensteuerung direkt auf dem Displaybereich angeordnet werden. Dabei lag die Herausforderung unter anderem darin, die Sensoren auf den Bauteilen präzise und stabil zu fixieren – denn das ist die Voraussetzung dafür, dass sie im Betrieb zuverlässig funktionieren. Anwendung findet FFB beispielsweise, um Zierleisten von Autotüren nicht nur zu dekorieren, sondern auch mit den PolyTC-Sensoren auszustatten, um etwa die Hinterleuchtung und die Lichtfarbe per Touch-Button und Slider zu steuern.