electronic displays Conference: Am Puls der Display-Entwicklung

Parallel zur embedded world 2010 findet wie jedes Jahr die electronic displays Conference statt. Wir sprachen mit Prof. Karlheinz Blankenbach, Vorsitzender der electronic displays Conference, über die Themen der diesjährigen Konferenz.

Markt &Technik: Die Displays-Conference gilt als die größte und wichtigste Expertenplattform zum Thema Anwendungen von Displays in Europa. Warum ist es gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten der Austausch mit Experten wichtig?

Prof. Karlheinz Blankenbach: Verglichen mit Consumer-Produkten haben professionelle Display-Anwendungen in Europa nur relativ geringe Stückzahlen und Umsatzanteile. Hier gilt es daher umso mehr, dass die Branche ihre Kräfte, spricht Volumina und Anforderungen, bündelt, um optimale Ergebnisse zu erzielen. Insofern ist es wichtig, über Trends informiert zu sein bzw. auf dem laufenden zu bleiben und Erfahrungen auszutauschen. Da gab es in der Vergangenheit auf der electronic displays Conference schon vielen gute Tipps - natürlich ohne Betriebsgeheimnisse auszuplaudern - die den Firmen eine Menge Geld gespart bzw. zum schnelleren Time-to-Market eines Produktes geführt haben.

Bei der Panel-Fertigung spielt Europa längst keine Rolle mehr. Hier spielt die Musik in Asien. Welche Rolle nimmt Europa dennoch im Display-Bereich ein?   

Europa hat sich auf professionelle Anwendungen wie Industrie und Automobil fokussiert. Um im Markt erfolgreich zu sein, werden in Europa höhere Anforderungen wie in vielen anderen Regionen gestellt. Insofern hat Europa in Sachen Qualität die Nase vorne und treibt die Entwicklungen und Optimierungen in Fernost voran. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass weltweit führende Zulieferer für die Display-Produktion beispielsweise aus Deutschland stammen. Zu nennen sind hier etwa Merck als Hersteller von Flüssigkristallen, Aixtron bei der OLED-Herstellung oder Applied Films als Hersteller von Beschichtungen und die Firma Hüttinger, die  Stromversorgungen für die Displayherstellung entwickelt.

OLEDs kämpfen im Display-Bereich seit geraumer Zeit mit dem Durchbruch. Was gibt es Neues zu diesem Thema auf der electronic displays Conference?

Im Consumerbereich setzen AMOLEDs bei Highend-Handies zum Durchbruch an. Den industriellen Bereich decken  viele Anbieter und Distributoren ab, die aber hauptsächlich kleinformatige OLEDs im Programm haben. Die Vorträge auf der Konferenz zu diesem Thema beschreiben universitäre Innovationen wie transparente OLEDs, die Effizienzsteigerung und Black-Panel-Integration mit Fokus auf baldigen professionellen Einsatz. Besonders spannend wird auf der diesjährigen electronic displays Conference sicherlich der Meinungsaustausch der Teilnehmer untereinander über individuelle Erfahrungen beim OLED-Einsatz werden.

E-Paper sind neben den OLEDs ein weiterer »Hype« im Display-Bereich. Was tut sich beim Einzug der E-Paper-Technik in Industrieanwendungen? Werden Tablett-PCs das E-Paper zumindest im Consumer-Markt vom Markt verdrängen?

E-Paper-basierte Reader waren ja einer der großen Renner im Weihnachtsgeschäft. Aber auch für professionelle industrielle Anwendungen sind von einigen Anbietern inzwischen bistabile reflektive Anzeigen erhältlich. E-Paper-Displays sind sonnenlichttauglich und haben bekanntlich einen sehr geringen Stromverbrauch mit Laufzeiten bis zu mehreren Wochen. Sie sind jedoch mittelfristig nicht multimedia-tauglich im Gegensatz zu Tablett-PCs mit Betriebsdauern bis etwa 10 Stunden und eingeschränkter Ablesbarkeit bei Umgebungslicht. Diese Unterschiede werden meiner Meinung nach sowohl bei Industrieanwendungen als auch bei Consumer-Applikationen individuell und je nach Anwendung und Einsatz künftig den Ausschlag für oder gegen die jeweilige Technologie geben.

LED vs. CCFL-Hinterleuchtung: Schon 2011 soll die LED-Hinterleuchtung laut DisplaySearch den CCFL-Röhren den Rang ablaufen: Gilt das Ihrer Meinung nach auch für Industrie-Panels oder eher im Consumer-Markt?

Zu LCD-Backlights gibt es auf der electronic displays Conference eine eigene Session. CCFL-Backlights sind industrieerprobt und bieten außerdem durchaus noch preisliche Vorteile. Mit LED-Backlights lässt sich dagegen ein größerer Farbumfang wiedergeben und außerdem nutzt die LED-Hinterleuchtung moderne Methoden der Energieeinsparung, die die Batterielebensdauer und die Wärmeentwicklung verringern. Meiner Meinung nach könnten aber bei vielen Anwendungen gesetzliche Regelungen wie REACH entscheidend sein.

Auch in diesem Jahr wird wieder der Student Paper Award verliehen. Können Sie schon sagen, wer das Rennen in diesem Jahr gemacht hat?

Wir haben mit acht Einreichungen, davon drei internationalen, ein hervorragendes Ergebnis erzielt. Traditionell werden die Preisträger aber erst im Rahmen der Verleihung bekannt gegeben. Eines kann ich aber vorab schon sagen: Alle Paper sind exzellent, so dass dem Konferenzbeirat die Platzierung der ersten drei schwer gefallen ist.