Radio Frequency Identification Datenerfassung ohne Sichtkontakt

Andreas Löw, Feig Electronic
»Sicherheit spielt in allen unseren Anwendungsbereichen eine entscheidende Rolle.«
Andreas Löw, Feig Electronic: »Sicherheit spielt in allen unseren Anwendungsbereichen eine entscheidende Rolle.«

Ob in der Logistik oder beim kontaktlosen Bezahlen: Die Vorteile von RFID gegenüber optischen Systemen wie Barcode erläutert Andreas Löw, Marketingleiter von Feig Electronic, im Markt&Technik-Interview.

Markt&Technik: Wie beurteilen Sie als RFID-Spezialist grundsätzlich das Potenzial der berührungslosen Identifikation?

Andreas Löw, Feig Electronic: Sobald in Zukunft auch Produkte für den Massenmarkts mit Sensoren ausgestattet sind, wird das Internet of Things (IoT) Wirklichkeit. Doch dafür sind Standards und leistungsfähige Technologien nötig wie die berührungslose Identifikation von Sensordaten über RFID. Die Technologie eignet sich besonders gut für IoT-Einsatzszenarien, weil sie hilft, große Warenbestände in Echtzeit zu erfassen und Reichweiten von mehreren Metern ermöglicht. Zudem bildet sie die Basistechnologie, um auch kostengünstige Artikel in intelligente Objekte zu verwandeln.

Gerade die boomende Logistikbranche setzt bei der Automatisierung von Prozessen entlang der Lieferkette noch vorrangig auf optische Systeme wie Barcodes. Was spricht stattdessen für RFID?

Dank berührungsloser Datenerfassung ohne direkten Sichtkontakt erkennt das RFID-System auch Datenträger, die verschmutzt sind oder sich in einem Ladungsträger befinden. Je nach Betriebsfrequenz funktioniert die Erfassung sogar über eine Entfernung von mehreren Metern. Dabei müssen die Artikel nicht einmal manuell auf den Leser ausgerichtet werden. Auf bestimmten Transpondertypen lassen sich weitaus größere Datenmengen als auf einem Barcode hinterlegen: Neben der Seriennummer des Geräts sind dies auch Herstellungsdatum, Wartungsintervalle und Garantiezeiten. Zudem erfasst die RFID-Technologie zahlreiche Datenträger im Bruchteil einer Sekunde. Diese Pulkerfassung ist vor allem für den Wareneingang und -ausgang sehr interessant. So lassen sich Ladeeinheiten wie Paletten mit Waren durch einen Antennenbereich fördern, mit Transpondern ausgestattete Artikel identifizieren und direkt im ERP-System erfassen.
 

Das mobile Bezahlen mit dem Smartphone ist zumindest in Deutschland noch lange nicht flächendeckend, hingegen wächst der Markt für kontaktloses Bezahlen mit Smartcards oder Kreditkarten weiter. Welche Rolle spielt dieser Wachstumsmarkt für Feig Electronic?

Payment ist für uns ein strategischer Markt. Wir haben 2015 einen eigenständigen Geschäftsbereich Payment gegründet. Als erste Produktplattform haben wir die Terminalreihe cVEND entwickelt, die sowohl kontaktlose Kreditkarten unterstützt als auch RFID-basierende Closed-Loop-Applikationen (NFC). Anwendungen, die derzeit im Fokus stehen, sind neben Vending-Applikationen vor allem Open-Loop-Ticketing für den ÖPNV. In ganz Europa bereiten sich ÖPNV-Unternehmen auf den Rollout kontaktloser Bezahlsysteme vor. Auch in Deutschland geht es mit der VDV-Kernapplikation gut voran. Was wir jetzt entwickelt haben, ist eine Terminalfamilie für das Onboard-Ticketing im öffentlichen Nahverkehr, das auf die Integration in Validatoren oder Onboard-Computer in Bus und Bahn sowie Ticketautomaten ausgelegt ist. Neu ist, dass die kontaktlose Kreditkarte damit als Ticket verwendet werden kann, um Check-in-/Check-out durchzuführen. Die eigentliche Bezahltransaktion findet dabei nicht direkt statt, sondern der Betrag wird später vom Konto abgebucht. Die jeweils benötigten Payment-Applikationen laufen direkt auf einem leistungsstarken Linux-Controller im Gerät. Das cVEND-System ermöglicht Open/Closed-Loop-Ticketing für kontaktlose Kreditkarten und Chiptechnologien wie Mifare, ITSO, Cipurse und andere.