„Schwarze Löcher“ bei Displays Den Mura-Effekt verstehen

Fehlfarbendarstellung einer Intensitätsverteilung. Das sollte eigentlich eine homogene, nicht strukturierte einfarbige Fläche sein. Das organisch verteilte Muster ist genau das, was unter Mura japanisch für „Unregelmässigkeiten“ oder „Unebenheiten“ beschrieben wird. Je mehr Muster, umso schlimmer der Effekt.

Schlieren oder Flecken auf dem Bildschirm sind nicht nur unschön, sondern können auch Anzeichen von sogenannten Mura-Effekten sein. Nur die wenigsten Beteiligten setzen sich aber mit ihren Ursachen auseinander. Denn um Mura-Probleme abzustellen, ist mehr nötig, als nur Bauteile auszutauschen.

Mura stammt aus dem Japanischen und bedeutet eigentlich so viel wie „Unebenheiten“. In der Technik steht Mura als großer, übergeordneter Begriff für alle Gründe, die die Unregelmäßigkeiten, Wolken und Gradienten in eigentlich gleichmäßig und homogen darzustellenden (Bild-)Flächen verursachen. Eine typische Voraussetzung für solche Unregelmäßigkeiten ist beispielsweise die Unfähigkeit, Prozesse reibungslos zu gestalten beziehungsweise alle Prozessschritte und beteiligten Abteilungen und Partner zu sensibilisieren und auch zu synchronisieren. Fakt ist ebenfalls, dass Mura oft genug auch als Phrase herhalten muss, bei der die jeweils individuellen Vorstellungen mit einem vermeintlich passenden Fachbegriff zusammengefasst werden, ohne genau zu wissen, um was es wirklich geht oder was es im Detail bedeutet. Zudem gibt es tatsächlich auch triftige technische Gründe, die sich prinzipbedingt nicht einfach per Definition oder Vorgabe vermeiden lassen.

Auch in der Displaytechnologie gibt es Mura. Sie treten vielfach auf, in vielerlei Gestalt und Ausdruck sowie aus den unterschiedlichsten Gründen und Ursachen. Das heißt, Mura ist in der Display-Sprache per Saldo sehr oft zunächst ein Sammeltopf aller Fehler des angezeigten Bildes. Im Falle von Black Mura zum Beispiel verstehen darunter die meisten Begriffsnutzer helle Schlieren, Flecken, Streifen, Schattierungen und Gradienten im schwarz angesteuerten Bildschirmbereich, der eigentlich homogen und artefaktfrei schwarz sein sollte. Es mangelt vielerorts jedoch an der Bereitschaft, auftretendes Mura genauer zu untersuchen, da das häufigere, simple Trial and Error vermeintlich einfacher, schneller und gefühlt auch günstiger ist. Tatsächlich ist ohne eingehende Analyse keine wirklich dauerhafte Verbesserung – samt am Ende günstigeren Systemkosten – zu erzielen. So werden beispielsweise Komponenten und Baugruppen beim Trial and Error ersetzt und auch mehrfach ausgetauscht. Unter Umständen werden sie dabei sogar unbrauchbar, ohne dass sie an der eigentlichen Fehlerursache beteiligt sind.
 

Messen statt raten

Es könnte so leicht sein. Ist es aber nicht. Dabei haben deutschen Automobilhersteller in Kooperation mit dem Deutschen Flachdisplayforum (DFF) als ersten Schritt sogar eine standardisierte Messmethode zur Bewertung der Gleichförmigkeit von Displays entwickelt: die Black-Mura-Auswertung. Dabei wird eine Leuchtdichtemesskamera auf die Bildmitte ausgerichtet, um so die mittlere Leuchtdichte, die Leuchtdichtegleichförmigkeit und eben Black-Mura-Effekte von kleinen und mittleren hochauflösenden Flachbildschirmen genau zu bestimmen. Mit diesen Erkenntnissen lässt sich in den nächsten Schritten den eigentlichen Ursachen auf den Grund gehen.

Die Methodik versteht sich als eine Empfehlung. Ihr großer Vorteil ist, dass man mit ihrer Anwendung versteht, was gemacht werden muss, um einheitliche und vergleichbare Ergebnisse zu erhalten. Frei formuliert: Sie ist ein Nachschlagewerk. Wird etwas auf bestimmte Art unter entsprechender Anweisung gemacht, dann ist auch am Ende immer dasselbe gemeint und die Ergebnisse sind damit vergleich- und kommunizierbar. Ein gut gemeinter Ansatz, der zwar immer öfter genutzt wird, sich aber noch bei Weitem nicht als Standardvorgehen etabliert hat. Wenn er zur Anwendung kommt, dann wird er leider häufig auch noch falsch angewendet beziehungsweise frei interpretiert. Denn: Die resultierenden Kennzahlen aus dem beschriebenen Verfahren sind nicht die Lösung per se, sondern vielmehr eine mehr oder weniger detaillierte Bestandsaufnahme und Handlungsempfehlung. Unglücklicherweise gibt eine Kennzahl nur Auskunft, an welcher Stelle es wie schlimm ist, aber nicht weshalb. Gewonnen ist bei halbgarer Anwendung also nichts.