3D-Displays Der Industriemarkt ist noch nicht in der »3. Dimension« angekommen

Die Parallaxenbarrieren-Technologie von Sharp erzeugt 3D-Bilder ohne Shutter-Brille und eignet sich für kleinformatige Displays.

Die 3D-Technik hält mit Hilfe von Shutter-Brillen jetzt Einzug in die TV-Geräte. Der Industriemarkt ist allerdings noch weit entfernt von der dritten Dimension. Denn Industrie-Panels, die den »Tiefenrausch« ohne Shutter-Brille visualisieren können, beschränken sich derzeit nur auf einzelne Prototypen. Und so lange die Early Adopter im Industriebereich fehlen, wird das auch so bleiben.

Marktschätzungen zufolge soll der Gesamtmarkt für 3D-fähige Geräte innerhalb von nur drei bis vier Jahren von heute quasi null auf 40 Mio. Stück pro Jahr wachsen. Aber im Industriebereich ist die 3D-Technik zumindest derzeit noch kein Thema, sagen die von Markt&Technik befragten Hersteller und Distributoren.

»Ich sehe derzeit noch keine greifbare Applikation für 3D-Displays im Industriemarkt«, stellt Frank Jammers fest, Senior Engineer (NEC) LCD Marketing & Business Operations bei Renesas Electronics Europe. Zwar liegen die Prototypen laut Jammers sozusagen serienreif in der Schublade, aber das Interesse der Industriekunden war bislang nicht gegeben. Das könnte sich allerdings bald ändern, denn alle großen TV-Hersteller haben für 2010 die ersten 3D-Fernseher angekündigt - Sony und Samsung haben ihre ersten 3D-Geräte seit kurzem bereits auf dem Markt. Kommen die 3D-Fernseher bei den Verbrauchern gut an, ist es erfahrungsgemäß nur noch eine Frage der Zeit, bis sich auch der Industriemarkt mit der dritten Dimension auseinandersetzt. »Generell setzen neue Technologien reichlich Phantasien und Erwartungen bezüglich möglicher Anwendungen frei. Letztendlich entscheidet aber die Praxis darüber, in welchen Anwendungen und Segmenten sich neue Technologien als marktfähige Produkte auf breiter Basis durchsetzen«, erklärt Hajo Koglin, Projekt-Manager LCD-TV-Komponenten, Sharp Microelectronics Europe.

Wie schnell der Industriemarkt Technik-Trends aus dem Consumer-Bereich adaptieren kann, hat die Multi-Touch-Technik des iPhones gezeigt. Bevor die Consumer-Welle aber im Fall »3D« auf den Industriemarkt überschwappt, ist noch eine entscheidende technische Hürde zu nehmen. Stand der 3D-Technik und Basis für die 3D-Fernseher ist die zeitsequenzielle Darstellung, für die eine Shutter-Brille erforderlich ist. Dabei werden Stereobilder nacheinander auf dem Display angezeigt. Die Trennung der Bilder für die beiden Augen erfolgt durch die synchron gesteuerte Shutter-Brille, die die Augen wechselseitig abdeckt, so dass das linke Auge nur das linke Bild sieht und das rechte nur das rechte. Vorteile sind die Darstellung der Bilder in hoher Auflösung und die winkelunabhängige Betrachtung. Schwierig ist es hingegen, damit schnellere Bewegungen darzustellen, weil sich nur die Hälfte der sonst üblichen Vollbilder anzeigen lässt. Deshalb kommt man um das Tragen der Shutter-Brille nicht herum. »Bei Displays für den Industriebereich ist aber die auf Shutter-Brillen basierende Technik in weiten Teilen nicht praktikabel und/oder bietet keinen Mehrwert im Vergleich zur bestehenden zweidimensionalen Darstellung. Schließlich können Sie bei e-Signage-Anwendungen nicht jedem Passanten eine Brille verpassen, der gerade an einem 3D-Signage-Display vorbeikommt«, gibt Mario Klein, Manager Business Segment Industrie Komponenten, Sharp Microelectronics Europe, zu bedenken.