Konsolidierung dauert an Displays: Hitachi, Sony und Toshiba peilen Mega-Merger zum April 2012 an

Martin Bischoff, Hitachi: »Hitachi, Sony und Toshiba wollen ihre Kapazitäten und Technologien für Displays im kleinen und mittleren Größensegment bündeln.«
Martin Bischoff, Hitachi: »Hitachi, Sony und Toshiba wollen ihre Kapazitäten und Technologien für Displays im kleinen und mittleren Größensegment bündeln.«

Die Konzentration im Markt der Displayhersteller setzt sich fort: Hitachi, Sony und Toshiba planen, ihre Aktivitäten bis zum April 2012 in einem Gemeinschaftsunternehmen namens Japan Display Ltd. zusammenzulegen. Diese drei Hersteller, so bestätigt Hitachi-Manager Martin Bischoff, »wollen ihre Kapazitäten und Technologien für Displays im kleinen und mittleren Größensegment bündeln«.

Gemäß einer unterzeichneten Absichtserklärung soll die Zusammenführung im neuen Verbund bis zum Abschluss des Geschäftsjahrs, also dem 1. April 2012, über die Bühne gegangen sein. »In Europa laufen unsere Aktivitäten derzeit aber weiter wie bisher«, betont Bischoff, Technischer Manager bei der Hitachi Display Products Group. Ob sich Veränderungen aus dem Merger ergeben und welche das sein könnten, sei »nicht geklärt, uns sind auch weiter keine offiziellen offiziellen Details über Hintergründe und Absichten bekannt - dies wird sich laut Plan zum 1. April zeigen«.

Selbst wenn Merger in puncto Umsatz in der Regel nicht den addierten Umsatz der vormaligen Einzelunternehmen erreichen, wird Japan Display künftig im Konzert der Großen laut Display-Experte Karlheinz Blankenbach, Professor an der Hochschule Pforzheim und Vorsitzender des DFF, »ganz oben mitspielen«. Bei LTPS-TFT übertreffen die kombinierten Umsätze von 32 Prozent im 1. Halbjahr 2011 die von Marktführer Sharp (30 %) knapp, bei Small-Medium-TFT zieht man mit insgesamt 14 Prozent gleich mit SMD (Samsung Mobile Display) und nimmt so Rang 2 hinter CMI ein.

Kampf um die Vormacht auf dem Display-Markt

Durch den Zusammenschluss - so er denn wirklich wie geplant und vorbehaltlich der Zustimmung der Kartellbehörden stattfindet- »würde im Kampf um die Vormacht auf dem Display-Markt eine neue Runde eingeläutet, denn immerhin wäre die Japan Display Ltd. vermutlich der größte Display-Hersteller Welt«, sagt xx . Allerdings stelle man sich Frage, ob sich das neue Unternehmen wie angekündigt »tatsächlich nur noch« auf den Consumer-, den Mobile- und eventuell noch den Automotive-Markt konzentrieren wolle. Nach heutigem Stand der Dinge gehe man bei MSC-Gleichmann nicht davon aus, dass sich das neue Unternehmen vollends aus dem Industriemarkt zurückziehen werde. Im Gegenteil: »Eigentlich erwarten wir von der Elefantenhochzeit eher eine Vielzahl neuer, interessanter und wettbewerbsfähigerer Produkte«. Veränderungen brächten immer Vor- und Nachteile, aber wenn dieser Mega-Merger ähnlich konsequent wie der Zusammenschluss von Hitachi und Mitsubishi oder zuletzt NEC und Renesas ablaufen sollte, dürften auch in diesem Fall »letztlich die Vorteile überwiegen«. Ein wichtiger Anlass für den Merger sei die Bündelung der vorhandenen Ressourcen: »Wer mit einem stattlich subventionierten Großunternehmen wie Samsung langfristig mithalten will, kommt daran letztlich auch gar nicht vorbei.«

Dieser neuen Fusion gingen in der jüngeren Vergangenheit weitere voraus: So schluckte Sony Epsons Display-Business zum großen Teil. Und als Renesas Technology und NEC Electronics ihre Halbleiteraktivitäten zu Renesas Electronics verschmolzen, hat NEC Corporation den Display-Bereich (NEC LCD Technologies) an den chinesischen Investor AVIC verkauft. AVIC wiederum hat aus seiner LCD-Tochter Tianma und NECs Display-Sparte das gemeinsame Unternehmen NLT Technologies gegründet. NLT seinerseits nutzt laut Frank Jammers, Senior Engineer LCD Marketing bei Renesas Electronics, den »historisch gewachsenen Vertriebskanal und vertreibt die Display-Module über uns«. Weil der Fokus von Japan Display auf der Produktion und Vermarktung von Anzeigen für Smartphones und Tablet-PCs liege, NLT hingegen sich auf den industriellen Sektor sowie die Herstellung von hochwertigen und hochauflösenden Displays für die Medizintechnik konzentriert, »erwarten wir keine nennenswerte Neuordnung unseres Marktsegments durch den angepeilten Merger«. NLT als Rechtsnachfolger von NEC LCD Technologies werde alle bestehenden Produkte, Dokumente, Verträge und Geschäftsbeziehungen »unverändert« weiterführen.

Für Manuel Krause, Product Manager LCD bei Glyn, hingegen »stellt sich die Frage, was für Konsequenzen sich aus dem Tianma-NEC-Merger für die bisherigen Distributoren der beiden Hersteller ergeben«. Werden alle Produkte überleben oder wird gar das Produkt-Portfolio erweitert, so das alle alles vertreiben dürfen? »Das ist noch unklar.« Anfang kommenden Jahres erwarte man aber neue Produkte, die aus dem Zusammenschluss der beiden Firmen resultieren. Was den Merger zwischen Hitachi, Sony und TMD betreffe, so habe man kürzlich mit dem European Manager von Hitachi in England gesprochen, doch »selbst den Mitarbeitern von Hitachi sind derzeit noch keine weiteren Details bekannt«.