Exklusiv-Interview mit Data Modul »Der Mitbewerb aus Asien ist für uns Motivation pur« 

Dr. Florian Pesahl, Data Modul, im Gespräch mit Anja Zierler, Markt&Technik
Dr. Florian Pesahl, Data Modul, im Gespräch mit Anja Zierler, Markt&Technik

Dass »Made in Germany« im Bereich Displays nach wie vor seine Berechtigung hat, zeigt sich am Erfolg von Data Modul. Warum eine globale Aufstellung für das Unternehmen trotzdem von großer Bedeutung ist, erläutert Dr. Florian Pesahl, CEO von Data Modul, im Interview. 

Markt&Technik: Herr Dr. Pesahl, was hat sich in den letzten zwölf Monaten bei Data Modul im Display-Segment getan? 

Dr. Florian Pesahl: Wir hatten zunächst einmal ein sehr gutes Geschäftsjahr 2018. Das lag vor allem daran, dass wir die Strategie und die damit verbundenen Maßnahmen konsequent in die Tat umgesetzt haben. Dadurch konnten viele Projekte, an denen wir über die Jahre gearbeitet haben, in die Serienfertigung übergehen. 

Sie sprechen von Ihrem Strategieprogramm „Shape 2020“? 

Ja, die Ziele, die wir uns für Shape 2020 vorgenommen haben, konnten wir tatsächlich schon letztes Jahr erreichen. Daraufhin haben wir uns im Sommer 2018 im Zuge von Strategie-Meetings Gedanken zu den nächsten fünf Jahren gemacht. Ergebnis der Gespräche war das Folgeprogramm „Touch Tomorrow 2023“. 

Was ist Inhalt der Strategie? 

Erklärtes Ziel unsererseits ist es natürlich, weiterhin einer der weltweit führenden Anbieter von Visual Solutions zu sein. Wir wollen unsere globale Aufstellung nochmal deutlich verstärken und setzen weiterhin auf Internationalisierung sowie auf „local for local“. 

Sie planen also zu expandieren? 

Unser Hauptproduktionsstandort in Weikersheim ist mittlerweile an seine Kapazitätsgrenzen gelangt – teilweise fahren wir den Standort im Dreischichtbetrieb. Das hat uns dazu veranlasst, über eine Kapazitätserweiterung nachzudenken. Im ersten Schritt werden wir ab dem zweiten Quartal 2019 in Lublin in Polen aktiv werden. Der zweite Schritt besteht im Aufbau eines Produktionsstandorts in China und schließlich dem Ausbau unserer Fertigung in den USA. 

Wie kam es zu der Entscheidung für die neuen Standorte? 

Im Vordergrund steht natürlich, wie gesagt, der Kapazitätsausbau. Generell ist der deutsche Markt immer noch unser Hauptumsatzbringer, und der neue Standort in Polen wird deshalb vor allem den europäischen Markt bedienen. Außerdem sind wir dadurch nicht mehr von nur einem Produktionsstandort abhängig, wodurch sich das Risiko im Falle eines Ausfalls in einem der Werke minimieren lässt. Für die Region Lublin spricht, dass dort aktuell eine Arbeitslosenquote von etwa 8 Prozent vorliegt. Das heißt, es ist dort relativ einfach, hochqualifizierte Arbeitskräfte zu finden. Auch ist der polnische Arbeitsmarkt im Vergleich zum deutschen flexibler, wodurch wir im Hinblick auf Zweischicht- und Dreischichtbetriebe in Polen Kosten sparen. Dass wir in Lublin als „First Mover“ auftreten, bringt uns zusätzlich einen Wettbewerbsvorteil. 

Wie sieht es mit den USA und China aus? Sehen Sie hier regional betrachtet das größte Wachstumspotenzial für Data Modul? 

In den letzten vier Jahren sind wir im Auslandsgeschäft insgesamt mit über 80 Prozent gewachsen und wir generieren mittlerweile 50 Prozent unseres Umsatzes aus dem Export. Entsprechend sind wir in den letzten Jahren auch in China und den USA sehr aktiv und erfolgreich gewesen. Aus unserer Sicht bestehen hier weiterhin die größten Wachstumschancen. Die USA sehen wir vor allem als Exportmarkt an. Es ist immer noch die größte Volkswirtschaft der Welt, und viele unserer Kunden haben dort Fabriken. Wie in China und Europa wollen wir deshalb auch dort ein globaler Partner für unsere Kunden sein.