Trends bei professionellen Displays »Die Zukunft liegt in USB-C«

Robbi Teichfischer, Field Product Manager Displays & Client Peripherals Dell Technologies | Client Solutions Germany: »Der Einsatz von USB-C-Dockingstationen kann zu Herausforderungen führen.«
Robbi Teichfischer, Field Product Manager Displays & Client Peripherals Dell Technologies | Client Solutions Germany: »Der Einsatz von USB-C-Dockingstationen kann zu Herausforderungen führen.«

Bei Business-Monitoren ist nicht nur eine hohe Auflösung entscheidend, auch die problemlose Integration in vorhandene Arbeitsplatzkonzepte muss gewährleistet sein. Robbi Teichfischer, Field Product Manager Displays and Client Peripherals bei Dell, spricht über Displays im professionellen Umfeld.

Markt&Technik: Wie setzt sich das Displayportfolio von Dell derzeit zusammen und welche Produkte an professionellen Displays gehen aktuell durch die Decke?
Robbi Teichfischer: Im Geschäftsumfeld sind nach wie vor unsere Curved-Modelle besonders beliebt. Das Business-Portfolio enthält darüber hinaus auch Modelle vom klassischen Büromonitor bis hin zu Spezialmonitoren wie dem 8K-Display; ein umfangreiches Angebot für Consumer und Gamer ergänzt das Sortiment.
Auf der CES 2019 hat Dell einen gewölbten Dual-QHD-Monitor vorgestellt. Inwiefern spielen Curved-Displays im professionellen Bereich überhaupt eine Rolle?
Kunden verwenden immer häufiger zwei 27-Zoll-QHD-Displays am Arbeitsplatz. Unser neuer Monitor U4919DW, den wir auf der CES präsentiert haben, vereint diese Displays in einem gewölbten Panel – so verringert sich die Anzahl der Kabel und die der zu verwaltenden Geräte. Die physische Größe und die Pixelzahl bleiben dabei gleich und durch die Wölbung werden, wie bei allen Curved-Displays, unnötige Kopfbewegungen vermieden. Mit der USB-C-Schnittstelle lassen sich 90-W-Ladeleistung, Daten und Videosignale übertragen. Zwar wurde der U4919DW ursprünglich für die Finanzbranche entwickelt, mittlerweile besteht aber eine große Nachfrage über alle Kundensegmente hinweg.

Welche Trends beobachten Sie noch bei den professionellen Displays?
Erwähnenswert sind auf jeden Fall die relativ neuen USB-C-Monitore. Das USB-C-Kabel überträgt gleichzeitig Videodaten vom PC auf den Monitor und Ladeleistung sowie USB-Daten vom Monitor auf den PC. Die kommerziellen Displays (Professional- und UltraSharp-Serie) bei Dell geben beispielsweise mindestens 65 Watt Ladeleistung an den angeschlossenen Client weiter. Außerdem haben wir auch darauf geachtet, dass Kunden die Möglichkeit haben, durch eine Daisy-Chain – Anschluss eines Monitors an einen weiteren Monitor – Dual-Monitor-Setups zu realisieren und trotzdem nur ein Kabel in den Client einstecken zu müssen. 

Ein Dauerbrenner bei professionellen Monitoren ist nach wie vor der Formfaktor. Was macht Dell, um die Geräte bei zunehmender Zollgröße und Auflösung platzsparend zu gestalten?
Vielen Kunden steht immer weniger Platz für ihre Mitarbeiter zur Verfügung, gleichzeitig brauchen sie für die maximale Produktivität größere, hochauflösende Monitore. Am U2719DC lässt sich demonstrieren, wie Dell die Anforderungen umsetzt: An der dünnsten Stelle hat das Panel eine Tiefe von 6,5 Millimetern. Der Standfuß ist im Vergleich zum Vorgängermodell 29 Prozent kleiner. Durch seinen ultraschmalen InfinityEdge-Rahmen eignet sich das Modell zudem für ein Multi-Monitor-Setup. Die Verbindung zum Notebook kann über den USB-C-Anschluss erfolgen und so Kabel sparen.

