Kommentar von Jörg Mayer, Spectaris »Die Photonik-Industrie profitiert von der Digitalisierung«

Jörg Mayer, Spectaris: »Vor dem Hintergrund der hohen Bedeutung des internationalen Geschäfts blickt die Photonik-Branche besorgt auf den zunehmenden Trend hin zum Protektionismus.«

Die deutsche Photonik-Branche blickt zuversichtlich in das Jahr 2019. Kein Wunder, denn lichtbasierte Technologien bilden die Grundlage für immer mehr Entwicklungen des modernen Lebens. Und doch: Der Industrieverband Spectaris sieht vor allem das Auslandsgeschäft einigen Unwägbarkeiten ausgesetzt.

Von Jörg Mayer, Geschäftsführer des Industrieverbandes Spectaris

»Im Jahr 2018 erwirtschafteten die etwa 1000 Branchenbetriebe der deutschen Photonik-Industrie mit ihren mehr als 135.000 Menschen einen Umsatz von rund 37 Milliarden Euro. Sowohl der Umsatz als auch die Mitarbeiterzahl konnten dabei im Jahresvergleich kräftig zulegen. Die Wachstumsraten lagen im mittleren einstelligen Bereich. Für 2019 rechnet der Verband erneut mit einer positiven Geschäftsentwicklung, auch wenn erste Anzeichen darauf hindeuten, dass sich die Wachstumsdynamik aufgrund einer Eintrübung des konjunkturellen Umfelds etwas abschwächen könnte.

Motor für die gute Entwicklung der Branche…

...ist das Auslandsgeschäft. Dort werden über 70 Prozent des Umsatzes erzielt. Rund 45 Prozent der Exporte gehen dabei in die Länder der Europäischen Union, ein Viertel nach Asien und etwa 15 Prozent nach Nordamerika. Vor dem Hintergrund der hohen Bedeutung des internationalen Geschäfts blickt die Branche daher besorgt auf den zunehmenden Trend hin zum Protektionismus.

Die Photonik umfasst die Erzeugung, Übertragung, Speicherung und Verarbeitung von Licht. Photonik findet man in allen wichtigen Bereichen der modernen Gesellschaft und Wirtschaft – vom Smartphone, Auto oder Flugzeug über die Internet-Datenübertragung bis hin zur Laserdiagnostik und -therapie in der Medizin, der industriellen Produktion mit Lasersystemen oder der energieeffizienten Beleuchtung mit LEDs.

Die deutschen Photonik-Hersteller sind zurzeit besonders erfolgreich…

...in der Produktionsausrüstung für die Herstellung von LEDs, Displays und Halbleitern. TV, Tablets oder Smart­phones wären ohne die Photonik nicht möglich. Und für die Branche gibt es große Zukunftsmärkte. Zu nennen sind hier die Themen Industrie 4.0 sowie Smart Factories, wo sehr viel optische Sensorik, Bilderfassung und -verarbeitung benötigt wird. Auch die Automobilbranche wird mit Blick auf das autonome oder teilautonome Fahren eine große Rolle für die Photonik-Industrie spielen. Die optische Messtechnik zur Datengewinnung spielt dabei eine Schlüsselrolle und eröffnet neue Horizonte. Denn bevor aus den digitalen Nullen und Einsen neue Erkenntnisse und Steuerungssignale gewonnen werden können, bedarf es zunächst Sensoren, die innerhalb kurzer Zeit die Daten aus ihrer Umgebung aufnehmen. Nur mithilfe leistungsfähiger Sensoren kann die physische mit der digitalen Welt verknüpft werden.

Damit die Branche sich weiterhin positiv entwickeln kann,…

...müssen aber die politischen Rahmenbedingungen stimmen. Deutlichen Verbesserungsbedarf sieht der Verband dabei insbesondere bei der Digitalisierung, bei der Qualifizierung von Nachwuchskräften sowie beim Engagement für Freihandel und gegen Protektionismus.«