Industrie-Displays E-Paper fasst nur langsam Fuß

Stromsparend und auch bei Sonnenlicht gut ablesbar sind PDIs E-Paper-Displays im Vertrieb von MSC Technologies.
Stromsparend und auch bei Sonnenlicht gut ablesbar sind PDIs E-Paper-Displays im Vertrieb von MSC Technologies.

Während E-Paper-Displays im Consumerumfeld (E-Books) längst etabliert sind, ist die Akzeptanz dieser stromsparenden Display-Technologie im industriellen Umfeld noch gering. Hinderungsgründe sind der hohe Preis, bemängelt wird auch die fehlende Langzeitverfügbarkeit. Bei MSC gibt es nach einer Design-In-Phase von 2 Jahren seit 1 Jahr konkrete Projekte.

»Sobald vom Preis die Rede ist, schlucken die meisten Kunden noch«, lautet die Erfahrung von Torsten Mindach, Line Manager Display Solutions bei MSC Technologies. Momentan muss der Kunde bei einem E-Paper-Display mit 1,4-Zoll-Diagonale für das nackte Panel 5 Euro bezahlen, bei 2 Zoll Diagonale sind es gar 8 Euro. Bei elektronischen Preisschildern – einer momentan typischen Anwendung – »wünschen sich die Kunden aber Preise um 3 Euro«. Dies entspreche in etwa dem augenblicklichen Preisniveau von Segment-Anzeigen. Der hohe Preis im Vergleich mit TFT-Displays »rührt zum nicht geringen Teil von den Stückzahlen her«: Waren es bei E-Paper im vergangenen Jahr weltweit um die 200 Mio. Einheiten, spricht man bei TFT-Anzeigen von einer Größenordnung im Mrd.-Units-Bereich. Eine Annäherung der Preise dieser beiden Anzeigentypen erwarten Branchenexperten frühestens 2016/2017 - sofern die Stückzahlen bei E-Paper die 1-Mrd.-Grenze überschreiten.

MSC Technologies offeriert derzeit sieben Modelle von Pervasive Displays (PDI) mit Diagonalen von 1,4 bis 10,2 Zoll, die jährlichen Stückzahlen belaufen sich auf einige Tausend E-Paper-Anzeigen. Ein Abnehmer ist in der Gebäudeautomatisierung tätig, der zweite verwendet 2 Zoll große Displays für medizinische Geräte, »weitere Kunden werden dank einiger technologischer Neuerungen schon bald folgen«, ist Mindach überzeugt. So dauerte bei E-Paper-Anzeigen der Seitenaufbau mit einer Zeitdauer von 1 Sekunde bislang technologisch bedingt relativ lange. Mit einem neuartigen Controller von Epson, der das sequentielle Updaten der Seite erlaubt, nimmt der Seitenaufbau hingegen nur mehr 200 Millisekunden, also ein Fünftel der bisherigen Zeit, in Anspruch. Ab dem zweiten Quartal dieses Jahres soll zudem eine neue E-Ink-Folie zum Einsatz kommmen,die einen höheren Kontrast bei deutlich helleren Hintergrund (Paperwhite) ermöglicht.

Schon jetzt bieten die E-Paper-Module von PDI einige interessante zusätzliche Features wie zusätzliche Flächenfarben- und Monocolor-Optionen, durch die wichtige Informationen deutlich sichtbar hervorgehoben werden können. Die Farbflächen können nach Bedarf ein- und ausgeschaltet werden. Typische Einsatzgebiete sind unter anderem Kommissionierungssysteme – hier können Teile, Artikelnummern oder Sonderanweisungen dank der Verwendung von Farbe schneller erkannt werden - Kanban-Karten, automatische Fördersysteme oder auch der Einzelhandel, wo sich Sonderangebote, Werbeaktionen und Marken durch Farbe deutlich besser von anderen Ausschilderungen unterscheiden lassen. Und einen weiteren wichtigen Vorteil gegenüber TFT-Displays führt Mindach noch ins Feld: »E-Paper-Anzeigen sind mit Scanner lesbar.« Das kommt etwa bei Preisschildern zum Tragen, wenn Barcode eingescannt werden soll.