Worin sehen Sie momentan die Hauptschwierigkeiten für 4K-Auflösung im professionellen Umfeld?
Man sollte sowohl die Hard- als auch die Software im Blick haben. So kann zum Beispiel der Einsatz von USB-C-Dockingstationen zu Herausforderungen führen, denn die meisten der heutigen Systeme verwenden den DP-1.2-Standard. Von der möglichen Gesamtbandbreite steht bei der Verwendung von USB-C-Docks allerdings nur die Hälfte zur Verfügung, da effektiv nur zwei von vier Datenleitungen für die Bildübertragung bereitgestellt werden. 4K-Displays können dadurch mit maximal 30 Hz dargestellt werden. Für die Darstellung mit 60 Hz müsste man derzeit noch auf das Thunderbolt-Protokoll zurückgreifen, sowohl im Client als auch in der Dockingstation. Mit zunehmender Verbreitung von DP 1.4 in den Systemen wird diese Einschränkung aber immer weniger relevant – vorausgesetzt, die Dockingstation unterstützt DP 1.4. 
Auch Software kann zu Darstellungsproblemen führen. Unterstützt eine Anwendung die Skalierung zum Beispiel nicht, kann es passieren, dass Symbole nur sehr klein dargestellt werden. 

In welchen Anwendungen ergeben 8K-Displays Sinn?
Unser Modell UP3218K ist für Anwender konzipiert, die höchste Anforderungen an die Farbdarstellung haben beziehungsweise auf die Wiedergabe feinster Details angewiesen sind – beispielsweise bei der Bild- und Videoverarbeitung, der Postproduktion oder im Produktdesign. Durch PremierColor erreicht Dell bei diesem Modell eine Farbraumabdeckung von 100 % Adobe RGB, 100 % sRGB, 100 % Rec. 709 und 98 % DCI-P3. 

Zum Thema Touch: Was ist der Unterschied zwischen der PCAP- und der InGlass-Technologie und wo sehen Sie ihre jeweiligen Vor- und Nachteile?
Sowohl die PCAP- als auch die InGlass-Technologie ist derzeit am Markt zu finden, wobei projiziert-kapazitive Touchscreens (PCAP) hauptsächlich für Smart­phones oder Tablets verwendet werden. Bei PCAP-Displays erkennt ein leitendes Metallgeflecht auf der Rückseite des Bildschirmglases anhand veränderter elektrischer Kapazitäten die Berührungen. Die Eingabe erfolgt mit dem bloßen Finger oder leitfähigen Stiften. Intelligente Funktionen optimieren die Stifte dabei kontinuierlich und ermöglichen so beispielsweise verschiedene Druckstufen bei der Eingabe. Die empfindliche Elektronik der Stifte neigt jedoch zu Defekten. Zudem glänzen PCAP-Displays meist, um das Metallgeflecht zu kaschieren. Insbesondere in lichtdurchfluteten Räumen lenken die starken Spiegelungen schnell von der Arbeit ab und mindern gleichzeitig die Bildqualität. 

Bei der InGlass-Technologie werden hingegen Lichtwellen eingespeist, die innerhalb des Glases reflektiert und von Sensoren erkannt werden. Ändern sich die Reflexionen, erkennen das die Sensoren und errechnen den genauen Berührungspunkt. Das Eingabewerkzeug spielt dabei keine Rolle. Zudem sind Multi-Touch-Eingaben und Stift-Finger-Unterscheidung möglich. Da InGlass-Monitore mit Licht statt mit einem Metallgeflecht arbeiten, sind größere Panels besser skalierbar und zudem deutlich günstiger als PCAP. Durch Beschichtungen wird das Display entspiegelt und fettabweisend.

Könnte die InGlass-Technologie die beliebte PCAP-Technologie ablösen?
In Bezug auf Konferenzraumdisplays definitiv. Die InGlass-Technologie entwickelt sich stetig weiter und wird in Zukunft weitere Vorteile bieten.