Vom Systemanbieter zum Technologiepartner Das veränderte Geschäftskonzept von Plastic Logic

Leicht, robust, flexibel und mit einer Auflösung, die sowohl bei monochromen Versionen als auch bei den flexiblen Farbdisplays ein einfaches lesen der dargebotenen Informationen ermöglicht. Die Einsatzmöglichkeiten flexibler, auf Organischer Elektronik basierender Displays reichen vom Einsatz auf Smart Cards bis zu großflächigen elektronischen Litfaßsäulen.
Leicht, robust, flexibel und mit einer Auflösung, die sowohl bei monochromen Versionen als auch bei den flexiblen Farbdisplays ein einfaches lesen der dargebotenen Informationen ermöglicht. Die Einsatzmöglichkeiten flexibler, auf Organischer Elektronik basierender Displays reichen vom Einsatz auf Smart Cards bis zu großflächigen elektronischen Litfaßsäulen.

Kehrtwende um 180 Grad: Plastic Logic verabschiedet sich aus dem E-Reader-Markt. In Zukunft entwickelt und fertigt das Unternehmen flexible Displays für Kunden aus unterschiedlichen Anwendungsbereichen und wird seine Technologie lizensieren. Gleichzeitig soll das gewonnene Know-how auch zur Entwicklung großformatiger Sensoren genutzt werden.

Strategiewechsel stellen einschneidende Maßnahmen für Unternehmen dar, seien nun Konzerne oder Startups. Im Fall Plastic Logic lässt sich die grundlegende Neuausrichtung des Unternehmens klar auf den 16. Mai dieses Jahres datieren. An diesem Tag gab der im September letzten Jahres zu dem Unternehmen gestoßene CEO Indro Mukerjee bekannt, dass das Unternehmen seine eigenen E-Reader-Pläne einstelle und sich in Zukunft ausschließlich darauf konzentriere, flexible Displays und Organische Elektronik als Komponentenlieferant zu entwickeln und zu produzieren und gleichzeitig versuchen wird, seine Technologie an Dritte zu lizensieren.

Noch zu Beginn dieses Jahres, war die Botschaft des Unternehmens eine andere gewesen. Rund 700 Mio. Dollar sollten damals in den Ausbau der Fertigungskapazitäten investiert werden. Der Großteil davon in ein neues Werk im russischen Zelenograd. Mitte Mai dann der Schwenk um 180 Grad. Im Zuge des veränderten Business-Konzeptes wird auch das Entwicklungswerk in den USA geschlossen.

Also Konsequenz des Strategiewechsels, der am Standort Dresden auch den Abbau einiger Mitarbeiter beinhaltete, wird es nun auch keine »LP 100« E-Reader für russische Schulkinder geben. Im Zuge eines Investments über 200 Mio. US-Dollar durch das russische Staatskonsortium Rusnano, zu Beginn des letzten Jahres, war die Entwicklung und Produktion dieses Schul-E-Readers Teil offenbar Bestandteil der Investitionsvereinbarungen.

»Der E-Reader-Markt ist nicht das Produktsegment, in dem wir unbedingt vertreten sein müssen«, stellt Jukerjee fest, »er lenkt uns schlicht von den vielseitigen Möglichkeiten dieser Technologie ab«. Nach seinen Worten führt das Unternehmen nicht nur mit potentiellen Kunden aus den verschiedensten Anwendungsbereichen Gespräche, inzwischen wurden auch bereits die ersten Verträge unterschrieben. Ob es sich dabei um E-Book-Hersteller handelt, die Lösungen für raue Einsatzbereiche entwickeln wollen, wird in diesem Zusammenhang nicht erläutert. Fest scheint nur zu stehen, dass die Kunden aus dem breiten Anwendungsbereich der Consumer-Elektronik kommen.

Angesichts von Entwicklungszeiten von sechs bis zwölf Monaten im Consumer-Bereich, ist nach Angaben des Unternehmens bereits 2013 mit Produkten von Kunden zu rechnen, die flexible Displays unterschiedlicher Größe von Plastic Logic einsetzen. Die dann aufgerufenen Produktionszahlen sollen deutlich im Bereich einiger Tausend, oder Zehntausend Stück liegen. Bisher hatte das Unternehmen nach eigenen Angaben einige 1000 flexible Displays im Dresdner Werk gefertigt. Basierend auf Fertigungsequipment, das so teilweise auch in der Display-Fertigung zum Einsatz kommt und dort der Generation 3.5 entspricht, lassen sich in Dresden Displays mit Diagonalen von 1 Zoll bis DIN A4 herstellen.

Unabhängig, ob Plastic Logic nun, gut ausgestattet mit Investorengeldern, in zu kurzer Zeit zu viel erreichen wollte, wie einige Analysten dem Unternehmen vorwerfen, so bestechen doch nach wie vor die technischen Daten der transreflektiven monochromen Displays sowie der Farbdisplays des Unternehmens. Welche Möglichkeiten sich hinsichtlich weiterer Optimierungen bieten, mach Dr. Bernd Zimmermann, Manager Process Integration am Beispiel der Dicken der flexiblen Displays deutlich. »Unser Standarddisplay weist eine Dicke von 760 µm auf, wir sind aber auch in der Lage, Displaydicken von 200 µm zu realisieren«, versichert er.

Eine solche Lösung wäre in Form eines DIN A4-Blattes dann nur etwa halb so dick wie das Papierblatt und auch deutlich leichter. Ein 10,7 Zoll großes, monochromes Display von Plastic Logic vereint in seiner Backplane etwa 1,2 Mio. organische Transistoren. Bei Bedarf lässt sich die Auflösung noch weiter steigern. 225 ppi entsprächen dann rund 2,8 Mio. Transistoren auf der Backplane.

Zu den Besonderheiten des Produktionsprozesses in Dresden gehört es, dass die Organische Elektronik dort im Low-Temperature-Verfahren entsteht, das bedeutet konkret, alle Prozesse in der Fertigung liegen unter 100 °C. Die Zuverlässigkeit der so erzeugten Produkte liegt heute nach Angaben von Dr. Zimmermann bei fünf Jahren. Da die aktiven Schichten enkapsuliert sind, haben hohe Luftfeuchtigkeit, oder auch Temperaturzyklen von +70 °C bis -30 °C keine Auswirkungen auf die Zuverlässigkeit des Produktes.

Flexible monochrome Displays waren der erste Entwicklungsschritt von Plastic Logic, inzwischen stellt das Unternehmen auch Farbdisplays her. Bei den monochromen Displays ist eine Auflösung von 150 ppi Standard. Durch das Aufbringen eines Farbfilters (darstellbar sind derzeit 4096 Farben), halbiert sich die Auflösung auf 75 ppi. Bei Bedarf ließe sich auch eine Hinterleuchtung der transreflektiven Displays realisieren, um beispielsweise auch in abgedunkelten Umgebungen die flexiblen Displays nutzen zu können. »Eine Hinterleuchtung würde aber auf Kosten der Batterienutzungsdauer gehen«, wendet Dr. Zimmermann ein, »und die liegt ohne Hinterleuchtung im reinen Lesebetrieb bei einigen Wochen«.