LEDs als Leuchtmittel Die LED-Industrie muss noch etliche Hürden nehmen

Die Leuchtdiode ist als Leuchtmittel in der Lichttechnik angekommen. Sie ist aber weiterhin ein Newcomer, dem nicht nur die langjährige Erfahrung fehlt, sondern der auch keinesfalls schnell mal eben alle herkömmlichen Leuchtmittel verdrängen kann.

Das war die Quintessenz einer Experten-Gesprächsrunde, zu der die Fachzeitschrift Markt&Technik im Juni geladen hatte.

Als die Leuchtdiode (LED) gegen Ende des vergangenen Jahrhunderts antrat, den Glühlampenherstellern das Fürchten zu lehren, propagierten die LED-Hersteller nur eines: Lichtausbeute. Und sie lieferten sich ein wahres »Lumenrennen«, das bis vor einigen Jahren andauerte. Inzwischen aber konstatiert Alexander Müller, Gebietsverkaufsleiter von Future Lighting Solutions: »Das Lumenrennen ist vorbei.«

Sind infolgedessen alle Lichtkunden wunschlos glücklich mit dem, was die LED-Hersteller an modernen Produkten zu bieten haben? »Inzwischen ist Qualität ist gefragt«, bringt Müller es auf den Punkt. »In der Lichttechnik spielen Parameter wie Farbwiedergabeindex und R9-Anteil eine immer größere Rolle.«

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Experten aus der Beleuchtungstechnikbranche kommen zu Wort

LED-Forum

Als langjährige Vertretung des High-Brightness-LED-Pionier Philips Lumileds hat das Future-Team sowohl das Lumenrennen als auch die Trendwende der letzten Jahre aus nächster Nähe mitgemacht. Die 1-W-Luxeon von Philips Lumileds setzte 1999 mit einem Lichtstrom von 25 lm den ersten Standard für eine »echte« HB-LED. Lange Zeit war zum Beispiel der Betriebsstrom von 350 mA der Standardwert, nach dem sich alle Mitbewerber richteten und mit dem sie immer höhere Lichtströme aus dem Chip »kitzelten«.

Als der japanische Elektronik-Gigant Sharp sich entschied, Weißlicht-LEDs zu bauen, neigte sich das Lumenrennen bereits dem Ende zu. Sharp-Manager Staffan Kordina schließt sich der Feststellung von Alexander Müller an: »Die Lichtausbeute kann und wird sich immer noch verbessern. 100, 120 oder auch 150 lm/W sind ohne Weiteres erreichbar. Aber die Kunden fragen nicht mehr primär danach. Auf der diesjährigen Light+Building war die Lichtausbeute kaum noch ein Thema. Die Interessenten erkundigen sich hauptsächlich nach der Lichtqualität, vor allem nach dem Farbwiedergabeindex.«
Die LED-Hersteller sind inzwischen auf solche Fragen gut vorbereitet. Sie haben kräftig dazugelernt, unter anderem indem sie sich der ANSI-Standardisierung der Farbortklassen anschlossen und ihre Binnings danach ausrichteten. Und sie beantworten nicht nur die Frage nach dem Farbort, sondern auch die nach der Farbwiedergabe wie aus der Pistole geschossen: Wer will, kann sich einen CRI von 80, 85, 90 oder noch mehr aussuchen.

So gesehen, bleiben kaum noch Wünsche offen. Bei genauerem Hinsehen wird aber schnell deutlich, dass noch etwas Wichtiges fehlt: »Beleuchtung zeichnet sich seit vielen Jahrzehnten dadurch aus, dass alle Lampen standardisiert sind«, konstatiert Franz Bernitz, Direktor Standardisierung bei Osram. »Erst die Standardisierung der Schraubfassung durch Edison machte die Glühlampe überhaupt erfolgreich. Das Gleiche gilt für alle anderen Industrieschnittstellen. Jeder Anwender weiß, dass es für eine defekte Glühlampe passenden Ersatz im Baumarkt oder in der Tankstelle gibt. Sie passt immer, egal von welchem Hersteller die Lampe kommt. Und jetzt kommt die LED. Sie hat kein Schraubgewinde und wird auch keins bekommen. Sie kommt vielmehr auf eine Platine und braucht einen Treiber.«