Kommunikationsmesstechnik Zukunftsmarkt Afrika? Noch mangelt es an Akzeptanz

Jonathan Borrill, Anritsu: »Die Herausforderung liegt darin, die Netzbetreiber davon zu überzeugen, dass Messgeräte wirklich unverzichtbar sind, wenn sie einen effizienten Betrieb erreichen und ihren Gewinn maximieren wollen.«
Jonathan Borrill, Anritsu: »Die Herausforderung liegt darin, die Netzbetreiber davon zu überzeugen, dass Messgeräte wirklich unverzichtbar sind, wenn sie einen effizienten Betrieb erreichen und ihren Gewinn maximieren wollen.«

Einige afrikanische Länder arbeiten derzeit massiv daran, ihre Kommunikationsinfrastruktur zu erweitern. Doch mit dem Aufbau der Netze allein ist es nicht getan. Leistung und Verfügbarkeit müssen sichergestellt sein, Störungen rasch behoben werden. Entsprechende Messtechnik würde Abhilfe schaffen. Doch es ist noch einiges an Überzeugungsarbeit zu leisten, wie Jonathan Borrill, Marketing Director von Anritsu im Interview erläutert.

Markt&Technik: Afrika verstärkt derzeit massiv seine Investitionen in Kommunikationstechnologien. Wie stellt sich der Markt aus Ihrer Sicht aktuell dar und welche weitere Entwicklung erwarten Sie?  

Jonathan Borrill: Zukunftsträchtige Technologien sind in den afrikanischen Regionen mittlerweile sehr viel schneller verfügbar, als dies noch vor zehn Jahren der Fall war. Und auch die Kommunikationsindustrie Afrikas erlebt aufgrund der immer kürzeren Zeit bis zur Einführung neuer Netzwerktechnologien ein rasantes Wachstum. So soll beispielsweise die Zahl der LTE-Teilnehmer in Afrika bis Ende 2017 auf 40 Millionen drastisch steigen. Motor dieses Wachstums ist die Einführung von LTE in Südafrika, Nigeria und Ägypten in den nächsten Jahren. Bei einer starken Nachfrage nach Internet und datenzentrierten Anwendungen erwartet man in Afrika bis 2016 mindestens eine Verzehnfachung des Verkehrsaufkommens in Mobilnetzen. Entsprechend beeilen sich die afrikanischen Netzbetreiber, ihre Netze 3G/4G-fähig zu machen, um für die kommenden Herausforderungen gerüstet zu sein.

Bei einer kürzlich in Südafrika abgehaltenen Konferenz haben sich afrikanische Minister das Ziel gesetzt, bis 2020 Breitbandzugänge für 80 Prozent der Bewohner des Kontinents bereitzustellen. Große Untersee-Kabelprojekte um Afrika herum haben für eine bessere Anbindung an globale IP-Dienste gesorgt und damit die Grundlagen für die Einführung der Breitbandtechnik geschaffen. In den westafrikanischen Ländern wird sich die Kapazität im internationalen Verkehr 2012 von 4 TB/s auf 14 TB/s mehr als verdreifachen. Diese höheren Kabelkapazitäten werden zu erheblichen Preissenkungen für Sprach- und Internetdienste führen - und damit die Verbreitung von Breitbanddiensten fördern.

Entsprechend groß müsste das Potential für die Hersteller von Kommunikationsmesstechnik sein…

Ja, denn angesichts der breiten Einführung von 3G-Netzen und der aktiven Evaluierung der Möglichkeiten für LTE liegt die vordringliche Herausforderung für die Netzbetreiber nun darin, ihre Netze zu optimieren. Das ist unabdingbar, um einen effizienten Betrieb zu erreichen. Dabei kommt kein neues Netzwerkprodukt, kein Dienst und keine wesentliche Weiterentwicklung der Netze ohne entsprechende Kommunikationsmesstechnik aus. Hier wird ein Unternehmen wie Anritsu eine Schlüsselrolle spielen. Wir bieten den afrikanischen Netzbetreibern Testplattformen, die es ihnen ermöglichen, ihre Netze einzurichten, auszubauen und zu warten.

Angesichts der Notwendigkeit, die Verfügbarkeit und Zuverlässigkeit der Netze und Dienste zu verbessern, wird der Netzwerktest für das Betreiberpersonal und -management immer entscheidender und erlangt zunehmend eine strategische Bedeutung.

Welche Herausforderungen gibt es aktuell zu meistern?

Nun, die Herausforderung liegt darin, die Netzbetreiber davon zu überzeugen, dass Messgeräte wirklich unverzichtbar sind, wenn sie einen effizienten Betrieb erreichen und ihren Gewinn maximieren wollen. Die Wartung komplexer Netze ist eine wichtige Aufgabe, über die viele Netzbetreiber ernsthaft nachdenken müssen. Denn trotz enormer Investitionen in die Netze sind sie aufgrund von Unzulänglichkeiten bei Wartung und Betrieb nicht in der Lage, ihre Rentabilität zu steigern. Die Vorstellung, dass die Netzzentrale alle Netzprobleme überwachen und lösen kann, ist falsch. Viele Probleme treten vor Ort auf und lassen sich eben nur mit Hilfe hochwertiger, feldtauglicher Messgeräte diagnostizieren und beheben. Diese müssen die Netzbetreiber ihrem Wartungspersonal zur Verfügung stellen.

Mit welchen Strategien adressieren Sie den afrikanischen Markt?

Die Zusammenarbeit und Partnerschaft mit den Netzbetreibern und Serviceprovidern ist der beste Weg, die Akzeptanz der Messtechnik als strategisches Element der Netze zu fördern. Neben Gerätestörungen und Ausfällen von Übertragungseinrichtungen gehören Betriebsausfälle zu den wichtigsten Faktoren, die die Netzbetriebskosten in die Höhe treiben. Entsprechend richten wir uns vor allem an die Netzbetreiber, um ihnen klar zu machen, dass Messgeräte die Werkzeuge sind, mit denen sie ihre Ausfälle minimieren und damit einen bedeutenden Kostenfaktor in ihrem Betrieb reduzieren können.

Das Interview führte Nicole Wörner.